Futter für die Beton-Kuh

11.09.2006

Mainpost 11.9.2006

 

Futter für die Beton-Kuh

 

GEROLZHOFEN/OBERSPIESHEIM "Das ist eine Beton-Kuh. Kühe produzieren Metangas und die Anlage auch. Nur bestes Futter ergibt höchste Leistung", sagt Roland Kukoll, Geschäftsführer des Maschinen- und Betriebshilfsring Gerolzhofen. In den nächsten Tagen werden etwa 300 Hektar Mais im Maschinenringgebiet für die Biogasanlage in Oberspiesheim geerntet. Die Ernteorganisation und die Abfuhr koordiniert der Maschinenring.

 

"Die Betreiber der Anlage müssen kein Substrat dazu kaufen, da die Mitglieder die gesamte, für den Betrieb benötigte Menge selbst anbauen", informiert Kukoll. Im Einsatz sind zur Zeit ein achtreihiger Häcksler mit 500 PS Leistung, der zwei Hektar in der Stunde schafft, sowie fünf Transportfahrzeuge, überwiegend mit Muldenkipper. Sie können im Durchschnitt elf Tonnen Gewicht laden. Die Wagen fahren neben dem Häcksler her im Parallelverfahren. "Bei Bedarf können wir auch zwei Häcksler gleichzeitig einsetzen", informiert Roland Kukoll.

Nachdem der Mais gehäckselt ist, wird er in die Biogasanlage bei Oberspiesheim gefahren, wo zunächst jede Ladung gewogen wird. So erhält jeder Landwirt seine Erntemenge individuell abgerechnet und vergütet. Der Transporter, versehen mit automatischer Bordwandöffnung und Rückwärtskippung, kippt den gehäckselten Mais in ein Silo, dessen Fläche geteert ist, wodurch die Unfallgefahr gemindert wird. Sein Fassungsvermögen beträgt etwa 15 000 Kubikmeter.

"Der Walzschlepper schiebt die Masse hoch, bis zu 2,70 Meter, und verdichtet sie", berichtet der Geschäftsführer. Die Silostöcke werden nach dem Befüllen mit doppelter Folie abgedeckt, um eine Luftzufuhr zu vermeiden, da sonst Schimmelbildung und eine Fehlgärung entstehen könnten.

"Futter" für die Anlage ist Silage aus Mais, aus im unreifem Zustand geernteten Getreidestängeln und aus geschrotetem Getreide. Gute Qualität ist wichtig. Aus diesem Grund wird eine Trockensubstanz in der Pflanze von 30 Prozent angestrebt. "In den Fermentern wird durch den Vergärungsprozess Metangas gewonnen, das zwei 728 PS Motoren antreibt. Sie erzeugen täglich etwa 900 Kilowatt Strom. Die Spitzenleistung liegt bei 1070 Kilowatt. Täglich werden etwa 80 Tonnen Silage benötigt, um die Anlage zu beschicken", so Kukoll.

Mit dem Bau der Anlage wurde im Mai begonnen. Sie soll im Oktober ihren Betrieb aufnehmen. Träger sind 27 Landwirte, die eine GmbH und eine KoKG gegründet haben. 24 von ihnen bauen Mais an.

"Der Vorteil der Biogasanlage liegt darin, dass kontinuierlich Strom produziert wird. Sie ist nicht abhängig von äußeren Faktoren wie Sonne und Wind", erklärt Roland Kukoll und weist darauf hin, dass die Maisernte heuer nicht so gut ausfällt. Mit einer zehn bis 20prozentigen Ertragsminderung sei zu rechnen. Außerdem gebe es Ertragseinbußen durch die schlechte Befruchtung. "Normal sind 50 Tonnen. In diesem Jahr werden es zwischen 40 und 45 Tonnen sein", informiert Kukoll.

Großen Schaden hat verschiedentlich auch der Maiszünsler angerichtet - ein Falter, der Ende Juni bis Anfang Juli fliegt und seine Einer in die Blattscheide des Maises legt. Die Larven bohren sich in den Mais-Stängel und fressen das Mark. Folge: Die Nährstoffzufuhr unterbricht, der Stängel wird morsch und bricht um.

Desweiteren war es sehr trocken zur Zeit der Befruchtung, was zu einer schlechten Kolbenausbildung führte und den Wuchs in die Höhe beeinträchtigte. "Die Wissenschaftler haben ein Gen entwickelt, das dem Mais eingepflanzt werden kann und ihn resistent macht gegen den Maiszünsler. Die Zulassung fehlt noch. Ist es auf dem Markt, könnten Spritzmittel eingespart werden", sagt Roland Kukoll.

Auf manchen Felder trat auch der Maisbeulenbrand auf, der noch nicht bekämpft werden kann. Von dem Maiswurzbohrer, einem Schädling aus Übersee, blieb Franken allerdings laut Kukoll verschont.

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