Karl-Josef Schömig findet großes Steinbeil

06.05.2015

Mainpost, 06.05.2015

 

ZEILITZHEIM
Karl-Josef Schömig findet großes Steinbeil

Im Rathausmuseum in Zeilitzheim sind schon viele seiner Funde aus der Steinzeit ausgestellt

Karl-Josef Schömig hat ein Auge für historisch, wertvolle Fundstücke. Das betonte Kreisarchivpfleger Hilmar Spiegel. Schömig entdeckte bereits mehrfach Hinterlassenschaften aus der Linearbandkeramikkultur, wenn er mit Traktor und Gerätschaften auf dem Acker war. Er bringt diese zu Spiegel. Schömigs jüngster Fund ist auch sein bisher schwerster. Ein Steinbeil von so großem Gewicht, gefunden auf Zeilitzheimer Grund, hielt Hilmar Spiegel bisher noch nie in Händen.

Die Linearbandkeramiker waren eine uralte bäuerliche Kultur aus der Zeitspanne von 5500 bis 4800 vor Christus. Die Bauern dieser Zeit waren sesshaft und verbreiteten sich mit ihren Langhäusern bis über ganz Mitteleuropa.

Sie domestizierten Rinder und Pferde und bauten Getreide wie Emmer, Einkorn und Gerste an, dazu Linsen und Bohnen. Ihre Keramik verzierten sie mit Linien, Wellen und Bändern.

In Zeilitzheim existieren sechs größere Siedlungsplätze in der Flur, wie Hilmar Spiegel in einem Gespräch erklärte. Ihre Hinterlassenschaften in Form von Feuerstein-Klingen, dem Messer der damaligen Zeit, und das Material der Steinbeile (Grauwackestein) bezogen sie über Tauschhandelswege zum Teil von weit her.

Bemerkenswert im Zusammenhang mit den Steinbeilen ist vor allem die aufwändige Entstehung des Bohrkerns. Die Menschen damals seien sehr clever gewesen, berichtet der Kreisarchivpfleger. Um die konische Bohrung zu erzeugen, die einen besseren Halt für den Schaft bietet, sei eine Sehne um einen Holunderstab gewickelt worden, aus dem zuvor das Mark entfernt wurde. Der Stab sei mit Sand gefüllt worden. Er habe sich allmählich in den Stein gebohrt, wenn der Stab mit der Sehne in eine Drehbewegung versetzt wurde.

Auch Keramik-Scherben, Spinnwirtel und Webgewichte der Linearbandkeramiker fänden sich in großer Zahl. Viele Funde werden im Rathausmuseum gelagert und seien in Vitrinen ausgestellt, so Spiegel weiter. Bevor das größte der Zeilitzheimer Steinbeile im Rathaus seinen Platz findet, wird es von Spiegel zunächst an das Landesamt für Denkmalpflege nach Schloss Seehof bei Bamberg gebracht. Dort wird es begutachtet, und mit einer Signatur in den Fund-Kataster aufgenommen, ehe es nach Zeilitzheim zurückgeht.

Dominik Dorsch

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