Gemeinderat steht vor einer Zäsur

20.12.2019

Mainpost 20.12.2019

Kolitzheim

Gemeinderat steht vor einer Zäsur

Die letzte Sitzung des Kolitzheimer Gemeinderats im Jahr 2019: Es ist klar, dass elf Gemeinderäte nach der Wahl im März dem Gremium nicht mehr angehören werden, weil sie nicht mehr kandidieren. Das prägte auch die Stimmung, die beim Rückblick herrschte, den Bürgermeister Horst Herbert über das vergangene Jahr, aber auch über die gut sechsjährige Amtsperiode des Gemeinderats gab: ein bisschen Wehmut, Zufriedenheit mit dem, was erreicht wurde, Offenheit für die Aufgaben, die der neue Gemeinderat zu bewältigen hat, und Bewusstsein darüber, dass Entscheidungen anstehen, die langfristige Auswirkungen haben.

Der Bürgermeister bedankte sich bei den Gemeinderäten für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Man habe große Schritte tun können: Einrichtung der Kleinkindbetreuung und der Ganztagsschule, Fertigstellung der Kläranlage, Breitbandausbau. Dass aus den kleineren Ortsteilen jeweils zwei Personen dem Gremium angehören, aus den größeren Ortsteilen jeweils drei, sei "eine ideale Besetzung". Herbert dankte auch seinen beiden Vertretern, Martin Mack als 2. Bürgermeister und Alfred Bumm als 3. Bürgermeister, für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und den offenen Austausch. Sein Dank galt auch den Bediensteten der Verwaltung und der gemeindlichen Kindergärten für ihren Einsatz. Herbert dankte auch allen, die in Vereinen aktiv sind und Verantwortung übernehmen.

Die Einwohnerzahl von Kolitzheim liegt nach Angaben Herberts bei 5643. Das sind 56 mehr als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr – eine erfreuliche Entwicklung. Die Baugebietserschließungen in Unterspiesheim und Herlheim konnten abgeschlossen werden, ebenfalls die Kirchenrenovierung in Kolitzheim. Der Breitbandausbau durch die Deutsche Telekom im Gemeindegebiet ist weitgehend abgeschlossen, außer auf den Aussiedlerhöfen ist die Kapazität von mindestens 30 MBit vorhanden. In den Schulgebäuden wurde die Digitalisierung weiter vorangebracht. Umbaumaßnahmen, um die Offene Ganztagsschule entsprechend den Wünschen anbieten zu können, wurden abgeschlossen. Die Flurbereinigung in Unter- und Oberspiesheim ist auf einem guten Weg, in Zeilitzheim ist sie weitgehend abgeschlossen. In Kolitzheim wird noch über deren Notwendigkeit diskutiert, mit Blick auf die geplante Umgehungsstraße führt aber kein Weg daran vorbei, so der Bürgermeister.

Geplant sind mehrere Baugebietserweiterungen (Kolitzheim, Herlheim, Lindach, Gernach, Zeilitzheim). Die weiteren Planungen für den Schulhaus-Neubau einer Ganztagsschule stehen an. Hier berichtete der Bürgermeister, dass nach Aussagen der Planungsfirma Lernlandschaften, mit der man zusammenarbeite, der Trend in Richtung geschlossene Ganztagsschule gehe. Dies sei bei den Planungen zu berücksichtigen. Der geplante Neubau eines Gebäudes für drei Gruppen im Kindergarten Unterspiesheim, der Neubau der Feuerwehrhäuser in Kolitzheim und Unterspiesheim sowie die Erweiterung des Rathauses seien Vorhaben, die im kommenden Jahr weiterverfolgt werden. Der Blick auf die Gemeindefinanzen sei erfreulich: Die Einnahmesituation, vor allem durch die Gewerbesteuer, sei gut, die Gemeinde verfüge über "eine gesunde finanzielle Basis", so der Bürgermeister.

2. Bürgermeister Martin Mack richtete seinen Blick auf die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen, mit denen man konfrontiert sei: Soziale Strukturen verlören immer mehr an Bedeutung, die Digitalisierung verändere das gesellschaftliche Leben und auch den Umgang miteinander. "Viele können diesen Veränderungen nicht folgen und bleiben auf der Strecke, sie brauchen Hilfe", sagte Mack. Mit den Projekten, die zu stemmen seien, stehe man vor der "größten Herausforderung seit der Gebietsreform", so Mack. Er erinnerte an 1996, als dem Gemeinderat ebenfalls viele neue Gesichter angehörten. Fünf Gemeinderäte aus der damaligen Zeit seien noch im Gremium, die jetzt aber auch ihre Tätigkeit beenden. Mit Blick auf die Zukunft zeigte sich Mack zuversichtlich: "Neue Leute bringen auch neue Netzwerke mit."

Nach dem nichtöffentlichen Teil waren alle Gemeinderäte und ihre Partner/innen sowie Mitglieder der Gemeindeverwaltung ins TSV-Sportheim zu einem gemeinsamen Essen eingeladen. Der Bruch eines Heizungsrohres im Gastraum machte es nötig, die Tafel in der Sporthalle zu errichten.

 

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