„Ich habe gleich ihre Hand genommen, als ich sie gesehen habe“

13.06.2015

Mainpost, 13.06.2015

 

GERNACH
„Ich habe gleich ihre Hand genommen, als ich sie gesehen habe“

Hans und Notburga Dziemballa gaben sich vor 65 Jahren das Jawort – Jetzt feierten sie in Gernach Eiserne Hochzeit

Vor 65 Jahren, am 10. Juni 1950, gaben sie sich in der Gernacher St.-Aegidius-Kirche das Ja-Wort: Hans Dziemballa und seine Frau Notburga, geborene Weis. Dabei hing es am seidenen Faden, dass sie sich kennen- und liebenlernten: Sie arbeitete in Frankfurt, kam nur am Wochenende in ihren Heimatort Gernach.

Er war nach der Kriegsgefangenschaft in den USA hierhergekommen, als er erfahren hatte, dass seine Familie in Gernach wohnte. „Es funkte sofort zwischen uns“, berichten die beiden unisono. „Ich habe gleich ihre Hand genommen, als ich sie gesehen habe, und offensichtlich hat es ihr gefallen“, erinnert sich Hans Dziemballa an den Augenblick, als er seine spätere Frau zum ersten Mal sah.

Sie in Frankfurt, er in Gernach, da lief viel über den Postweg, zumal auch ihre Eltern von der großen Liebe ihrer ältesten Tochter nicht begeistert waren. Das änderte sich schlagartig, als sie Hans Dziemballa näher kennenlernten. Sie willigten in die Hochzeit ein.

Geboren am 21. Dezember 1923 in Krappitz in Oberschlesien, hatte Hans Dziemballa sechs Geschwister, davon fünf Schwestern. Sein Bruder Georg fiel im Krieg. Mit 18 Jahren wurde er eingezogen, geriet 1943 in Tunesien in Gefangenschaft. Ein Glücksfall, wie er rückblickend sagt, denn es ging ihm in Gefangenschaft vergleichsweise gut.

In Gernach trat er gleich dem TSV bei. Er gehörte der Fußballmannschaft an, die mit 31:1 Punkten und 67:15 Toren 1949 die Meisterschaft in der damaligen C-Klasse Gerolzhofen errang. Über 20 Jahre aktiv, wurde er 2013 Ehrenmitglied des TSV. Dem früheren Vereinsvorsitzenden Adolf Pohli verdankte er seine Arbeit bei der Firma Sachs. Von 1948 bis 1982 war er dort tätig. Fast 70 Jahre war er Mitglied der IG Metall.

Die Dziemballas sind auch bei den Eigenheimern. Notburga Dziemballa ist auch schon lange Jahre treues Mitglied beim Frauenbund.

Sie ist die Älteste von fünf Geschwistern, am 14. August 1928 geboren. Ein Bruder und eine Schwester sind bereits verstorben. Mit drei Jahren kam sie, bis zur Einschulung, zur Oma nach Heidenfeld. „Ich wollte schon immer was von der Welt sehen“, sagt die Jubilarin. So besuchte sie mit 14 die Haushaltungsschule, mit 15 die Frauen-Fachschule in Bad Königshofen. Sie führte in Frankfurt einen Geschäftshaushalt mit sieben Personen.

Da ihre Familie Verwandte in den USA hatte, zog es sie nach Amerika. Die Papiere für die Auswanderung waren schon fertig, als ihr die Liebe ihres Lebens begegnete. „Es waren für mich schwere Wochen der Entscheidung“, blickt die Jubilarin zurück, „aber dann hat doch die Liebe gesiegt“.

Nach der Heirat lebten die beiden einige Jahre im Elternhaus von Notburga Dziemballa, bis 1956 das eigene Haus fertig war, in das sie viel Eigenleistung investierten. Sohn Peter kam 1952 zur Welt, Dieter 1957. Immer wieder arbeitete Notburga Dziemballa, indem sie nähte oder bei Familienfeiern kochte. Als die Kinder aus dem Haus waren, arbeitete sie als Schwesternhelferin im Krankenhaus Volkach. Ihrem Mann war es wichtig, dass sie eigenes Geld verdiente: Sie sollte selbstständig sein können, sollte er als Ernährer der Familie einmal ausfallen, was Gott sei Dank nie geschah.

Zufrieden schauen die beiden auf ihr Leben zurück: sie haben herzlichen Kontakt zu Kindern und Enkeln. Der Garten, der zum Hochzeitsjubiläum in voller Blütenpracht steht, macht ihnen viel Freude. Gerne besuchen sie auch Veranstaltungen des Gernacher Seniorenkreises.

„Wir haben uns immer noch gern“, sagen die beiden rückblickend auf ihre Ehe. Er ergänzt: „Ich kann mir nicht vorstellen, mit jemand anders zu leben.“

Vier Enkelkinder gratulierten dem Paar zum seltenen Fest der Eisernen Hochzeit. Der erste Urenkel ist auch schon unterwegs.

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