Kinder-Freuden und traurige Tage

16.11.2006

Mainpost 16.11.2006

 

Kinder-Freuden und traurige Tage

 

Zeilitzheim (MM) Es ist keine durchwegs heile Welt, die der Historische Arbeitskreis Zeilitzheim mit seiner Bilder- und Spielzeugausstellung im historischen Rathaus am kommenden Wochenende präsentiert. Neben Kinderspielzeug aus den letzten 100 Jahren hängt auch der fade Beigeschmack einer Epoche in der Luft, in die Kinder- und Jugendzeit bei vielen im "Heldentod" fürs Vaterland endete. Morgen abend um 1830 Uhr eröffnet die Ausstellung, bei der Kinder-Freud und -Leid eng beieinander liegen.

Etwa 200 Bilder auf 14 Schautafeln, dazu unzählige Spielsachen und Kinderbücher in Vitrinen hat Hilmar Spiegel mit Unterstützung von Kurt Scheuering sorgfältig zusammengetragen und zur Ausstellung "Kinderzeit zwischen 1. Weltkrieg und 3. Jahrtausend" zusammengefügt.

Viel lokaler Bezug

Unter den Exponaten in den vier Räumen, die, wie die gesamte Ausstellung, durchwegs einen lokalen Bezug zu Zeilitzheim haben, befinden sich auch wahre Raritäten. Beispielsweise Puppen-Kinderwagen aus der Zeit um 1900, ein Holz-Schaukelpferd von 1920 oder eine metallene Spielzeug-Lok aus der gleichen Zeit.

Aber es hieße nur die halbe Wahrheit abbilden, wenn sich die Ausstellung auf das Spielgerät aus glücklichen Kindertagen beschränken würde.

Aus den Fotografien auf den Schautafeln und den begleitenden Texten lässt sich der Wandel ablesen, den das Kindsein seit dem ausgehenden Wilhelminismus bis in die Gegenwart hinein durchlaufen hat: Beeindruckend sind die Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Schulkindern, die in Hab-Acht-Stellung einem vorherbestimmten Schicksal entgegen sehen, das sich in den kleinen Birkenkreuzen widerspiegelt, die ihre späteren Soldatengräber kennzeichnen.

Die Fotografien aus der Nachkriegszeit, in der die Kinder aus einfachen Gegenständen Spielzeug bastelten, lassen erkennen, dass der Nachwuchs damals stärker das Dorfbild prägten, als heute.

Es gibt kaum ein Bild aus dem Dorfgeschehen, auf dem nicht eine ganze Meute von Kindern zu sehen ist.

In der sehenswerten Ausstellung findet sich die Lebenserfahrung mehrerer Generationen wieder: der Generation, die von beiden Weltkriegen geprägt wurde, der Nachkriegsgeneration, deren erste heimliche Zigaretten Mokri hießen - Preis: achteindrittel Pfennige! - und die in den Bravo-Heften erste intime Details übers andere Geschlecht erfuhren.

Und der Blick in die Gegenwart zeigt, dass Kinder sich auch heute an Fasching noch gerne als Cowboys verkleiden und an der Volkach spielen. Bloß das ferngesteuerte Plastikauto wäre früher aus Blech und einfach konstruiert gewesen.

Rahmenprogramm

Die Ausstellung im Rathaus in Zeilitzheim eröffnet am morgigen Freitag, 17. November, um 1830 Uhr. Ab 1930 Uhr schließt sich ein festlicher Abend im Jagdsaal des Schlosses an, der von Beiträgen von Hildegard und Hans Driesel (Werneck), Prof. Jürgen Hofmann (Berlin), dem Kolpingchor und dem Männerchor Zeilitzheim umrahmt wird.

Am Samstag, 18. November, ist die Ausstellung von 10 bis 16 Uhr geöffnet, am Sonntag, 19. November, von 10 bis 17 Uhr. Am Sonntag um 14 Uhr gibt es zudem Vorträge der Kindergartenkinder im evangelischen Gemeindehaus.

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