In Österreich einiges dazu gelernt

22.12.2006

Mainpost 22.12.2006

 

In Österreich einiges dazu gelernt

 

ZEILITZHEIM "Es war eine sehr schöne Zeit", sagt Weinbautechniker Martin Mößlein. Der 23-jährige Weinbautechniker hat von September bis Anfang Dezember ein 14-wöchiges Praktikum in einem Weingut an der Weinstraße der Südsteiermark absolviert. Dabei lernte er nicht nur die Arbeit in einem Zwölf-Hektar-Betrieb mit einem Buschenschank (Heckenwirtschaft) kennen, sondern auch "viele nette Leute, mit denen ich weiter Kontakt halten will".

 

Das "Dreisiebner Stammhaus" in der Weinbaugemeinde Sulztal hatte er sich für sein Praktikum ausgesucht. Das Weingut und dessen Chef, den 30-jährigen Hannes Dreisiebner, hatte er bereits vor zwei Jahren bei einer Exkursion der Technikerschule der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt Veitshöchheim kennen gelernt. Im März schrieb er Hannes Dreisiebner eine E-Mail, dass er gerne im Herbst bei ihm ein Praktikum machen würde. Der sagte gleich zu.

Am 14. September fuhr Martin Mößlein in die Südsteiermark. Am nächsten Tag begann die Arbeit. Zunächst galt es eine Woche lang Vorarbeiten für die Weinlese zu erledigen, damit die zehn Weinleser und -innen wie geplant loslegen konnten und auch im Keller alle Maschinen überprüft waren.

Schwerpunkt war Kellerarbeit

In der ersten Woche begann auch schon die Ernte von rotem und weißem Traubensaft. Bei der Weinlese half der Zeilitzheimer dann fünf Tage als Leser in den Weinbergen mit. Abends sprang er einige Male auch im Buschenschank ein, wenn Not am Manne war, das heißt, zu viele Touristen gleichzeitig bedient werden wollten oder die gespülten Gläser auszugehen drohten. Sein Haupt-Einsatzgebiet war aber zusammen mit dem Chef der riesige Weinkeller, in dem es in der Weinlesezeit sehr viel zu tun gab. Bis zu 14 Stunden dauerte der Arbeitstag. Danach waren es sieben bis acht.

"Richtig wohlgefühlt"

Doch bestand das Praktikum nicht nur aus Arbeit. Martin Mößlein hatte auch einmal Zeit, in einem anderen Weinbaubetrieb die Gewinnung von Kürbiskernöl mitzuerleben, was ihn sehr interessierte. Auch das Ausgehen kam nicht zu kurz: mit dem Chef, mit dem er den ganzen Tag im Keller zusammenarbeitete, und mit anderen Winzern, aber auch mit jungen Leuten, die er bei den Weinfesten in der Gegend oder bei Kneipen- und Discobesuchen kennen lernte. "Ich habe mich richtig wohl gefühlt in den beiden Familien auf dem Weingut und viele nette Leute kennen gelernt. Auch die Gegend ist traumhaft schön", schwärmt Martin Mößlein. So verlängerte er das neunwöchige Praktikum um fünf Wochen bis zur Winterpause des Betriebes (im Dezember und Januar).

"Das Praktikum hat mir viel gebracht", sagt Martin Mößlein. Und die Österreicher, findet er, seien "einfach lässiger drauf. Man ist mit jedem gleich per Du, und sie nehmen sich auch mehr Zeit. Ich bin überall sehr herzlich aufgenommen worden". Das neunwöchige Praktikum in der Südsteiermark wurde durch das so genannte Leonhardo-Programm ermöglicht. Durch dieses Aktionsprogramm der Europäischen Union werden in ganz Europa Unternehmens-Praktika gefördert. Das Ziel: Jungen Menschen soll die Chance gegeben werden, ihre persönlichen Kenntnisse und Fähigkeiten durch einen Aufenthalt im Ausland zu verbessern.

Noch weitere Praktika geplant

Das Praktikum in der Steiermark wird nicht das einzige für den jungen Zeilitzheimer Winzer bleiben. Schon im Januar will er bei der Grünen Woche in Berlin 14 Tage im Stand der Gebietsweinwerbung mitarbeiten. Ab 1. Februar zieht er dann nach Mainz, wo er beim Deutschen Weininstitut drei Monate lang seine Kenntnisse in Verkauf und Marketing vertieft und in der zentralen Weinbeschaffung für Veranstaltungen und Messen eingesetzt sein wird. Im September will Martin Mößlein ein Praktikum in der Toskana absolvieren. Im Januar 2008 steht dann noch ein neunwöchiger Grundkurs an der Jungbauernschule in Grainau auf sesiner Wunschliste. Ab April 2008 steht Martin Mößlein nach einer dann über eineinhalbjährigen Weiterbildungs-Phase wieder dem elterlichen Betrieb von Reiner und Ursula Mößlein voll zur Verfügung.

"In jedem Betrieb nimmt man etwas Positives mit. Man lernt etwas dazu, neue Kniffs und Arbeitsweisen, die man zu Hause gebrauchen kann. Außerdem ist es interessant, viele Fachleute und ihre Meinungen kennen zu lernen," sagt Martin Mößlein, der sich nach seiner Lehre in Weinbaubetrieben in Ziegelanger und Bürgstadt, der Zivildienstzeit in der Helios-Klinik und der zweijährigen Ausbildung in Veitshöchheim zum Weinbautechniker vorgenommen hat, in einigen Betrieben der Branche Erfahrungen zu sammeln.

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