Kirche darf nicht nur in der Kirche stattfinden

18.05.2015

Mainpost, 18.05.2015

 

GERNACH
Kirche darf nicht nur in der Kirche stattfinden

Gemeinsame Bittprozession an die Gernacher Seen

„Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden! Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht. Verächter des Lebens sind es, Absterbende und selber Vergiftete, deren die Erde müde ist.“ So lautete ein Text zur Besinnung, der während der Prozession der St. Aegidius-Gemeinde zu den Gernacher Seen vorgetragen wurde. Der Text stammt von Friedrich Nietzsche (1844-1900). Zu den Gernacher Seen kamen auch die Gläubigen aus der ST. Sebastian-Gemeinde Unterspiesheim und aus der Gemeinde St. Bartholomäus aus Oberspiesheim.

Pfarrer Thomas Amrehn nahm in seiner Predigt Bezug auf das Evangelium zum Himmelfahrtsfest: Der Auftrag „geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen“ gelte allen Christen. In diesem Sinne sollten sich die Christen das Wort Nietzsches ins Stammbuch schreiben lassen: Die Christen dürften sich von niemandem in der Sorge um die Schöpfung und die Erde übertreffen lassen. Christentum meine nicht die Vertröstung aufs Jenseits, sondern den Einsatz für die Welt, die Gott geschaffen habe. „Wenn Kirche nur in der Kirche stattfindet, ist das eine armselige Kirche“ so der Seelsorger.

Der Gottesdienst müsse vor allem „unter freiem Himmel“ sein: dort, wo die Nöte der Menschen sind. Die Zusage des Evangeliums zum Fest Christi Himmelfahrt an die Jünger Jesu „in meinem Namen werden sie Dämonen austreiben“ könne in unserer Zeit heißen, sich dem Bösen entgegenzustellen: das können die Konzerne sein die durch ihre Rücksichtslosigkeit die Schöpfung zerstören, das kann die Unversöhnlichkeit nach einem Streit sein. Gottesdienst geschieht dort, wo Leben in Gefahr gerät. Der Seelsorger wandte sich auch gegen die Absicht einer Ärztegruppe, die Assistenz zum Suizid zu legitimieren: „eine Gesellschaft, die den Wert des Lebens nach den Pflegekosten beurteilt, ist armselig zu nennen“. Die Christen sollten den Gottesdienst in diesem Sinne häufiger unter freiem Himmel feiern: nahe bei den Nöten der Menschen, und auch, wie jetzt, wenn die Frösche quaken und der Regen kommt.

es

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