Gefährliche Attentate: Mehrmals Schafe aus dem Pferch getrieben

28.07.2020

Mainpost 28.07.2020

 

Zeilitzheim/Brünnstadt

Gefährliche Attentate: Mehrmals Schafe aus dem Pferch getrieben

Eisenstangen im Getreide, Metallschrauben im Mais und nun mehrfach beschädigte Weidezäune: Es gibt offenbar Personen, die nicht gut auf die Landwirtschaft zu sprechen sind.

Nachts könne er nicht mehr ruhig schlafen, sagt Hobby-Schäfer Daniel Geiling. Aber auch tagsüber treibt ihn die Sorge um seine Schafe um. Zum wiederholten Mal innerhalb weniger Tage musste er seine Tiere wieder zusammensammeln, da sich diese weit außerhalb des mit einem Weidezaun abgesteckten Bereichs befanden. Der Schäfer, der seit drei Jahren die von seinem Großvater einst begonnene Tradition der Schafhaltung wieder aufleben lässt, ist sich ganz sicher: Das kann kein Zufall sein!

Ein oder mehrere Unbekannte führen scheinbar Böses im Schilde und machen sich regelmäßig am Weidezaun von Daniel Geiling zu schaffen. Nach den Metallschrauben in Maisäckern und den erst kürzlich gefundenen Eisenstangen in Getreidefeldern nun also erneut eine Sabotage, die gegen die Landwirtschaft gerichtet ist. 

Während sich die Schafe von Mitte Dezember bis Ende April im Stall auf dem Bauernhof seiner Großeltern aufhielten, treibt Daniel Geiling sie jetzt auf unterschiedliche Wiesen und Felder in der Umgebung. Wenn das Grünzeug dort abgefressen ist, wechselt er in regelmäßigen Abständen die Standorte mit seiner Herde, die aktuell über 60 Tiere zählt.

Zaun absichtlich geöffnet

Geiling betreibt die Haltung der Schafe in seiner Freizeit. Hauptberuflich arbeitet er als Elektriker bei der Firma Scheba. Deshalb kann er, wie die anderen Schäfer der Region auch, natürlich nicht rund um die Uhr bei den Schafen sein. Für den Schutz der Tiere sorgt ein Elektrozaun mit einer Spannung von 8000 Volt. Selbst wenn der Zaun einmal von starkem Wind zu Boden gedrückt wird, trauen sich die Tiere freiwillig nicht darüber hinweg, berichtete Geiling.

Aber in der Vergangenheit wurde der Zaun bereits mehrmals absichtlich geöffnet und auch beschädigt, was voraussetzt, dass der Strom zuvor abgestellt werden musste. Diesmal liegt der Fall aber anders: Die Tiere wurden an einem Vormittag von einem unbekannten Täter bewusst aus dem Pferch gejagt, erhebt Geiling schwere Vorwürfe. Tatort war eine Wiese zwischen Brünnstadt und Gerolzhofen gegenüber der Einfahrt zur Gärtnerei. "Die Schafe standen plötzlich sogar auf der Kreisstraße", berichtet Geiling entsetzt und fügt an: "Gott sei Dank ist nichts passiert."

Um die Mittagszeit

Aufgrund von Zeugenaussagen kann er den Zeitraum auf exakt eine Stunde unter Mittag eingrenzen. Nun regt er die Hoffnung, dass vielleicht jemand etwas beobachtet hat und Hinweise zur Ermittlung des Täters oder zur Identität einer Person, die sich an der Weide aufgehalten hat, geben kann. Für sachdienliche Hinweise verspricht Geiling auch eine Belohnung.

Eine Woche zuvor waren die Schafe zwischen Zeilitzheim und Herlheim auf einer Wiese stationiert gewesen. Im Bereich des Waldstücks "Humpel", ebenfalls im Umgriff einer Kreisstraße, wurde auch hier nachts die Einzäunung geöffnet. Die Tiere liefen in der Folge heraus und fraßen in einem benachbarten Getreidefeld. Ein Tier überlebte dieses "Festmahl" nicht und starb am zu hohen Eiweißgehalt des Weizens. Der Schaden für das Tier beläuft sich auf 250 Euro. Auch hier ermittelt die Polizei. Gerade deshalb würden die Schafe nicht frei, sondern in einer Einzäunung gehalten, damit kontrolliert gefüttert werden könne und die Schafe keine Vergiftungen durch unverträgliche Nahrung erleiden, erklärt der Schäfer.

Feiges Verhalten

Daniel Geiling kann sich das Motiv des oder der Täter nicht erklären. "Wer hat etwas gegen uns und unsere Schafe?", fragt Geiling nachdenklich. Man könne alles in einem persönlichen Gespräch klären, aber diese Art der Konfliktführung sei unangemessen und feige. "Die Tiere reagieren nach ihrem natürlichen Instinkt und sind völlig schutzlos", fügte er an.

Auf die Täter könnte neben zivilrechtlichen Ersatzansprüchen in diesem Fall auch ein Strafverfahren zukommen, unter anderem wegen Sachbeschädigung und wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Kommt es infolge der Freilassung der Schafe auch zu einer konkreten Gefährdung von Verkehrsteilnehmern, könnte auch der Straftatbestand des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr erfüllt sein, wie auch der Pressesprecher der Polizeiinspektion Gerolzhofen, Jochen Belz, auf Nachfrage bestätigt. Auch Ordnungswidrigkeiten kommen in Betracht.

Großes Bestürzen löste die Nachricht von der mehrfachen Sabotage des Weidezaunes in den sozialen Netzwerken aus. Der verzweifelte Hilferuf von Anja Gegner, der Freundin von Daniel Geiling, nach Hinweisen auf die Person/en, welche dafür verantwortlich sind, wurde in Facebook innerhalb von nur einem Tag bereits über 100 Mal geteilt.

Solidarische Berufskollegen

Der 25-Jährige betreibt die Schäferei aus Leidenschaft nur als Hobby, da sie sich nicht rechnet. Erst seit kurzem brachte er seine Schafwollpellets, die als nährstoffreicher Naturdünger im Garten eingesetzt werden können, auf den Markt (wir berichteten), was ihm die Hoffnung gibt, mit der inzwischen zum Abfallprodukt verkommenen Wolle noch etwas ökologisch und wirtschaftlich Sinnvolles anfangen zu können.

Zum Glück zeigten sich jüngst die Besitzer der von den freigelassenen Schafen angegangenen Felder solidarisch und verzichteten auf die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen. Besonders zwei Landwirte, deren Mais- und Zuckerrübenäcker von den Schafen in Mitleidenschaft gezogen wurden, waren sehr verständnisvoll, berichtet Geiling. Trotz der Sorge, dass er möglicherweise Feinde habe, die ihn weiterhin schädigen wollen, freue er sich über diesen kollegialen Zusammenhalt.

Wer Hinweise geben kann, wird gebeten, sich an die Polizei in Gerolzhofen zu wenden unter der Telefonnummer (09382) 9400.

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