Geschlossener Block gegen Rechts

18.04.2015

Mainpost, 18.04.2015

 

STAMMHEIM
Geschlossener Block gegen Rechts

Die Stammheimer beschließen Bildung eines Runden Tischs zur Abwehr von Neonazis

 

Den kommunalen Aufkauf der Immobilie, in der die Partei „Die Rechte“ nach deren Aussagen eine bayerische Landeszentrale einrichten will, hält der Kolitzheimer Bürgermeister Horst Herbert momentan für kontraproduktiv. Denn dann würde man den Mietvertrag mit den Rechten mitkaufen. „Das ist jetzt alles kein Kinderspielplatz mehr“, sagte Herbert, der bereits kurz nach Bekanntwerden der Pläne eine klare Haltung gegen Extremismus gezeigt hatte.

Herbert sagte das bei einer kurzfristig einberufenen Zusammenkunft von Vereinsvertretern und interessierten Bürgern, an deren Ende die Gründung eines Runden Tischs beschlossen wurde, der sich Aktionen gegen die ungebetenen Gäste ausdenken soll. Kriminalhauptkommissar Wolfgang Meyer von der bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus ordnete dabei „Die Rechte“ ganz klar der neonazistischen Szene zu. Der Berater schloss allerdings nicht aus, dass es sich bei der Ankündigung der „Rechten“ immer noch um eine Blase handeln könnte, um Aufsehen zu erregen.

Dann legten die Stammheimer los: Etliche von ihnen hatten beobachtet, wie Karl Heinz Hofmann, der Gründer der nach ihm benannten Wehrsportgruppe, bei der Renovierung des jetzt angemieteten Hauses dort arbeitende Polen mit harschen Worten zu mehr Tempo angetrieben habe.

Mehrfach war aus Reaktionen der Stammheimer zu erkennen, dass sie bei der Wahrung der Sicherheit nicht unbedingt volles Vertrauen in die Polizei haben, falls es am 24. Mai zu Zusammenstößen kommen sollte. Für diesen Tag haben „Die Rechten“ die Eröffnung ihres Zentrums angekündigt. Margit Endres, Leiterin der Polizeiinspektion Gerolzhofen, versuchte zu beruhigen: Natürlich werde es enge Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Unterfranken geben. Grundsätzlich habe die Polizei viel Erfahrung im Ungang mit Extremisten.

Am Freitag war über den neuen stellvertretenden Gerolzhöfer Inspektionsleiter Jochen Belz zu erfahren, dass die Polizei ein besonderes Auge auf das Objekt in Stammheim werfen wird. Dazu seien alle Beamten der Inspektion aufgefordert worden.

Zurück nach Stammheim: Veranstaltungen wie ein Parteitag oder Rechtsrock-Konzerte könnten in einer Demokratie nicht so ohne Weiteres verboten werden, es sei denn, es wäre Gewalt zu erwarten oder das Tragen verfassungsfeindlicher Symbole, informierte Meyer.

Fragen der Medien beantworten

Den Medien sollten die Stammheimer auf keinen Fall den Rücken zukehren, sondern Fragen beantworten, riet Meyer. Alles andere ließe auf Interesselosigkeit schließen.

Eine Bürgerin sorgt sich weniger um Gewaltausbrüche als vielmehr um eine schleichende ideologische Unterwanderung, wenn die Rechten permanent vor Ort seien. Diese Gefahr sieht auch Meyer besonders für die Jugend. „Es kann schon reizvoll sein, mal ein Hakenkreuz auf eine Hauswand zu sprühen.“ Ein anderer äußerte den Verdacht, das Stammheimer „Museum für Militär- und Zeitgeschichte“ könnte die Neonazis angelockt haben.

Dass sich die Präsenz der Rechten negativ auf den Tourismus auswirken könnte, glaubt Wolfgang Meyer nicht unbedingt. „Ein Tourist könnte auch sagen, in Stammheim herrscht Zivilcourage, da geh ich hin.“
Diskussionsteilnehmer aus anderen Kolitzheimer Ortsteilen boten ihre Hilfe und Solidarität an, die die Stammheimer gerne annehmen werden.

Und schließlich eine ganz praktische Frage: „Soll ich den Rechten mein Bier verkaufen, wenn sie zu mir ins Geschäft kommen?“ Die Antwort hatte ein ganz Junger: „Ja, aber stell vor dein Geschäft ein Schild mit der Aufschrift ,Dieser Laden ist bunt‘“.
 

Norbert Finster

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