Ist der Weiher bald Geschichte?

30.07.2018

Mainpost 30.07.2018

 

STAMMHEIM

Ist der Weiher bald Geschichte?

Eine große Bandbreite an teils sehr unterschiedlichen Vorschlägen über das künftige Aussehen ihres Dorfplatzes am Weiher im Herzen Stammheims brachten die etwa 60 Bürgerinnen und Bürger bei einer „öffentlichen Informationsveranstaltung“ im örtlichen Sportheim zur Sprache.

Bürgermeister Horst Herbert hatte im Vorfeld alle Interessierten und besonders die Anlieger hierzu eingeladen, um die Bevölkerung bei der Entscheidung mit ins Boot zu holen. Die Gemeinde hatte in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro arc.grün aus Kitzingen ein Konzept für die Sanierung des Weihers und die Neugestaltung seines Umgriffes erarbeitet.

Ralf Warm vom Planungsbüro erläuterte zunächst anhand einer Beamer-Präsentation die aktuellen Planungen. Der Platz solle nach den bisherigen Vorstellungen von Bürgermeister Horst Herbert und dem Gemeinderat mit einem komplett neuen Pflaster versehen, der aus einer Naturquelle gespeiste Weiher in seiner jetzigen Kubatur (97 Kubikmeter) aber erhalten, lediglich die Form etwas angepasst werden, da das Mauerwerk zum größten Teil schadhaft ist und ohnehin ausgetauscht werden müsste.

Nachdem der Platz auch als Festplatz insbesondere für das Straßenweinfest genutzt wird, sollen auch die dafür nötige Infrastruktur mit Strom- und Wasserleitungen wesentlich verbessert und Grünflächen geschaffen werden. Kostenschätzungen für die Gesamtmaßnahme liegen laut Warm derzeit bei rund einer halben Million Euro.

Bürgermeister Herbert schickte noch vorweg, dass die Gemeinde das Vorhaben seit Herbst letzten Jahres erst einmal zurückgestellt hatte, da die Entwicklung der Rechtslage im Hinblick auf die Erhebung von Straßenausbaubeiträgen erst abgewartet werden musste. Nach jetzigem Stand kann und muss die Gemeinde die Anlieger an dieser Maßnahme kostenmäßig wohl nicht beteiligen.

Herbert rechne mit einer Förderung durch das ELER-Programm (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums) in Höhe von gut 40 Prozent.

Problematisch sei, dass bei baulichen Änderungen am Weiher zwingend eine Absturzsicherung entlang der Umrandung installiert werden müsse. Das habe eine Rücksprache von Ingenieurbüro und Gemeinde mit der Bayerischen Versicherungskammer ergeben, erklärten Warm und Herbert gemeinsam. Ab einer Wassertiefe von 40 Zentimeter muss, damit die Gemeinde ihrer Verkehrssicherungspflicht ordnungsgemäß nachkommt, eine Barriere mit einer Höhe von 90 Zentimetern errichtet werden, die nicht überkletterbar ist. Beispielsweise müsste ein Gitter einen Stababstand von höchstens zwölf Zentimetern beziehungsweise eine Maschenbreite von höchstens vier Zentimetern aufweisen, um den Standards zu genügen. Derzeit genießt der Weiher in seiner jetzigen Form mit der Tiefe von 70 bis 80 Zentimetern noch „Bestandschutz“.

In der anschließenden Diskussion zeigten sich einige Anwesende enttäuscht über die bisherigen Planungen. Mehr Kreativität und Mut zur Veränderung hin zur modernen Gestaltung des gesamten Bereiches wurde mehrfach gefordert.

Eine Art „Gitter“ außen herum kommt für viele Anwesende überhaupt nicht in Frage. Stattdessen solle lieber gleich auf den Weiher in Gänze verzichtet werden und zum Beispiel ein modernes „Wasserspiel“ mit Springbrunnen entstehen, was die Möglichkeit böte, auch von Kindern zum Planschen genutzt zu werden. Ebenso könnte als Touristenattraktion der Flusslauf des Maines optisch nachgebildet werden, um das sprudelnde Wasser wieder abfließen zu lassen, lautete eine andere Idee.

Gegen derartige Überlegungen wandten sich jedoch Bewohner des Ortskerns sowie einige alteingesessene Stammheimer, die mit „ihrem“ Weiher groß geworden sind. Der Weiher sei identitätsstiftend, verkörpere Leben und dürfte deshalb nicht in seinem Wesen verändert werden, hieß es von dieser Seite.

Eine besondere Attraktion sei der vereiste Quellstein überdies im Winter, wurde ebenfalls pro Weiher argumentiert. Ebenso gab es Stimmen, die dafür plädierten, man solle alles so lassen wie es momentan ist.

Landschaftsarchitekt Warm gab zu bedenken, dass die diskutierten modernen Varianten aus seiner Sicht gestalterisch nicht in den Altort passen würden, zudem sei die Fläche des Platzes dafür zu klein und auch die Feste sowie der Autoverkehr inklusive Parkmöglichkeiten müssten berücksichtigt werden.

Als Kompromissvorschläge wurde von anwesenden Stammheimern eine flachere Stufen-Lösung ins Feld geführt, so dass der Weiher möglicherweise begehbar wäre. Auch könnte ein Teil des Weihers, der die Tiefe von 40 Zentimetern übersteigt, räumlich abgetrennt werden.

Darüber hinaus wurde bei der zweieinhalbstündigen Versammlung auch die Zahl der Sitzgelegenheiten, Schaffung eines Kneippbeckens zur Abkühlung für Radfahrer, der Fischeinsatz im Weiher sowie die Grünanlagen thematisiert.

„Bäume müssen hoch wachsen und Schatten spenden“, befand Georg Wieland, seines Zeichens Bauhofleiter der Gemeinde Kolitzheim und zugleich Anlieger am Weiher. Statt einem Mandelbaum schlug er eine Platane oder Kastanie vor. Monika Ziegler pflichtete ihm bei, der Mandelbaum sei kein ortstypischer fränkischer Baum.

Bürgermeister Horst Herbert, der die Versammlung geleitet hatte, dankte den Anwesenden abschließend für die Diskussion und die vielen Vorschläge.

Der allgemeine Wunsch der Anwesenden hier erst einmal noch etwas Bedenkzeit vergehen zu lassen und die Zukunft des Dorfplatzes am Weiher mit den Planern in einem oder zwei Arbeitskreisen bestehend aus sieben bis acht Personen (wie in der Dorferneuerung) zu diskutieren wurde angenommen.

Herbert versprach diesbezüglich nochmals mit der Geschäftsführung des Ingenieurbüros in Verhandlung zu treten, um ein Nachtragsangebot zu erhalten. Dieses werde er dann dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorlegen, so Herbert zur weiteren Vorgehensweise. Sobald hier alles geklärt ist, kann der Arbeitskreis zusammentreten.

 

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