Leben gerettet statt weggeschaut

20.07.2015

Mainpost 20.07.2015

 

REGION GEROLZHOFEN

Leben gerettet statt weggeschaut

Ministerpräsident Horst Seehofer hat am Freitag im Rahmen einer Feierstunde im Antiquarium der Münchner Residenz die Bayerische Rettungsmedaille an 87 Lebensretter aus ganz Bayern verliehen. Außerdem überreichte der Ministerpräsident an 47 Personen die Christophorus-Medaille. Unter den geehrten Lebensrettern waren auch vier Männer aus der Region.

Mit der Bayerischen Rettungsmedaille wird ausgezeichnet, wer bei der Rettung eines Menschen aus Lebensgefahr sogar sein eigenes Leben eingesetzt hat. Wer jemanden unter besonders schwierigen Umständen aus Lebensgefahr rettet, erhält nach dem Gesetz über staatliche Auszeichnungen für die Rettung von Menschen aus Lebensgefahr eine öffentliche Belobigung und die Christophorus-Medaille.

Unter den Bürgern, die die Bayerische Rettungsmedaille erhielten, waren auch Michael Greß aus Kolitzheim und Kurt Helbig aus Frankenwinheim. Die Männer waren am 18. Dezember 2011 als Ersthelfer zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen, der sich auf der damals noch nicht ausgebauten Staatsstraße von Mönchstockheim nach Donnersdorf direkt an der Abzweigung nach Sulzheim ereignet hatte. Ein mit fünf Personen besetzter VW-Passat hatte von Sulzheim kommend die Vorfahrt eines Mercedes missachtet. Bei dem Aufprall geriet der Passat in Flammen.

Den beiden Ersthelfern gelang es noch, aus dem zertrümmerten Passat zwei Frauen und zwei Kinder zu retten, obwohl schon Flammen und Qualm aus dem Unfallwagen aufstiegen. Der eingeklemmte Fahrer konnte nicht mehr gerettet werden.

Steffen Plachetka aus Michelau wurde mit der Christophorus-Medaille ausgezeichnet. Der damals 19-Jährige hatte am 5. Dezember 2013, als das Sturmtief Xaver über die Region tobte, durch Zufall die leisen Hilferufe einer 79-jährige Frau gehört. Die Seniorin war, nur mit einem Bademantel bekleidet, auf den Treppenstufen vor ihrem Haus in Sudrach gestürzt und hatte sich mit einem Arm unglücklich zwischen den Metallstäben des Treppengeländers verfangen, so dass sie nicht mehr aufstehen konnte und stundenlang auf Rettung warten musste.

Steffen Plachetka musste bei völliger Dunkelheit über das verschlossene Eingangstor klettern, denn im Haus der Frau alle Sicherungen herausgeflogen. Er trug die bereits stark unterkühlte Frau in ihr Haus, wickelte sie in wärmende Decken und verständigte den Notarzt.

Ebenfalls mit der Christophorus-Medaille ausgezeichnet wurde Alexander Thein aus Frankenwinheim. Thein hat am 3. Juni 2013 zwischen Neuses am Berg und Köhler eine Frau aus dem starken Hochwasser gerettet.

Wie die Polizei damals berichtete, wollte eine 83-jährige Rentnerin gegen 21.15 Uhr mit ihrem Mercedes auf der Kreisstraße von Neuses am Berg Richtung Köhler fahren. Wegen Hochwassers war die Straße unmittelbar nach Neuses am Berg gesperrt. Trotz der Beschilderung fuhr die Frau auf der Straße unbeirrt so lange weiter, bis ihr Auto ins Hochwasser geriet.

Das Fahrzeug schwamm leicht auf und drohte in der starken Strömung des Mains abzutreiben. Der damals 31-jährige Feuerwehrmann aus Frankenwinheim, der zufällig vor Ort war, erkannte sofort die gefährliche Situation. Thein zögert nicht lange, watete durch das eiskalte Wasser und konnte die Fahrerin aus ihrem Wagen und an Land bringen. Die Frau wurde anschließend mit Unterkühlung und einem Schock ins Krankenhaus gebracht.

Im Anschluss an die Feierstunde lud Ministerpräsident Seehofer Lebensretter und Gerettete, jeweils mit ihren Angehörigen, zu einem Empfang ein.

Seit Schaffung der Bayerischen Rettungsmedaille im Jahr 1952 haben 4043 Personen diese Auszeichnung erhalten. Mit der Christophorus-Medaille, die erstmals 1983 vergeben wurde, sind bislang 1503 Personen geehrt worden.

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