Krise bei Nahrungsmitteln macht Bauern ärmer

02.01.2009

Mainpost 02.01.2009

 

HERLHEIM

Krise bei Nahrungsmitteln macht Bauern ärmer

 

Rohstoffexperte Nolte: Erlöse zurück auf altem Niveau

Es gibt jetzt und auch in Zukunft genügend Nahrungsmittel auf der Welt – aber die Erlöse der Landwirte sind auf das alte niedrige Niveau zurückgefallen, die Kosten sind stark gestiegen, in der Summe verdient der Landwirt weniger als vor der „Nahrungsmittelkrise“. Das war die Kernaussage des Südzucker-Rohstoffexperten Berthold Nolte in seinem Vortrag: Weltagrarmärkte im Wandel – was erwartet die deutsche Landwirtschaft?

Eingeladen hatte die Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft der CSU im Landkreis unter Vorsitz von Hermann Ruß, Brünnstadt. Gekommen waren 90 Zuhörer in das Sportheim in Herlheim. Ursächlich für die hohen Preise des Vorjahres, die jetzt ab September wieder in den Keller fielen, waren laut Nolte Ausfuhrstopps wichtiger Exportländer, Nachfragesteigerung und vor allem Spekulation. Eine große Ernte in diesem Jahr mit weltweit fünf Prozent höheren Erträgen – 20 Prozent in der EU– hätten die Weltvorräte bei Getreide, Mais und Reis um 100 Millionen Tonnen anwachsen lassen. Die Ursache der Ertragssteigerung, waren günstiges Wetter, Intensivierung im Anbau und vermehrter Einsatz von Gentechnik außerhalb Europas. 90 Prozent des Getreides wachsen auf der nördlichen Halbkugel.

Im Sog der kurzfristig hohen Erzeugerpreise haben die Düngemittelproduzenten ihre Preise verdoppelt bis verdreifacht, so Nolte. Wolle der Landwirt den Nährstoffentzug der Pflanzen ausgleichen, müsse er heute 200 Euro pro Hektar mehr aufwenden.

Der Zuwachs der Weltbevölkerung hat sich in den letzten Jahren verlangsamt, wodurch auch die jährliche Nachfragesteigerung von 2,2 Prozent auf 1,5 Prozent zurückging. Weltweit gibt es genügend Ackerflächen, die noch für den Anbau von Nahrungsmitteln mobilisiert werden können. 13,5 Milliarden Hektar sind nach Nolte derzeit in Bewirtschaftung, drei Milliarden Hektar mögliche Ackerfläche in Reserve. Vor allem Brasilien könne noch 200 Millionen Hektar derzeitiges Weide- und Buschland, in Ackerland umwandeln.

In 20 Jahren habe Brasilien seine Produktion bei Mais und Soja verdreifacht bei Zucker verzehnfacht, allerdings auch auf Kosten des Abholzens von Regenwald, erklärte der Referent.

Von den 27 Millionen Hektar Regenwald, die seit 2000 weltweit abgeholzt wurden, gehen 47 Prozent auf das Konto Brasiliens. Darauf angesprochen – so der Referent – antworten die Brasilianer: „Ihr in Europa hattet früher auch Urwald und habt ihn abgeholzt, das gleicht tun wir jetzt auch.“ Bei hohen Lebensmittelpreisen lohnt es sich, Kapital in die Kultivierung neuer Flächen zu investieren, bei niedrigen nicht.

Nicht abzusehen seien die Auswirkungen der derzeitigen Finanzkrise. Ein hoher Ölpreis ziehe auch die Preise für die Landwirtschaft mit nach oben. Bis zum Jahr 2050 würden weltweit 20 Prozent der möglichen Erzeugung nicht für Nahrungsmittel gebraucht und könnten problemlos zu alternativen Energiegewinnung, Bio-Ethanol, Bio-Diesel oder Biogas, verwendet werden.

Der Vorwurf, die USA hätten mit ihrem riesigen Ethanolprogramm die Preise in die Höhe getrieben, ist in Noltes Augen nicht gerechtfertigt. Die Exportquote der USA bei Mais sei im letzten Jahr unverändert gewesen. Die 100 Millionen Tonnen Mais für Ethanolgewinnung sei durch inländische Ertragssteigerung und Umwidmung von Flächen aufgebracht worden.

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