Franken-GIs drehen Runden auf dem Panzer

31.03.2015

Mainpost, 31.03.2015

 

STAMMHEIM
Franken-GIs drehen Runden auf dem Panzer

Beim Stammheimer „Museumsfrühling“ ging es am Wochenende wieder richtig authentisch zu

 

Als die Amerikaner vor 70 Jahren in Deutschland einmarschierten, wurden die Alliierten vom Gros der Menschen als Befreier empfangen. Beim „Museumsfrühling“ im Militärmuseum wurde am Samstag und Sonntag allerdings nicht verklärt an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren und den Einmarsch der Amerikaner zwischen Main und Steigerwald gedacht. Wieder einmal dominierte Authentizität, aber auch Spaß.

Jede Menge „fränkische GIs“ bevölkerten das Museumsgelände. Trotz originaler und originalgetreuer Uniformen deutete bei den Darstellern der Reenactment-Gruppen der Dialekt unverkennbar auf die fränkische Herkunft hin. Museumsleiter Günter Weißenseel und seine Museums-Mannschaft hatten die Truppe wieder für die traditionelle Saisoneröffnung in das größte Privatmuseum dieser Art nach Stammheim eingeladen.

„Long Tom“ war der Knaller

Neben den Uniformen hatten die Interims-Amis jede Menge „Schätze“ aus dem Reservoir mitgebracht: originale Zelte und Fahrzeuge bis hin zu Panzern oder der schweren Feldkanone „Long Tom“, mit der auf bis zu 24 Kilometer Entfernung ein Ziel getroffen werden konnte.

Beim Museumsfrühling steckte natürlich kein echtes Geschoss mehr in dem Rohr. Der Knall, den der lange Tom bei den Vorführungen im Freigelände aber fabrizierte, war dennoch ohrenbetäubend.

Überhaupt spielte sich am Wochenende die Musik meist draußen ab. Die Gäste konnten nicht nur das detailreiche US-Camp auf der Museumswiese inspizieren, sondern auch mit einem echten Panzer fahren. Dazu ging es hinab in eine riesige Baugrube, auf deren verzweigtem Wegesystem dann die Ketten rollten. Ein Riesenspaß für Groß und Klein.

Zwischen den Gästen tummelten sich auch US-Amerikaner. Darunter einer, der beim näheren Hinsehen mit seiner Tafel Schokolade auffiel, auf der ein englischsprachiges Label gedruckt war, wie man diese von Soldatennahrung kennt. Auch ein Original aus der Zeit, als die Amerikaner nach Deutschland kamen? Nein: Es gebe Firmen, die solche Drucke zum Download auf einer Homepage bereitstellen, lautete die Antwort.

Detailreiche Szenarien

Wer zwar in Weltkriegs-Zwirn und -Schuhen an solchen Veranstaltungen teilnehmen möchte, aber sich nicht den Magen verderben will, der packe seine frische Schokolade eben in solch einem Papier sein.

In den Museumshallen hatte das Team wieder sehenswerte Ausstellungsstücke und Szenarien aufgestellt, wie sie sich Mitte der 1940er-Jahre wohl abgespielt haben können. Hier liegt auch der besondere Reiz der Stammheimer Einrichtung: Geschichte wird anschaulich nacherzählt und nicht auf Bildschirme oder Schautafeln beschränkt. Dazu wirft eine Wand mit originalen Schriftstücken und Fotos auch die offen gehaltene Frage auf, ob die Deutschen damals besiegt oder befreit wurden. Die Antwort wird von Betrachter zu Betrachter unterschiedlich ausfallen.

War es am Samstag zwar noch windig, aber dafür sonnig, machten sich am Sonntag auch über Stammheim die Regenwolken breit. Doch was so manchem Frühlingsmarkt an diesem Wochenende wohl zu schaffen machte, hatte wenig Auswirkung auf den „Museumsfrühling“.

Militärmuseum Stammheim

Das Museum ist bis zum 31. Oktober dienstags bis sonntags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet. Die nächsten Sonderveranstaltungen sind am 2. und 24. Mai die Modellbautage und am 6. und 7. Juni das Oldtimertreffen.

Von unserem Mitarbeiter Timo Lechner

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