Lebhafte Diskussion um das Konzept des geplanten Schulhauses

07.10.2020

Mainpost 08.10.2020

Kolitzheim

Lebhafte Diskussion um das Konzept des geplanten Schulhauses

Die Vorstellung des Raumprogramms für den Schulhausneubau und die Diskussion um die 3. Änderung des Bebauungsplans "oberer Ried" in Unterspiesheim waren die Tagesordnungspunkte der Sitzung des Gemeinderats, zu denen der meiste Diskussionsbedarf bestand. Den drei vorliegenden Bauanträgen wurden ohne größere Diskussion das gemeindliche Einvernehmen erteilt. Auch die Befreiungen von den Vorgaben des Bebauungsplans bei einem Bauvorhaben in Unterspiesheim, betreffend die Geschossigkeit, die Dachneigung, Abweichung von der Dachfarbe und Abweichung von der Traufhöhe fanden die Billigung des Gremiums.

Karin Doberer von der LernLandschaft stellte die pädagogischen Leitideen von LernLandschaft vor: Lernkultur, Teamkultur und Raumkultur müssen aufeinander bezogen sein, damit günstige Voraussetzungen für das Lernen in Schulen gegeben sind. Diese Leitlinien waren der konzeptionelle Hintergrund für die Erstellung des "Raumfunktionsbuches". Die Ergebnisse eines Workshops, an dem Eltern, Gemeinderäte und Lehrer beteiligt waren, und eines kleineren Workshops, Gespräche mit den Lehrern waren eine Grundlage für die Erstellung dieses 60-seitigen Werkes, das als Grundlage für die Ausschreibung dienen soll – so der Beschluss des Gemeinderats am Ende der Diskussion, in der viele Aspekte zur Sprache kamen, die bei der Planung zu berücksichtigen sind.

Neue Wege in der Schulhausplanung werden beschritten

Bürgermeister Horst Herbert hatte in seinen einführenden Worten zu diesem Punkt der Tagesordnung hervorgehoben, dass man mit der Einbeziehung von LernLandschaft neue Wege bei der Schulhausplanung beschritten habe – mit gutem Grund, denn LernLandschaft habe langjährige und vielseitige Erfahrungen in der Planung von Schulgebäuden: pädagogische, architektonische, rechtliche und finanzielle fanden bei der Erstellung des Raumfunktionsbuches gleichermaßen Berücksichtigung.

Er informierte, dass es immer wieder Abstimmungen mit der Rektorin der Grundschule, Michaela Kirchner, und der Regierung von Unterfranken als Genehmigungsbehörde gab. Die Stellungnahme der Regierung stehe jedoch noch aus. Bezüglich der weiteren Schritte – als nächstes müsse die europaweite Ausschreibung erfolgen – stehe man im Kontakt mit einer Rechtsanwaltskanzlei, die umfassende Erfahrung mit dieser Art der Ausschreibungen hat. "Wir wollen möglichst schnell zur Ausschreibung kommen", so der Bürgermeister. Nach der Ausschreibung werde man in den Architektenwettbewerb gehen.

Karin Doberer stellte die wesentlichen Elemente des Raumfunktionsbuches vor. Sie legte Wert auf die Feststellung, dass das Raumfunktionsbuch kein Bauplan sei: man lege den staatlichen Vorgaben entsprechenden Raumbedarf für die Anzahl von Schülern zugrunde, die die Schule besuchen – und besuchen werden, aber wie diese Räume konkret geplant werden, das ist Sache des Architekturbüros.

Schule soll dreizügig geplant werden

Sie appellierte an das Gremium bei der Wahl des Architekten darauf zu achten, dass er sich auf dieses Konzept von Schulhausplanung einlassen kann, und bereit ist, den während der Planungsphase und auch während der Bauphase notwendigen Abgleich von Vorgaben der Regierung, finanziellen Auswirkungen der Planung, pädagogischen Konzepten und bautechnischen Planungen kontinuierlich mitzugehen. "Das Konzept eine Schulfamilie baut, das heißt Lehrer, Eltern, Schüler, Gemeinderat, Verwaltung und Regierung sind im Dialog, unterscheidet sich grundsätzlich vom Konzept Flurschule, wo man vorgefertigte Pläne aus der Tasche zieht", so Doberer.

Doberer legte auch dar, dass man empfehle, die Schule dreizügig zu planen. Auch wenn Prognose, dass die Dreizügigkeit längerfristig erreicht werde, nicht sicher sei. Der Hintergrund für diese Empfehlung: die Förderung könne bis zu 25 Prozent höher ausfallen, wenn der Regierung ein pädagogisch ausgearbeitetes Konzept vorgelegt werde. Gegenüber der "Flurschule", so bezeichnete Döberer die Schulen, die nach bisherigen Konzepten mit Gängen und Klassenzimmer ohne Begegnungsräume geplant wurden, benötige die Schule, die Begegnungsräume vorsieht, weniger Erschließungsflächen (z.B. Gänge, die sonst nicht pädagogisch genutzt werden). Diese Erschließungsflächen werden nicht bezuschusst.

Mehrfache Nutzung der Räumlichkeiten

Mit Blick auf den gesetzlichen Anspruch auf Ganztagsbetreuung, der bis 2025 realisiert werden soll, gewinnen auch Konzepte, die die integrative Nutzung der Schulräume für die Ganztagsbetreuung vorsehen. Die Planung für das Schulgebäude sollte diese Perspektive im Blick haben, zumal man davon ausgehe, dass die Ganztagsbetreuung von 80 Prozent der Eltern in Anspruch genommen wird.

In der Diskussion wurde deutlich, dass der zentrale Unterschied zu bisherigen Schulhausplanungen die mehrfache Nutzung der Räumlichkeiten ist. Bürgermeister Horst Herbert äußerte sich skeptisch, dass man aufgrund der absehbaren Entwicklung der Kinderzahlen in der Gemeinde glaubwürdig vertreten könne. Denn nach einem leichten Anstieg in den nächsten Jahren prognostiziere das statistische Landesamt einen Rückgang der Kinderzahlen für die Gemeinde Kolitzheim.

Dieter Dietz plädierte dafür, dass die Gemeinde die Mehrkosten, die entstünden, wenn die Dreizügigkeit nicht als Planungsgrundlage anerkannt und die Zuschüsse geringer ausfallen, übernehmen sollte. Karin Doberer unterstützte dieses Argument mit der Überlegung, dass mehr Räumlichkeiten auch mehr Möglichkeiten zur Differenzierung bieten. Es gelte, ein "handfestes pädagogisches Konzept" zu erstellen, dann würde auch die Förderung steigen.

Konzept könnte Familien anziehen

Matthias Schöpf wollte wissen, ob es Schulen in Bayern gebe, die die Elemente der LernLandschaft schon umgesetzt hätten. Karin Doberer konnte auf eine ganze Reihe von Beispielen verweisen. Sie informierte auch, dass Schulplanungen, die sich ausschließlich auf die Raumplanung beschränken, von den Genehmigungsbehörden nicht mehr akzeptiert würden. Seine Frage, ob kleinere Schulen mit weniger Schülern angesichts von Corona nicht sinnvoller seien, stieß auf das Gegenargument, dass in den Schulbussen die Ansteckungsgefahr größer sei als in einem Schulgebäude.

Bürgermeister Horst Herbert brachte ein, dass eine Schule mit etwa 200 Schülern nicht als große Schule gelten könne. Von Seiten der LernLandschaft wurde dargestellt, dass es entsprechend dem vorgelegten Raumfunktionsbuch möglich sei, gleichbleibende Gruppen von Schülern in nur jeweils für sie vorgesehenen Räumlichkeiten mit entsprechenden Funktionsräumen zu bilden, und so die Ansteckungsgefahr zu mindern. Dies sei in "Flurschulen" nicht möglich, da auf den Gängen viele Begegnungen stattfinden, wenn die Klassenzimmer verlassen würden.

Johanna Wieland begrüßte das Konzept. Dieses Konzept einer modernen Schule könne auch junge Familien anziehen, meinte sie. Auch wenn Home-Office zunehme, sei es für die Eltern eine Entlastung, wenn sie ihre Kinder in guter Betreuung wüssten, wandte sie sich gegen das Argument, dass der Bedarf an Ganztagesbetreuung angesichts dieser Entwicklung rückläufig werden könne.

Konzept sieht Aufbereitungsküche vor

Im Konzept der LernLandschaft ist keine Kochküche, sondern eine Aufbereitungsküche vorgesehen, informierte Doberer auf Nachfrage. Für eine Kochküche wären die räumlichen Erfordernisse ungleich größer. Zum weiteren Vorgehen führte Karin Doberer aus, dass das Raumfunktionsbuch keine konkreten Raumplanungen enthält. Die Vorschläge von Raumbedarf, Begegnungsmöglichkeiten und Funktionsräumen entsprechen den pädagogischen Vorstellungen. In Abstimmung mit den Vorgaben der Regierung und den finanziellen Rahmenbedingungen ist die Umsetzung Aufgabe des Architekten.

Daher sei die Wahl eines Architekten, der offen für die integrative Entwicklung des Schulkonzepts sei, so wichtig. Auch über den Standort der Schule könne erst entschieden werden, wenn konkrete Planungen vorliegen. Dabei spielt auch die Entscheidung über ein- oder mehrgeschossige Bauweise eine Rolle. Ergänzend wurde mitgeteilt, dass die Erstellung einer Turnhalle gesondert von den Planungen für das Schulhaus zu entscheiden ist.

Schule soll besichtigt werden

Vor der Abstimmung berichtete Michaela Kirchner vom Lehrerkollegium: "Wir sind in den Startlöchern. Durch die Räumlichkeiten sind wir eingegrenzt, in unseren pädagogischen Möglichkeiten begrenzt. Die Möglichkeit des Team-Teachings würden wir gerne mehr wahrnehmen. Natürlich ist die Zusammenarbeit in einem Schulhaus für unser Kollegium auch eine Herausforderung, wenn wir in einem Schulhaus sein werden".

Allgemeine Zustimmung fand der Vorschlag von Reinhard Heck, eine Schule zu besichtigen, die nach den Konzepten arbeitet, die zusammen mit der Lernlandschaft entwickelt wurden. Karin Doberer wird entsprechende Vorschläge machen, versprach sie.


 

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