Lindacher feiern Martini-Kirchweih

09.11.2007

Mainpost 09.11.2007

LINDACH

Einst der Höhepunkt des Bauernjahres

Lindacher feiern Martini-Kirchweih – Am Sonntag Zug durch das Dorf

 

Am kommenden Wochenende wird im Obstbaudorf wieder die Martini-Kirchweih gefeiert. Die Kerm, wie sie im Volksmund heißt, war in früheren Zeiten der Höhepunkt des Bauernjahres. Auf den Feldern war da die Arbeit weitgehend getan und man hatte Zeit, zu feiern. Da wurde der Gemeindebackofen auf dem Dorfanger angeheizt und es wurden prächtige runde Käse- und Apfelkuchen nach alt hergebrachten Hausrezepten gebacken.

Selbstverständlich luden die einzelnen Bauernfamilien auch Gäste ein, mit denen man dann auch gemeinsam den Kirchweihgottesdienst besuchte. Dieser Brauch hat sich im Winzerort bis in die heutige Zeit hinein gehalten.

Im ersten Jahrtausend bestand in Hohen-Lindeche, wie der Ort damals genannt wurde, eine kleine adelige Ganerben-Kirche, die vermutlich weitgehend in Holzbauweise errichtet wurde. Erst 1583 kam ein weiterer Sakralbau hinzu: die Dorfkapelle am nördlichen Dorfausgang. Sie löste nun als Dorfkirche die erste Kirche, die inzwischen recht baufällig gewesen sein muss, ab. Erst am Ende des 16. Jahrhunderts wurde die heutige Dorfkirche, wohl auf den Fundamenten der Ganerbenkirche errichtet. Der spitze Julius-Echter-Helm, eine für die damalige Zeit typisch gestaltete Turmspitze in Anlehnung an den berühmten Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (1573-1617), grüßt weithin über das Maintal. 1691 baute man an den Turm das Langhaus an. Somit besteht die heutige Kirche 316 Jahre, deren „Geburtstag“ man am kommenden Wochenende wiederum gebührend feiern wird. Ortspfarrer Wendelin Lieb lädt die Dorfbewohner am Sonntag zu einem feierlichen Gottesdienst ein.

Aber bereits am Samstag haben die Kirchweihprediger wieder das Sagen. Pünktlich um 13 Uhr wird die Kirchweih von der Dorfjugend ausgegraben und die Kerwesfichten am Gotteshaus, an den Gasthäusern und an den Anwesen der Gemeindehonoratioren aufgestellt. Selbstverständlich wird da wieder mit großem Hallo in einem Kirchweihzug erst einmal durch das Dorf gefahren, um den Bewohnern zu zeigen „Heut is Kerm!“ Pünktlich um 14 Uhr wird dann auf dem Dorfanger die Kirchweihpredigt vorgetragen, wo wieder in glossierter Form die leichteren und schwereren „Sünden“ der Dorfbewohner zum Besten gegeben werden. Am Abend ist um 20 Uhr im Sportheim eine Plattenparty.

Zu den News