Glückliches Ende einer Odyssee

09.11.2018

Mainpost 09.11.2018

KOLITZHEIM

Glückliches Ende einer Odyssee

Eine Geschichte mit Happy End: Die am 7. Oktober in Kolitzheim entlaufene Hündin „Lunazelda“ konnte am vergangenen Freitagnachmittag bei Alitzheim eingefangen werden. Sie ist zwar stark abgemagert, aber bei offenbar stabiler Gesundheit.

Die Hündin, ein belgischer Schäferhund-Mix, die einem Kangal-Hirtenhund ähnlich sieht, war erst zehn Tage bei ihrer neuen Besitzerin gewesen, als sie ausbüxte. Das Tier stammt aus einem Tierheim in der Türkei. Als so genannter „Angsthund“ ist sie sehr scheu und ließ sich nicht mehr einfangen.

In den Tagen danach wurde die Hündin mehrmals im Raum Kolitzheim gesichtet, doch ließ sie niemanden näher als zehn, 15 Meter an sich heran. In der vergangenen Woche meldeten sich dann User in Facebook, die das Tier in der Nähe des Alitzheimer Wäldchens zwischen Alitzheim und Herlheim gesehen hatten. Daraufhin beteiligte sich auch eine tierliebe Frau aus Herlheim an der Suche nach der Hündin.

Futterstellen angelegt

Die Hundebesitzerin aus Kolitzheim habe aus Sorge um das entlaufene Tier im Bereich von Herlheim/Kolitzheim zwei verschiedene Futterstellen für den Vierbeiner angelegt, berichtet die Frau aus Herlheim, die namentlich nicht genannt werden will. Man habe auch von dem Bereich, wo die Hündin gesehen worden war, mit Fleischbrühe eine Art Duftspur zur Futterstelle gelegt. Eine der angebotenen Futterstellen sei gänzlich unberührt geblieben, berichtet die Herlheimerin. Die andere war leergefressen, wobei aber nicht sicher ist, ob es „Lunazelda“ war, die sich ans Futter herangetraut hatte, oder ein anderer Hund oder ein Wildtier.

Am vergangenen Freitagnachmittag wurde die Hündin dann wieder zwischen Alitzheim und Herlheim gesehen. Als die Frau aus Herlheim, die sich in den Tagen zuvor schon an der Suche beteiligt und Richtung Alitzheim auch selbst eine Futterstelle angelegt hatte, davon erfuhr, fuhr sie mit ihrem eigenen Hund spontan in das fragliche Gebiet, um nach dem Tier zu suchen. Als sie dort die Suche schon enttäuscht wieder abbrechen wollte, so berichtet es die Tierfreundin, habe sie in einiger Entfernung dann doch noch „Lunazelda“ entdeckt.

Mit Dosenfutter angelockt

Doch auch diesmal wich das scheue Tier zurück. Die Frau hatte allerdings Dosenfutter dabei. Sie warf der Hündin einige Brocken des Futters entgegen, die sofort gefressen wurden. So gelang es ihr, sich Schritt für Schritt dem Tier zu nähern. Am Ende fraß die Hündin der Frau aus der Hand. Der mächtige Hunger von „Lunazelda“ war letztlich stärker als ihre tief verwurzelte Scheu vor Menschen.

Vor lauter Aufregung hatte die Frau bei der ganzen Aktion allerdings ihre Hundeleine verloren. Es gelang ihr aber, das Geschirr des eigenen Hundes als Halsband für „Lunazelda“ zu nutzen und so die Hündin vor dem erneuten Weglaufen zu sichern. Per Telefon verständigte sie dann Elisa Eichelbrönner von der mobilen Hundeschule „Einfach Hund“, die beim Betreuen und Verladen des geschwächten Tieres in den Kofferraum half.

Total abgemagert

„Sie ist total abgemagert und hat offenbar nur sehr wenig gefressen“, berichtet die Herlheimerin vom Gesundheitszustand der Hündin. Wasser habe das Tier während seiner vierwöchigen Odyssee wohl in den verschiedenen Entwässerungsgräben oder Bächen gefunden. Die Hündin, die in einem Zwinger im türkischen Tierheim aufgewachsen sei, wisse nicht, wie man an Freßbares gelangen könne. „Die hat sicherlich kein Reh gejagt.“ Viel länger hätte die Hündin ohne Nahrung aber nicht mehr durchhalten können, meint die Hunde-Liebhaberin. „Sie hätte sich dann irgendwo hingelegt und wäre verendet.“

Im Zusammenhang mit zwei möglichen Wolf-Sichtungen am Schallfelder Wäldchen und bei Rügshofen hatte es zunächst auch Vermutungen gegeben, dass die Zeugen dort keinen wilden Wolf, sondern ebenfalls die entlaufene „Lunazelda“ gesehen haben könnten. Doch die drei jungen Frauen, die bei Rügshofen ihre Hunde ausgeführt hatten und dabei mutmaßlich auf einen jungen Wolf gestoßen waren, waren sich, nachdem sie ein im Internet veröffentlichtes Foto der Hündin gesehen hatten, sicher, dass es nicht der vermisste Schäferhund-Mix war. Das bei Rügshofen gesichtete Tier hatte spitze Ohren und ein längeres Fell, während „Lunazelda“ kurzhaarig ist und hängende Ohren hat.

 

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