"Go, Trabi, Go!" lautet die Devise

07.04.2006

Mainpost 7.4.2006

 

"Go, Trabi, Go!" lautet die Devise

 

Stammheim In der Zeit von 1989 bis 1991 wurde ein wichtiges Kapitel in das deutsche Geschichtsbuch geschrieben. Die Montagsdemonstrationen, der Fall der Mauer, der Niedergang der DDR - Am Ende stand die deutsche Einheit. Bei seinem Museumsfrühling am Wochenende erinnert das Museum für Zeitgeschichte an diese bewegenden Momente.

 

"15 Jahre deutsche Einheit - Brücken verbinden", so lautet in diesem Jahr das Motto für die schon traditionelle Saisoneröffnung im Stammheimer Museum von Günter Weissenseel. Los geht es am Samstag, 8. April, um 10 Uhr mit einem Festakt unter der Schirmherrschaft des unterfränkischen Regierungspräsidenten Dr. Paul Beinhofer. Erwartet werden zahlreiche Ehrengäste aus Wirtschaft, Politik, Schulen und Militär.

Als Festredner wird der Kulturreferent des Landkreises Rhön-Grabfeld, Hanns Friedrich, die Zeit des kalten Krieges und schließlich der Wiedervereinigung aus seiner Sicht Revue passieren lassen. Informationen eines Zeitzeugen, denn schließlich durchschnitt der "Eiserne Vorhang" die Rhön und das Grabfeld.

Nach dem Festakt wird auf dem Freigelände dann ein Akt mit Symbolkraft vollzogen. Ein Brückenlegepanzer M48 wird eigens aufgebaute Grenzzäune niederdrücken und eine Brücke darüber verlegen. Auf dieser Brücke werden sich dann Menschen aus Ost und West begegnen und die Hand schütteln. "So wollen wir zeigen, wie Brücken Hindernisse überwinden und Menschen verbinden können", erläutert Museumsleiter Günter Weissenseel.

An beiden Tagen wird zudem auf dem Freigelände "Checkpoint Charly" aufgebaut sein, und Nürnberger Historienfreunde patrouillieren als DDR-Grenztruppen. Ein russischer Panzer aus der Zeit des Ende des kalten Krieges wird ebenfalls erwartet. Thüringer Privatsammler bringen die Staatskarossen vom Staatsratsvorsitzenden der DDR und Generalsekretär der SED, Erich Honecker, und vom langjährigen Vorsitzenden des DDR-Ministerrates, Willi Stoph, nach Stammheim.

Der Wagen des Volkes in der DDR war der Trabant, liebevoll "Trabi" genannt. "Rennpappe", "Westsächsischer Lumpenpressling", "Asphaltblase", "Überdachte Zündkerze", "Arbeiter- und Bauernmercedes" - welche despektierlichen Namen sich der im VEB Sachsenring Zwickau gefertigte kleine Plastikbomber mit dem knatternden Zweitaktmotor einst auch immer gefallen lassen musste, heute ist er längst Kult geworden. Zwischen 1957 und 1991 wurden mehr als drei Millionen Trabants gebaut. Weit über 60 000 sind noch heute zugelassen.

Wie viele Fans der Trabi hat, soll sich am Wochenende in Stammheim eindrucksvoll beweisen. Denn dann werden Trabi-Fahrer aus der ganzen Bundesrepublik in Stammheim erwartet. Auf dem Museumsgelände wird es ein Trabi-Fahrerlager und einen großen Teilemarkt geben. Am Samstag um 14 Uhr starten die Trabis zur Mainschleifenrundfahrt "Go, Trabi, Go!". Am Sonntag gegen 15 Uhr werden die Trabis dann prämiert. Preise gibt es für die weiteste Anreise, das älteste Baujahr und den spektakulärsten Umbau.

Eine der Neuerungen im Museum ist ein Diorama, das im Modell einen Abschnitt der innerdeutschen Grenze mit Wachtürmen, Todesstreifen und Sperranlagen zeigt. Die Pädagogen des Vereins für Militär- und Zeitgeschichte haben zum Thema "Deutsche Einheit" einen Museumslehrpfad für Lehrer und Schüler ausgearbeitet. Neu im Museum ist auch eine Feuerwehrspritze von 1883. Im Laufe des Jahres kommen nach erfolgter Restaurierung noch ein Luftkissenboot, ein Schlitten der Wehrmacht und eine Kartoffel-Dämpfer-Kolonne, die Weissenseel vor der Verschrottung gerettet hat, hinzu.

Wie immer bei den Museumsfesten wird an beiden Tagen die alte Dorfschmiede in Betrieb sein. Die Museumsfahrzeuge können in Aktion bestaunt werden, es bestehen Mitfahrgelegenheiten in Panzern, die Feldbahn dreht ihre Runden und die Feldbäckerei bäckt Kommissbrot. Das Team aus der Feldküche serviert neben Erbseneintopf heuer auch Soljanka.

Außer dem Museumsfrühling stehen heuer noch das Veteranentreffen am 17. und 18. Juli und das erstmals durchgeführte Dreschfest "Vom Korn zum Brot" am 1. Oktober im Terminkalender des Museums.

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