Jüdisches Religionsbuch von 1813

01.12.2018

Mainpost 01.12.2018

Zeilitzheim

Jüdisches Religionsbuch von 1813

Stolz hält Hilmar Spiegel einen echten Schatz jüdischer Geschichte von Zeilitzheim in den Händen. Ein originales Religionsbuch der ehemaligen israelitischen Gemeinde im Ort.

Dieses ließ Spiegel restaurieren, um es so für die Nachwelt zu erhalten. Die Kosten dafür wurden von der Gemeinde übernommen.

Als Erscheinungsdatum ist im Buch das Jahr 1813 genannt. Gedruckt wurde es vom königlich-kaiserlichen Landschaftsbuchdrucker Anton Schmid in Wien.

"Es hat Beschreibungen und Erläuterungen zur Thora, zu den fünf Büchern Mose zum Inhalt. Beispielsweise die Geschichten vom verlorenen Sohn, von Kain und Abel sowie die biblischen Strafen mit dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten sind dort in hebräischer Schrift erklärt", so Hilmar Spiegel in einem Gespräch mit dieser Redaktion. Einige wenige Bilder veranschaulichten die Erzählungen, betonte er.

Spiegel erhielt das Buch von einem guten Freund, dessen Vorfahren es durch zahlreiche Generationen weitergegeben hatten. Dieser Freund war Herbert Selig, der am 1. Juni 1914 in Zeilitzheim geboren und heuer am 18. Februar im Alter von 103 Jahren in Jerusalem gestorben ist.

Gekauft hatte das Buch Herbert Seligs Urgroßvater Seligmann Selig (1749 bis 1827). Nachdem Papier zur damaligen Zeit enorm teuer war, wurde das Buch von keinem seiner Besitzer behalten, sondern immer dem nächsten Sohn vermacht. Herbert Selig schenkte dieses über zwei Jahrhunderte alte Relikt vor seinem Tod dem Kreisarchivpfleger Hilmar Spiegel.

Selig erlernte in Würzburg den Beruf des Apothekers, ehe er in der Zeit des Nationalsozialismus im Jahr 1937 nach Chicago auswanderte. Dort übte er weiterhin seinen erlernten Beruf aus und leistete Kriegsdienst in einer Sanitätskompanie der US-Armee im pazifischen Raum. Bis 1973 war er in Chicago in einer Apotheke angestellt, ehe er nach Jerusalem zog und dort am Bikur-Cholim-Hospital seinen Beruf bis zum Eintritt in den Ruhestand weiter ausübte.

Das Religionsbuch, welches nach der Restauration durch die Spezialistin Christine Kammerl aus Weißenburg auch den Originaleinband außen wieder erhielt, um so den Charakter zu bewahren, werde nun im Rathausmuseum in Zeilitzheim seinen würdigen Platz finden, verspricht Hilmar Spiegel. Der Kreisarchivpfleger und Hauptverantwortliche des historischen Arbeitskreises in Zeilitzheim hat dort bereits ein eigenes Vitrinenfach für die ehemalige jüdische Gemeinde in Zeilitzheim vorbereitet, welches nun nach und nach mit passenden Relikten aus der Historie gefüllt wird. Somit wird ein weiteres Mosaik der Dorfgeschichte vervollständigt.

 

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