Kein Zuckerschlecken für Zuckerrübenanbauer

30.01.2016

Mainpost 30.01.2016

HERLHEIM

Kein Zuckerschlecken für Zuckerrübenanbauer


Die Lage für die Zuckerrübenanbauer in Unterfranken bleibt auch weiterhin sehr ernst. Die Trockenheit des vorigen Jahres ließ die Erträge in den Keller rauschen, der Weltmarktpreis ist mehr oder weniger im freien Fall, und eine Besserung scheint nicht in Sicht.

Entsprechend ernst waren auch die Minen der gut 150 Gäste bei der Kreisversammlung des Verbandes Fränkischer Zuckerrübenanbauer (VFZ) in der Sporthalle des SV Herlheim. So viele, stellte auch Geschäftsführer Klaus Ziegler fest, „waren es noch nie“. Zusätzliche Bierzeltgarnituren mussten aufgestellt werden, die Anspannung war sehr hoch.

Johannes Menth hatte die nicht wirklich dankbare Aufgabe, die Kampagne des vorigen Jahres Revue passieren zu lassen. Das extreme Trockenjahr 2015 habe Franken hart getroffen, seitens des Marktes habe es keine Entlastung gegeben, „wir haben ein schwieriges gesellschaftliches und politisches Umfeld“, so Menth. Franken hatte die geringsten Erträge in ganz Süddeutschland erwirtschaftet, und trotz eines späten Erntebeginns hatte es im Herbst kaum Zuwächse gegeben.
71 Tage hatte die Kampagne gedauert (im Vorjahr: 117 Tage), die Anbaufläche ist auf 18 685 Hektar zurückgegangen (von 23615), und der Ertrag lag bei 56,1 Tonnen/Hektar (86). Weltweit gebe es Überschüsse, der Preisdruck sei sehr hoch. Pro Tonne Zucker dürfen die Landwirte 41 Euro erwarten - ein Preis, der in der Vergangenheit schon mal weit höher war.

Allerdings fallen ab 2017 die Produktionsquoten weg, die den Bauern und der Südzucker AG - an die die Landwirte ihre Zuckerrüben liefern - eine gewisse Planungssicherheit gebracht haben. Anstelle eines Mindestpreises zahlt Südzucker künftig nach den Markterlösen - und die unterliegen schon jetzt großen Schwankungen, sagte Alfons Münch, bei der Südzucker AG zuständig für die Rübenabrechnung. „Uns ist klar, dass der ein oder andere von Ihnen abspringen und andere Feldfrüchte anbauen wird“, so Münch.

Mit ihm lieferten sich die Zuckerrübenanbauer eine heftige Debatte wegen der Entlohnung. Südzucker, so wehrte er sich gegen einen Vorwurf, „bereichert sich überhaupt nicht. Es geht hier für uns alle um ein miteinander, und Sie haben zum Teil erhebliches Geld in Ihren Betrieb gesteckt“. Niemand könne sagen, wie sich die Preise zukünftig entwickeln werden. Und: es werde sich seiner Ansicht nach ein „Verdrängungs-Wettbewerb“ entwickeln setzen nach dem Motto „Die Großen fressen die Kleinen“, und da müsse sich Südzucker gut aufstellen können - „und genau das geht nur im Miteinander“.

Er appellierte an die Landwirte, weiter zu produzieren, weil das für die ersten Jahre nach der Marktliberalisierung wichtig sei. Der Konzern bietet den Landwirten, die die Rübenmengen zuverlässig liefern, bis zu drei Euro mehr pro Tonne.

Damit das Werk Ochsenfurt weiterhin effizient arbeiten kann, wird die Kampagne wohl dauerhaft auf 120 Tage ausgelegt werden, in Verbindung mit einer auf rund 27 000 Hektar vergrößerten Anbaufläche. Die Krux an der Geschichte: ein zu erwartender Überschuss führe zu weiterem Preisdruck und mindere die Erträge der Südzucker AG. Und die muss im laufenden Geschäftsjahr in ihrem Kernsegment zum ersten Mal mit Verlusten rechnen, zwischen 60 und 80 Millionen Euro. Trotzdem fällt das Konzernergebnis positiv aus, weil in verschiedenen Segmenten, unter anderem Bioethanol, ein Überschuss von 200 Millionen Euro erzielt wurde.

In seinem Motivationsreferat lieferte Klaus Ziegler, ohne es wohl recht gewollt zu haben, den Landwirten einen sehr positiven Aspekt. Zwar wies er auf die Trockenperioden der Vergangenheit hin, in denen die Erträge stark abrutschten. „Man sieht aber auch deutlich, dass es niemals zwei Jahre Trockenheit hintereinander gab“, sagte er, und die dreistündige Anspannung der Zuckerrübenanbauer schien mit einem Schlag abzufallen.

 

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