Jetzt geht es an die Restarbeiten

05.05.2007

Mainpost 5.5.2007

 

OBERSPIESHEIM

Jetzt geht es an die Restarbeiten

 

Die 3,3-Millionen-Baustelle Biogasanlage, ein Gemeinschaftsprojekt der Unterfränkischen Überlandzentrale (ÜZ) Lülsfeld sowie des Maschinenrings Gerolzhofen und 28 Landwirten aus einem Umkreis von zwölf Kilometer um Oberspiesheim, liefert bereits über 50 Prozent der Strom- und Wärmemenge, die bei voller Auslastung vorgesehen ist. Obwohl das Wichtigste der Anlage, der technische Teil, in Betrieb ist, gibt es in den nächsten Monaten noch viel zu tun auf der Großbaustelle.

 

„Wir liegen gut im Rennen und sind zufrieden mit dem, was wir bisher erreicht haben“, sagen die beiden Geschäftsführer der Bio-Energie-Verwaltungs GmbH MR – ÜZ, Bernhard Bedenk (Schallfeld), Energieberater der ÜZ Lülsfeld, und Tino Scheithauer (Donnersdorf), Geschäftsführer der Service-GmbH der Maschinen- und Betriebshilfsringe Hofheim und Gerolzhofen. Auch Egon Mauer (Brünnstadt), Vorsitzender des sechsköpfigen Beirates der an der Anlage beteiligten 28 Landwirte, pflichtet dem bei. Seit dem Spatenstich am 7. Mai vorigen Jahres ging es zügig auf der Baustelle voran. Und Tino Scheithauer hebt hervor, dass alles bisher unfallfrei verlief.

Viertgrößte Anlage Bayerns

Viel hat sich seit Beginn der Arbeiten vor einem Jahr verändert auf der 27 000 Quadratmeter großen Ackerfläche an der Herlheimer Straße, die der Betreiber der Anlage, die Bioenergie Oberspiesheim GmbH&Co KG, gekauft hat, um dort die viertgrößte Biogasanlage Bayerns zu errichten.

Zunächst wurden fünf bis zu 80 Meter lange und bis etwa 50 Meter breite Siloflächen geschaffen und mit 2,50 Meter hohen Mauern umgeben. Auf diesen Fahrsilos wird das „Futter“ für den Vergärungs-Vorgang in der Anlage gelagert. In ihr entsteht Methan-Gas, das in Strom umgewandelt wird. Dabei fällt auch viel Wärme an, die der benachbarten Gärtnerei Gernert zum Heizen der Gewächshäuser dient.

400 Hektar Bedarfsfläche

Bereits im Juli lieferten die beteiligten Landwirte Ganzpflanzen-Silage, im so genannten Milchreifestadium geerntetes Futtergetreide, an, und im Herbst dann Silomais. Jährlich werden 24 000 Kubikmeter Grünmasse von etwa 400 Hektar Ackerfläche – davon zwei Drittel gehäckselter Mais und ein Drittel Ganzpflanzensilage – benötigt. Dazu kommt noch täglich etwa eine Tonne Futtergetreidekörner.

Gebaut wurden im vergangenen Jahr auch die acht bis zu sechs Meter hohen Rundbehälter für die Fermentierung, Nachgärung und Lagerung des pflanzlichen Materials. Daneben steht ein etwa 800 Kubikmeter fassender Rundbehälter für das Methangas, das im benachbarten Betriebsgebäude in einem stark schallgedämmten Raum mit Hilfe von zwei 537-kW-Generatoren (Gas-Otto-Motoren) in Strom umgewandelt wird. Dieser wird in die 20-kV-Leitung der ÜZ eingespeist, die zum Schalthaus bei Brünnstadt führt. Das Kühlwasser der Motoren wird 90 Grad heiß in einen großen Behälter der Gärtnerei Gernert geleitet.

„Einige Monate wird es noch dauern, bis die Anlage restlos fertig ist und der technische Teil auf Volllast gefahren werden kann“, sagt Bernhard Bedenk. 1,1 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom und etwa eine Million kWh Wärme wurden seit Inbetriebnahme der Anlage am 21. Dezember bereits an die ÜZ bzw. die Gärtnerei geliefert, sagt Bedenk nicht ohne Stolz. Bis zum Jahresende sollen es 4,5 Millionen kWh Strom und etwa drei Millionen kWh Wärme werden. Knapp zwei Prozent des Stromes, den die ÜZ in 143 Ortsteile in den Landkreisen Schweinfurt, Kitzingen, Main-Spessart, Haßberge und Würzburg liefert, kommen im Endausbau dann aus der Biogasanlage Oberspiesheim.

Um den laufenden Betrieb der Anlage kümmern sich zwei Arbeiter: Bernhard Markert (Gernach) und Christian Nöth (Oberspiesheim), beide Landwirte und gelernte Landmaschinen-Mechaniker, laut Scheithauer nach mehreren Schulungen schon „richtige Biogas-Experten“.

Auflagen erfüllt

Froh sind die Verantwortlichen auch, dass alle wasserrechtlichen und berufsgenossenschaftlichen Auflagen erfüllt werden konnten und die Bundes-Immissionschutzvorgaben eingehalten werden. Weitere Emissions- und Immissionsmessungen können zwar erst durchgeführt werden, wenn die Anlage auf Voll-Last läuft. „Doch bisher gab es keine Beanstandungen bei der Erfüllung der behördlichen Vorgaben und wir werden auch die Nachmessungen bei Voll-Last locker erfüllen“, ist sich Bernhard Bedenk sicher.

Umfangreiche Eingrünung

Zu den Auflagen gehören auch die Eingrünung der Anlage und der Bau einer Linksabbiegerspur auf der Kreisstraße Oberspiesheim-Herlheim. Die Abbiegespur soll schon in den nächsten Tagen in Angriff genommen werden. Ein zehn bis 15 Meter breiter, leicht erhöhter Grüngürtel mit etwa 4500 Bäumen und Sträuchern muss im Herbst gepflanzt werden. Das erfolgt in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde. „Die Anlage soll schön in die Landschaft integriert werden und nicht allzu sehr auffallen“, betonen die Geschäftsführer. Dazu gehört auch, dass die Behälter der Anlage und der Gas-Behälter eine dunkelgrüne einheitliche Verkleidung bekommen. Diese dient aber nicht nur der Optik, sondern auch zum Schutz der Isolation vor Wettereinflüssen.

Zu den Restarbeiten zählen außerdem noch eine Feinschicht auf den Fahrbereichen der Anlage und der Ausbau des Verbindungswegen zwischen Anlage und Kreisstraße auf sechs Meter Breite. Die Mauern der Fahrsilos bekommen noch Geländer. Etwa 1000 Meter Geländer werden benötigt. Der Kern der Anlage, das Betriebsgebäude und die Behälter, wird durch einen etwa 220 Meter langen und zwei Meter hohen Industriezaun abgegrenzt.

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