Hutmoden und vieles mehr

06.03.2006

Mainpost 6.3.2006

 

Hutmoden und vieles mehr

 

Zeilitzheim Dass Hüte Damen nicht nur als modisches Accessoire und als letzter Chick zur Abendgarderobe dienen, sondern "frau" damit auch Signale sendet - dies und vieles mehr erfuhren die Besucher des "Dinner for Hats" im Schloss Zeilitzheim. Abgerundet von einem exzellenten Vier-Gänge-Menü präsentierte "Der Hutladen" aus Bad Kissingen Hutmoden aus zwei Jahrhunderten.

 

Dabei ging es bei dieser Veranstaltung um mehr als eine historische Hutmodenschau: Andrea Singer von "Der Hutladen" präsentierte dem 80-köpfigen Publikum im ausverkauften Jagdsaal neben dem eleganten Kopfschmuck auch einen Querschnitt durch die modischen Trends und die gesellschaftlichen Befindlichkeiten mehrerer Epochen.

Alles selbst hergestellt

"Wir haben die Hüte und Kleider komplett selbst hergestellt", erklärte Singer, die sich selbst als eine "fanatische Hut-Trägerin" bezeichnet. Seit 15 Jahren habe sie das Haus nicht mehr "oben ohne" verlassen - mit einer Ausnahme: Als sie auf der Flucht vor einem Brand aus dem Fenster springen musste, habe sie auf einen Hut verzichtet. Zu ihrem Traumberuf der Hut-Modistin sei sie trotzdem erst auf beruflichen Umwegen gelangt, letztlich ausschlaggebend war die vor wenigen Jahren aufgehobene Meisterpflicht.

Schloss Zeilitzheim als Hintergrund und zugleich Bühne für "Dinner for Hats" sei einer Liebe auf den ersten Blick geschuldet, so Singer: "Ich habe mich bei einem Kunsthandwerkermarkt in die alten Gemäuer verliebt. Das hier ist der optimale Ort um Hut-Trägern in einem harmonischen Ambiente den Rahmen zu bieten, modische Extravaganz zu leben und Gleichgesinnte zu treffen."

"Wohl behütete" Damen

Beim Blick ins Publikum konnte man dann tatsächlich feststellen, dass quasi alle anwesenden Damen "wohl behütet" waren und neben dem Kopfschmuck auch sonst viel Sorgfalt auf eine festliche Abendgarderobe verwandt hatten. Die weniger zahlreich erschienenen Männer konnten nicht nur ihren Gaumen an dem guten Essen weiden, sondern auch die fünf bildhübschen Models bewundern, die die Hutmoden vorführten.

Zunächst präsentierten die fünf jungen Damen Hutmode aus der Zeit um 1865, einer Zeit, in der Mode bei der breiten Masse der Bevölkerung Einzug hielt. Crinoline-Röcke wurden jetzt industriell gefertigt, die Jahresproduktion erreichte Millionen Stück. Die Mode fand für jede Gelegenheit und jeden Anlass die passende Variation, "die Frauen mussten schon Spaß am Umziehen haben, ohne Hut gingen sie nicht aus dem Haus", erklärte Singer.

Die breiten, teils ausufernden Hüte gaben den Damen dabei in Bereichen, in denen allein Frau zu sein schon als obszön galt, die Möglichkeit ihre Reize zu retuschieren - oder aber auch gezielt zu akzentuieren.

Straußen-Federn als letzter Chick

Nächste Station der Hutmodenschau war 1912, das Jahr des Untergangs der Titanic, aber auch des Einzugs der "Belle Epoque" in der Mode. Im aufkommenden Empire-Stil waren enge Taillen, eher schlicht gehaltene Kleider, dafür aber hohe und pompöse Hüte gefragt; Straußen-Federn am Hut waren Statussymbol und letzter Chick zugleich. Ein kleiner Spazier-Schirm schützte die Damen nicht nur vor Sonne und Regen: "Je nach dessen Haltung konnten sie damit einem Kavalier bestimmte Signale geben, von Wohlgefallen bis Ablehnung", ließ Singer diese Form non-verbalen Balzverhaltens dem amüsierten Publikum demonstrieren.

1920, die Zeit des Charleston und der großen Revuen. Damenmode wurde männlicher, der Garçon-Schnitt wurde in. "Nach dem Ersten Weltkrieg wollten die Frauen das Vergangene vergessen und dabei auch nach außen hin die Männer ersetzen." Kurzhaar-Frisuren betonten kleine, oftmals bestickte Hut-Modelle mit kleinen Rändern.

Brautmode vom Dachboden

Waren die bis dahin gezeigten Hutmodelle und Kleider komplett nach alten Schnittvorlagen und Motiven nachgeschneidert, stammten die zuletzt gezeigten Moden aus der Nachkriegszeit um 1950 und Brautmoden des letzten Jahrhunderts aus dem beinahe in Vergessenheit geratenen Fundus eines Würzburger Dachbodens, den Singer erwerben konnte.

Am Ende des Abends hatten die begeisterten Zuschauer nicht weniger als 55 Hüte in abwechslungsreichen modischen Variation gesehen.

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