Lindachs versteckte Biotope

23.05.2019

Mainpost 22.05.2019

Lindach

Lindachs versteckte Biotope

Es gibt sie noch, die urwüchsigen, idyllischen Strauchhecken mit uralten, Höhlen tragenden Obstbäumen, inselartige Wäldchen, Kerbtäler mit Wasser führenden Gräben, mit undurchdringlichen Saumgebüschen oder weite, feuchte Wiesengründe. Das sind wichtige Biotope, Rückzugsgebiete, für die heimische Fauna und Flora. Die hier durchgeführte Flurbereinigung hat offensichtlich die Fehler der Vergangenheit, die man ihr allgemein vorwirft, nicht wiederholt, eine ausgeräumte Landschaft zu schaffen. Sie hat vielmehr Ökonomie, Arbeitswirtschaft und Ökologie umweltverträglich in Einklang gebracht, das muss man anerkennen.

Der Naturfreund wird sich fragen, wo es diese ökologischen Nischen noch gibt. Die Antwort lautet: In den Fluren des Sonderkulturendorfs Lindach. Sicherlich wird es andernorts auch noch solche Naturrelikte geben, doch sollen die Fluren des Straßenangerdorfs hier beispielhaft erwähnt werden.

Kürzlich wurde in der Main-Post in verschiedenen Beiträgen (Kolitzheim, Rügshofen) beklagt, dass man in den Fluren der Main-Steigerwald-Dörfer nur noch ausgeräumte Agrarsteppen fände, in denen die oben benannten Merkmale einer intakten Landschaft weitgehend fehlten. Mit entsprechenden Bildern wurde das beispielhaft belegt. Das kann man von den Lindacher Fluren zumindest nicht generell behaupten, wobei hier sich auch nicht alles optimal darstellt. Hier gibt es ebenfalls Umweltsünden, die man hätte vermeiden können und auch müssen.

Gut strukturierte Flur

Hier findet man eine von Menschenhand geschaffene, gut strukturierte Flur mit den vielen Obstbäumen, den Spargelfeldern und den Weingärten. Daneben sieht man eine natürlich entstandene, schön modellierte Flurlandschaft mit Ebenen, Senken, Hügeln und Kerbtälern, wo sich der Naturfreund an vielen naturbelassenen Flecken erfreuen kann, die vor Leben nur so strotzen.

Allerdings liegen diese Biotope etwas versteckt, abseits der bekannten Wanderwege, wo sie nicht gleich ins Auge stechen. Das ist einerseits gut so, um Naturfrevel zu vermeiden, andererseits aber etwas schade, weil vielen Menschen dadurch so manches Naturerlebnis vorenthalten wird. Sowohl optisch auffällige als auch mehr unauffällige Pflanzen dürfen hier ungestört wachsen.

Da stehen uralte, morsche Obstbäume mit Höhlen, die so nach und nach zerfallen dürfen, um anderen Lebewesen als Nahrung und Schutz zu dienen. Beispielsweise kann man auf dem so genannten Trockenrasen verwelkte Blütenstände von Staudenpflanzen oder Fruchtmumien von Obstbäumen aus dem Vorjahr finden, die den Vögeln und anderen Tieren im Winter als Nahrungsquelle dienen.

Mit Geduld und der nötigen Muße kann man an ruhigen Tagen verschiedene Tierarten beobachten, ihre Stimmen vernehmen oder ihre Hinterlassenschaften finden. Da tummeln sich Steinkäuze, verschiedene Specht- und andere Vogelartenarten. Auch Kleinraubtiere wie dem Iltis und dem Marder kann man begegnen. Man könnte noch so einige Naturwunder aufzählen, die man hier entdecken kann. Dies hat den Anschein, dass es in Lindachs Fluren durchaus noch eine intakte Natur gibt, zumindest an einigen markanten Stellen, was man aber nicht generell so sagen kann.

Einen wertvollen Beitrag für den Erhalt dieser artenreichen Natur leisten verantwortungsbewusste Lindacher Bürger, die allerdings hier nicht namentlich benannt werden wollen. Bleibt zu hoffen, dass es künftig noch einige Nachahmer mehr gibt, um die Fluren des Ortes liebenswert und ökologische intakt zu halten. Einen Lichtblick auf diesem Gebiet scheint es aber zu geben, denn der Lindacher Arbeitskreis „Dorfgemeinschaft – Dorfentwicklung“ scheint diesem Ansinnen gegenüber nicht abgeneigt zu sein. Es bleibt abzuwarten, was sich hier in naher Zukunft tut.

 

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