Ignorieren oder friedlich protestieren?

21.05.2015

Mainpost, 21.05.2015

 

STAMMHEIM
Ignorieren oder friedlich protestieren?

Unterschiedliche Reaktionen auf Herberts Aufruf

Sehr unterschiedlich bewerten die zehn Kommentatoren auf mainpost.de (Stand Mittwochnachmittag) den Aufruf von Bürgermeister Horst Herbert, den Marsch der neonazistischen Partei „Die Rechte“ durchs Dorf im Anschluss an die Gründung eines Landesverbands Bayern zu ignorieren und lieber zum Musikfest zu gehen.

„Ignorieren geht gar nicht“, meint ein Kommentator. Er hält Herberts Aufruf für eine Schnapsidee. „Dann könnten wir die bunten Plakate auch gleich wieder abhängen und alle Aktionen in den letzten Wochen waren umsonst.“ Für den Bürger aus einem Kolitzheimer Ortsteil wäre es eine Horrorvorstellung, „wenn diese Personen völlig ungestört marschieren könnten.“

„Sind in Stammheim friedliche Demonstranten weniger willkommen als militante Nazis?“, fragt ein anderer. Ignorieren sei auch in der NS-Zeit schon probiert worden. Dann könne man hinterher leicht sagen, man habe von nichts gewusst. Es gelte durch friedliche Proteste zu zeigen, dass eine Gesinnung wie die der Rechten in Deutschland keinen Platz habe.

Nicht zu protestieren, könne eine Aufforderung an die Neonazis sein, in Stammheim ungestört zu agitieren, meinen zwei weitere User. Jede normale Partei in Bayern würde sich München als Landessitz aussuchen. Die Rechten hätten Stammheim gewählt, weil das ein kleines Dorf sei – noch dazu mit martialisch klingendem Namen –, in dem man relativ unbehelligt agieren könne. Eine Idee des Users: Stammheim über Pfingsten kurzfristig auf den Ortsschildern in Buntheim umbenennen.

Es gebe Pro- und Contra-Argumente für die von Bürgermeister Herbert ausgerufene Strategie, zeigt sich ein Diskutant neutral.

Der nächste kommt ziemlich radikal daher. „Parteibüro schließen, und das der Linken in der Schweinfurter Hadergasse gleich mit.“ Dass die Linken Ultras seien, bestreitet ein Leser. Die Linken in Schweinfurt bestehen aus Gewerkschaftern und Ex-Sozialdemokraten.

Andere finden die Ignorier-Strategie dagegen völlig richtig. Ohne Publikum und Gegendemo werde den Rechten die Lust am Marschieren vergehen, findet einer. Ein anderer gratuliert sogar Bürgermeister Herbert. Jede Gruppierung suche Aufmerksamkeit. „Was ist beschämender, als eine Party zu feiern, zu der keiner kommt. . . Gönnen wir ihnen nicht den Krawall, den sie versuchen zu provozieren.“

Auch die Rechten selbst haben auf ihrer Facebook-Seite reagiert. „Wir bedanken uns bei dem Kolitzheimer Bürgermeister Horst Herbert, dass er dem Nationalen Widerstand durch seinen Aufruf am Sonntag einen störungsfreien Verlauf ermöglicht.“

Norbert Finster

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