„Im Inhalt deutlich, aber nicht politisch“

16.05.2015

Mainpost, 16.05.2015

 

STAMMHEIM
„Im Inhalt deutlich, aber nicht politisch“

Kirchen wollen mit einer Pfingstvesper zeigen, dass die Rechten in Stammheim nicht willkommen sind

Auch die beiden christlichen Kirchen wollen ein deutliches Zeichen der Ablehnung gegen die Ansiedlung der Partei „Die Rechte“ in einem angemieteten ehemaligen Gasthaus im Ortszentrum setzen.

Genau zum Zeitpunkt der von den Rechten ausgerufenen Gründung eines Landesverbands Bayern, am Pfingstsonntag, 24. Mai, um 16 Uhr werden der katholische Pfarrer Andreas Engert und sein evangelischer Amtsbruder Georg Salzbrenner am Weiher in der Ortsmitte eine ökumenische Pfingstvesper feiern. „Diese Feier soll auch entsprechend gestaltet sein – in der Form feierlich, im Inhalt deutlich, aber nicht politisch“, kündigt Pfarrer Engert an. Dabei sein werden auch der evangelische Dekan Günther Klöss-Schuster (Castell) und Dekan Werner Kirchner (Schweinfurt-Süd).

Pfarrer Engert bezeichnet die neue Parteizentrale als „ein echtes Kuckucksei“, das die Stammheimer durch eine Verkettung unglücklicher Umstände ins dörfliche Nest gelegt bekommen haben.

Kommunale und kirchliche Gruppen, Vereine, das komplette Dorf sei einhellig gegen diese Gruppierung. Gemeinsam versuche man nun, mit demokratischen Mitteln dieser Gruppierung deutlich zu machen, dass sie hier nicht willkommen sei. Über diese Einigkeit bei aller Buntheit freut sich auch Pfarrer Georg Salzbrenner. „Ich bin noch keinem einzigen begegnet, der gesagt hat, die Rechten wären ihm willkommen.“

„Wir wollen deutlich machen, dass Kirche und christlicher Glaube auf der einen Seite und extremistische und nationalistische Positionen auf der anderen Seite miteinander nicht vereinbar sind“, bezieht auch Pfarrer Engert klar Position. Als Kirche und Christen seien alle eine weltweite Gemeinschaft, in der es keine Unterschiede geben dürfe, in der Ausgrenzung keinen Platz habe, in der alle dazugehören. Engert beruft sich dabei auf Paulus, der im Galater-Brief schreibt (Gal 3, 26-28): „Ihr seid alle durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid „einer“ in Christus Jesus.“

Darüber hinaus sei gerade die Pfingstbotschaft ein treffendes Beispiel dafür, wie Menschen aus allen Kulturen, Rassen und Völkern friedlich zusammen leben und glauben können.

Beide Pfarrer würden sich freuen, wenn möglichst viele diesen Gottesdienst mitfeiern und damit zeigen würden, dass rechtes Gedankengut hier keinen Platz hat.

Dass es voll werden könnte am Stammheimer Weiher, zeigen bereits viele Aufrufe von Parteien und Verbänden, an dieser Andacht teilzunehmen.

Norbert Finster

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