Frankens Jenny vor dem Finale draußen

09.10.2006

Mainpost 9.10.2006

 

Frankens Jenny vor dem Finale draußen

 

Leipzig - "Ich wär's schon sehr gerne geworden", gesteht Jennifer Herbert mit einiger Enttäuschung nach der Wahl der 58. Deutschen Weinkönigin. Doch die Krone musste die 22-Jährige aus Zeilitzheim (Lkr. Schweinfurt) einer anderen überlassen. Sie ging an Katja Schweder und damit zum zweiten Mal hintereinander in die Pfalz. Katja vertritt nun für ein Jahr die Winzer der 13 deutschen Anbaugebiete auf nationalem und internationalem Parkett. Ihr zur Seite stehen als Weinprinzessinnen Sandra Soldmann (Saale-Unstrut) und Barbara Fendel (Mittelrhein).

Als die Weinkönigin des Vorjahres, Sylvia Benzinger, der 26-jährigen Winzertochter aus Hochstadt die Krone aufs blonde Haar setzen wollte, da war die vor Glück so aus dem Häuschen, dass sie das goldene Zeichen ihres Amtes erst einmal fallen ließ und fast selbst zu Boden ging.

Abseits der Blitzlichter zeigte Jennifer Herbert als Kleinste im Feld wahre Größe. Schnell hatte sie ihre Enttäuschung überwunden, spendete der Siegerin Beifall, tröstete ihre ebenfalls unterlegenen Kolleginnen, von denen einige ihre Tränen nicht unterdrücken konnten, und posierte mit strahlendem Lächeln für die MAIN-POST mit Fernsehkoch Johann Lafer und dem schrillen Moderator Ralph Morgenstern.
Aus Anlass der 800-Jahr-Feier der Stadt Dresden fand die Wahl erstmals im Kongress-Zentrum der Elbmetropole statt. Das Drehbuch zur Wahl hatte der Mitteldeutsche Rundfunk geschrieben, und der wollte bei der abendlichen Show mit nur fünf Kandidatinnen auf der Bühne spielen. So fiel die Vorentscheidung am Nachmittag vor einer 75-köpfigen Jury aus Vertretern der Weinwirtschaft, der Politik und der Medien.

Um ihre Jenny zu unterstützen, war ein ganzer Bus voll Fans aus Zeilitzheim an die Elbe gereist, angeführt von Bürgermeister Horst Herbert und Jennys Familie. Im Saal grüßte ein großes Transparent "Unner Jenny Habemus Reginam Vini". In Latein wurde die angehende Gesundheitsmanagerin indes nicht geprüft, wohl aber ihr Weinwissen. Und da zeigte sie sich souverän, ließ sich den Druck, der auf allen Kandidatinnen spürbar lastete, kaum anmerken. Auch auf Englisch konnte sie dem moderierenden Komiker Andreas Müller vom Südwestfunk Paroli bieten, beantwortete alle Fragen fachlich versiert und schnörkellos.
"Ein sehr gelungener Auftritt, sie hat nicht außenrum geredet, sondern kurz und prägnant geantwortet. Ihre Chancen stehen gut, zumindest unter die letzten Fünf zu kommen", war sich Jennys Freund Stefan Meißner hinterher sicher. Doch an diesem Nachmittag hatte es die Fränkische Weinkönigin mit einer starken und ausgeglichenen Konkurrenz zu tun. So war die Entscheidung denkbar knapp. Verkündet wurde sie erst am Abend in der Fernsehshow, wo Jenny zur Enttäuschung ihrer Fans unter den acht Gebietsweinköniginnen war, die nur einen kurzen Auftritt im Fernsehen hatten.
Aber auch die fünf Final-Kandidatinnen spielten auf die Bühne nur eine Nebenrolle. Die Show des MDR, betulich moderiert von dem Leipziger Opernsänger Gunther Emmerlich, bestand überwiegend aus Playback, Filmkonserven und den Auftritten der Fernsehballetts.
"Die Show war kurzweilig und modern, aber die Kandidatinnen sind einfach zu kurz gekommen", brachte es Bürgermeister Horst Herbert bei der Wahlparty danach auf den Punkt. Trost für Jenny kam auch vom Präsidenten des Fränkischen Weinbauverbandes Andreas Oestemer: "Die Konkurrenz war heute sehr stark, alle waren ziemlich gleichwertig. Dennoch hätte ich erwartet, dass Jenny zumindest ins Finale kommt."
Das sah auch Jennys Freund so, "aber das Leben geht weiter", meinte er. Für Jenny Herbert heißt das: ein halbes Jahr länger Fränkische Weinkönigin zu sein, bis im März ihre Nachfolgerin gewählt wird. Und etwas hat die junge Frau in Dresden auf jeden Fall gewonnen: viel Sympathie und ein edles Versprechen eines älteren Fans: "Wennte jetzt drauße rumfährst und dei Auto werd dreckich von die Rübe-Fahrzeuche, kannstes jederzeit in mein Hof stell und ich wasch dirs.

 

 

Zu den News