"Habemus Reginam!"

20.03.2006

Mainpost 20.3.2006

 

"Habemus Reginam!"

 

Zeilitzheim Was dem Vatikan recht ist, ist Zeilitzheim nur billig. Und so besinnt sich Bürgermeister Horst Herbert auf seine Lateinkenntnisse und verkündet von der Schlosstreppe: "Habemus Reginam! Wir haben eine Königin!"

 

Und so wie vor knapp einem Jahr ganz Deutschland ein klein wenig Papst war, so scheint für Zeilitzheim an diesem Abend zu gelten: "Wir sind Weinkönigin." Denn wenn ein ganzer Ort auf den Beinen zu sein scheint, Bürgermeister ihr Schullatein abstauben, sich längst abgetretene Weinsymbolfiguren wieder in ihren Ornat werfen und selbst Landräte die Spar-Zwangsjacke abstreifen und Mittel aus dem Haushalt versprechen, dann muss Großes passiert sein.

Für den kleinen Weinort am "Heiligenberg" scheinen am vergangenen Donnerstag wirklich Ostern und Weihnachten auf einen Tag gefallen zu sein. Ihre Weinprinzessin, die 21-jährige Jennifer Herbert, war ausgezogen, um in Volkach die Fränkische Krone zu erobern und zurück zu bringen an den "Heiligenberg". Denn vor 22 Jahre war das Diadem mit dem Perlenträubel hier schon mal für ein Jahr zu Gast. Damals zierte es das Haupt von Irene Säger. Und genau im Jahr derer Regentschaft tat die kleine Jennifer Herbert ihren ersten Schrei auf Erden.

Der Glückskeks beim Chinesen

Das, so verrät Jennifer beim Empfang am Freitagabend den mehreren hundert Gästen, habe sie schon mal als gutes Omen betrachtet. Aber dann war da ja auch noch das ominöse Orakel des Glückskekses. Mit ihren Kolleginnen von der Zeilitzheimer Garde sei sie kürzlich beim Chinesen in Volkach zum Essen gewesen, erzählt sie weiter. Zum Schluss des netten Abends gab es die obligatorischen Glückskekse. Elf Stück davon standen auf dem Tisch, und der, den sich Jenny angelte, enthielt die Botschaft: "Am Donnerstag wirst Du Erfolg haben." Sie hält den kleinen Zettel als Beweis hoch.

"Das Warten auf das Ergebnis war furchtbar, wirklich furchtbar", gibt sie einen Tag nach der Wahl zu: "So aufgeregt wie in diesen Minuten war ich noch nie. Weinbaupräsident Andreas Oestemer hat das ja auch ganz spannend gemacht, aber für meine Nerven war es nix."

"Eigentlich", so gesteht sie, "habe ich eher gedacht, dass die Krone nach Mittelfranken geht zur Anne." Aber dann fiel ihr Name. "Das hat mich riesig beeindruckt", schwärmt die neue Königin: "Ich habe Freude, Überwältigung, Erleichterung, Emotion pur erlebt." Den Rummel in den ersten Stunden nach der Wahl habe sie "miterlebt wie in Trance. Da war ich noch gar nicht so richtig da." Doch jetzt geht der Blick ungetrübt nach vorne: "Ich freue mich auf das vor mir liegende Jahr."

Das Büffeln hat sich gelohnt

Die Vorbereitung hat sich also gelohnt. Das Büffeln von Fachwissen über den Wein, die unzähligen Fragerunden mit dem "Arbeitskreis Weinkönigin". Sichtlich erfreut ist Jenny darüber, dass alle Konkurrentinnen vom Vortag zu ihrem Empfang gekommen sind. "Ihr habt es mir wirklich nicht leicht gemacht", ruft sie ihnen zu. Sie hoffe auf ein gutes Miteinander wie in der Zeit der Vorbereitung. Die vier nicken.

Anne darf sogar zusammen mit Jenny im Vierspänner vor dem Schloss vorfahren. Begleitet von Georg Krauß, der extra zum großen Anlass auf Wunsch Jennys die Symbolfigur "Schorsch vom Heiligenberg" reanimiert. Der Bundestagsabgeordnete Frank Hofmann eröffnet ihr: "Die Berliner haben keine Ahnung vom Wein, schon gar nicht von fränkischem." Sein Landtagskollege Dr. Otto Hünnerkopf meldet gleich an: "Auch im Landtag gibt es da noch Nachholbedarf." Beide setzen auf die neue Regentin. Kitzingens Landrätin Tamara Bischof ist sich indes sicher, Berlin und München sollten nur Zwischenstationen sein: "Mit dem Lächeln, mit dem Charme wird sie die ganze Welt bezaubern."

Ihr Schweinfurter Kollege Harald Leitherer strahlt indes mit Jenny um die Wette. Zwölf Jahre, so gibt er zu, habe er darauf gewartet, dass die Fränkische Weinkönigin aus seinem Landkreis kommt. Sollte sie einmal irgendein Begehren habe, das ihre der Weinbauverband nicht erfüllen mag oder kann, dürfe sie sich ruhig an ihn wenden. Denn dafür sei extra ein Haushaltstitel in der Öffentlichkeitsarbeit geschaffen worden.

Feuerwerk am Abend

Für Jenny werden die beiden Tage unvergesslich bleiben. Zunächst die spannende Wahl, und dann der große Empfang tags darauf. Die von ihr trainierten Korbballmädchen stehen mit Rosen Spalier, als Jennifer die Schlosstreppe hochsteigt. Und später am Abend, der Stehempfang im Schlosskeller ist in vollem Gange, bitten Jennys Eltern ihre überraschte Tochter und die Gäste nochmal ins Freie. Horst Herbert schmunzelt vielsagend. Dann steigen im Schlossgarten gut zehn Minuten lang Feuerwerksraketen auf in die kalte Zeilitzheimer Nacht. Die Königin ist überwältigt vom bunten Spektakel. "Habemus Reginam!" Und ein ganzes Dorf ist stolz.

Viele Bilder und eine Videorepor-
tage sowie ein Video-Interview mit
der neuen fränkischen Weinköni-
gin finden Sie auch im Internet:
www.mainpost.de/3475624

 

 

 

 

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