Kugel, Kreuz und Hahn wieder an ihrem Platz

16.09.2020

Mainpost 17.09.2020

Gernach

Kugel, Kreuz und Hahn wieder an ihrem Platz

"Unser Wunsch:  Das Kreuz und die Kugel auf dem Kirchturm möge so gut erhalten bleiben, dass es in diesem Jahrhundert nicht mehr von seinem Platz an der Spitze des Kirchturms entfernt werden muss". Mit diesen Worten rückte Pfarrer Amrehn den historischen Moment in der Geschichte der St. Aegidius-Gemeinde und des Gernacher Gotteshauses in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Knapp 30 Personen hatten sich am Kirchplatz eingefunden, um diesen Moment aus nächster Nähe mitzuerleben, unter ihnen die beiden örtlichen Gemeinderäte Dieter Dietz und Reinhard Heck, Pfarrgemeinderatsvorsitzende Inge Henkel, Kirchenpfleger Michael Werner und Mitglieder der Kirchenverwaltung.

Sicher haben viele Gernacher aus der Ferne zugeschaut, denn der Kran, der Kirchturmkugel und das Kirchturmkreuz sowie den Wetterhahn auf das Kirchturmdach hievte, war im ganzen Dorf sichtbar. Eine Drohne filmte das Geschehen von oben.

Bevor der Kran in Aktion trat, bezeichnete der Seelsorger diesen Tag des Festes der Kreuzerhöhung, mit dem ein Abschnitt der Renovierung der Gernacher Kirche seinen Abschluss findet, als bedeutsames Ereignis für die Kirchengemeinde in Gernach, aber auch für die Geschichte des Ortes Gernach. Er nahm Bezug auf die drei Zeichen, die die Spitze des Kirchturms zieren: Der Hahn sei das Symbol der Wachsamkeit, der Wahrheit und der Hoffnung, wie es im Text des alten Hymnus "O ew`ger Schöpfer aller Welt" zum Ausdruck kommt: "Der Hahn, des Tages Herold ruft, der Wächter in der Finsternis", weiter heißt es in dem Hymnus:  "Der Hahn bedrängt, die säumig sind, der Hahn klagt die Verleugner an" und weiter: "Hoffnung erwacht beim Hahnenschrei, und Lindrung strömt den Kranken zu."

Das Kreuz an der Spitze des Kirchturms erinnert an den Kern des christlichen Glaubens: Nicht das Leid hat das letzte Wort, sondern der Glaube an die Auferstehung ist das Fundament unseres Glaubens: Jesus ist auferstanden, durch seine Auferstehung hat er den Tod besiegt. In dem Wahlspruch des Kartäuserordens "Stat crux, dum volvitur orbis" (das Kreuz steht, solange sich die Erde dreht) wird diese Botschaft auf den Punkt gebracht: Dem Leid und der Unbeständigkeit der Welt stellt der christliche Glaube die Endgültigkeit der Erlösung durch das Kreuz und die Auferstehung entgegen. Der dreimal gemeinsam gesungene Hymnus "O Heil`ges Kreuz, sei uns gegrüßt" brachte diesen Glauben zum Ausdruck.

In der Turmkugel werden zwei Kartuschen geborgen: Eine enthält Dokumente der Zeitgeschichte, die aus den Renovierungen der Kirchturmkugel in den Jahren 1919, 1946 und 1972 stammen, die andere einen Überblick über die aktuelle kirchliche und politische Situation in Gernach und in der Welt, einen aktuellen Pressespiegel, ein Exemplar des Amtsblattes der Gemeinde Kolitzheim und einen Satz Münzen. Nach dem Segen und dem Wunsch des Seelsorgers, "dass das Gebet in der Kirche St. Aegidius nie verstummen möge" wurden die Kartuschen geschlossen und verschweißt, anschließend Kugel und Kreuz mit dem Wetterhahn auf die Spitze des Kirchturms gehoben und auf den mit Kupfer verkleideten "Kaiserstiel" aufgesetzt.

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