Grundschule und Baugebiet als bestimmende Themen

04.02.2020

Mainpost 04.02.2020

Unterspiesheim           Bürgerversammlung

Grundschule und Baugebiet als bestimmende Themen

Zahlreiche Bürger nutzten die Möglichkeit, sich bei der Bürgerversammlung über die kommunalen Themen zu informieren und Bürgermeister Horst Herbert Fragen zu stellen. "Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals so viele Besucher der Bürgerversammlung im Sportheim begrüßen konnte", eröffnete Herbert die Versammlung für die über 130 Anwesenden. Dementsprechend gefordert wurde er in der Diskussionsrunde. Zwei Sachgebiete kristallisierten sich zu Brennpunkten in Unterspiesheim heraus: Der beschlossene Neubau einer zentralen Grundschule und der Verkauf von Bauplätzen im neuen Baugebiet.

Überwiegend ging es bei den vielen Wortmeldungen zum Schulbau um die Standortfrage, die Entscheidungsdauer, die Mittagsverpflegung und den Abrisskosten.

Unterspiesheim oder Herlheim, dies sind die beiden möglichen Standorte der neuen Grundschule (wie bereits berichtet). Peter Friedrich wollte wissen, ob eine Baukörperuntersuchung in Unterspiesheim durchgeführt wurde. Für die Gemeinde sei dies nicht relevant, da eine Sanierung absolut nicht wirtschaftlich ist und nirgendwo im ganzen Gebäude  Barrierefreiheit  vorhanden ist, sprich ins obere Geschoss nur Treppen führen, antwortete Horst Herbert. Auf Nachhaken Friedrichs erklärte er, dass die Schule bereits nicht mehr als Schulgebäude gezählt werde.

Was unter dem im Gemeindeblatt veröffentlichten Bericht "zentrale und ruhige Lage" am Standort Herlheim zu verstehen sei, wollte Sebastian Brendler wissen, und ob die Abrisskosten von den angesetzten 500 000 Euro vermieden werden könnten. Der Bürgermeister könne sich an die Formulierung nicht erinnern, wahrscheinlich eine Ausführung aus dem Beraterbericht, und die Abrisskosten fallen in Unterspiesheim genauso wie in Herlheim an und sind somit nicht besonders relevant.

Mittagsverpflegung für Schüler 

Noch konkreter fragte Friedrich, der Schulrektor in Bergrheinfeld ist, warum in der Grundschule die Mittagsverpflegung "erheblich teurer ist und das vom selben Anbieter" und ob es für die neue Schule ein Konzept für die Mittagsbetreuung gibt, da nach seinen Erfahrungen ein Neubau mindestens fünf Jahre dauert.

Der Bürgermeister erläuterte die Zusammensetzung des Preises von 4,50 Euro pro Mittagessen. Dabei sei der Preis von 3,50 Euro pro Essen völlig normal, ein Euro werde für die Ausgabe berechnet. Die Antwort einer Zukunftskonzeption der Mittagsbetreuung lies Herbert offen. Nach der Meinung von Peter Friedrich hat der Gemeinderat (13 Räte waren anwesend) beim Thema Grundschule versagt und müsste bei ihm "Nachsitzen", denn für ihn habe die Bildung der Kinder absolute Priorität.

Langwierige Standortfindung

Eine andere Meinung hatte Notburga Friedl: "Das Essen ist die Aufgabe der Eltern, nicht der Steuerzahler." Seit zwei Jahren diskutiere man über den Standort der Schule, das sei ja wie mit dem Berliner Flughafen, wann werde endlich entschieden, fragte konkret Thomas Heinkel und hatte den Beifall der Versammelten auf seiner Seite. "Wir bauen für die nächsten 40 bis 50 Jahre, deswegen wollen wir nichts Vorschnelles entscheiden. Zudem fordern die staatlichen Stellen einige Gutachten, wie das zurzeit erstellte Raumkonzept, so Herbert.

Ebenso spürbar beschäftig das Thema "neues Baugebiet" die Bürger. Wie bereits im vergangenen Jahr interessierte das Vergabesystem der Bauplätze und es gab viele Nachfragen zu der jetzigen Änderung des Bebauungsplanes, der den Bau von Mehrfamilienhäusern zulässt.

Große Nachfrage nach Bauplätzen

Der Bürgermeister erklärte den derzeitigen Plan, ein Punktesystem anzuwenden. "Das Losverfahren bei den letzten Vergaben war nicht ganz glücklich", sagte Herbert. Die Nachfrage sei erheblich größer als das Angebot in der Gemeinde; deswegen wolle man im europäischen rechtlichen Rahmen das Punktesystem in Unterspiesheim verwenden. Bei diesem könne man die Einheimischen bis zu 50 Prozent in der Entscheidung berücksichtigen. Dabei spiele auch das ehrenamtliche Engagement oder der Familienstand eine Rolle.

Johannes Brendler interessierte der Zeitablauf. Es ist geplant, so Herbert, dass am 18. Februar das Thema im Gemeinderat behandelt und beschlossen wird, so dass eventuell der Verkauf am 9. März beginnen kann. Dafür ist aber die vollzogene Eintragung ins Grundbuchamt Voraussetzung.

Bezahlbarer Wohnraum

Die Entscheidung des Gemeinderats über die Änderung des Bebauungsplanes, die eine Errichtung von Mehrfamilienhäusern zulässt, erregte die Gemüter bei einigen Besuchern. Torsten Scheidig veranschaulichte seine Meinung visuell. "Ich stelle mir einen schönen Nachmittag in meinem neuen Haus vor und schau dann auf ein vielleicht Sechs-Familienhaus empor, schrecklich. Wie kann das sein?", wollte Scheidig wissen. Der Bürgermeister begründete den Schritt eine Bebauung von Mehrfamilienhäuser zuzulassen, damit man auch Finanzschwachen, die sich kein Haus leisten können, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Auch könne es seiner Meinung nach aus ökologischer Sicht nicht gut sein, nur viel Wohnraum für zwei Personen in der Kommune zur Verfügung zu stellen. Zudem seien die dafür zusammengelegten Bauplätze im Norden und somit weniger dominant zu sehen.

Bernd Endres fragte konkret nach der Anzahl der zu veräußerten Bauplätze für Einfamilienhäuser. "Auch dies ist noch nicht im Gemeinderat entschieden", antwortete Herbert. Endres hakte nach: "Wenn ich die aus sieben zu drei verschmolzenen Mehrfamilienbauplätze abziehe, bleiben noch 34 Plätze, wieviel werden im März zum Verkauf angeboten und was kostet der Quadratmeter vorrausichtlich?" Dies sei noch nicht entschieden. "Was empfiehlst du dem Gemeinderat?", fragte er hartnäckig. Meine Empfehlung wird ein Drittel der Bauplätze sein und der Preis wird sich zwischen 130 und 150 Euro bewegen, so die Antwort des Bürgermeisters. Endres kommentierte: "Also etwa zehn bis zwölf Bauplätze."


 

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