Luther schaut Prediger über die Schulter

27.06.2006

Mainpost 27.6.2006

 

Luther schaut Prediger über die Schulter

 

ZEILITZHEIM Seit dem Kirchweihsonntag schmückt in der evangelischen St.-Sigismund-Kirche neben der Kanzel ein Bild Martin Luthers die Wand. Der Reformator wird so in Zukunft im wahrsten Sinn des Wortes den Predigern und Predigerinnen über die Schulter schauen. Das Gemälde wurde der Kirchengemeinde von Spendern, die nicht genannt werden möchten, geschenkt.

Bevor Pfarrer Ulrich Jobst das Bild aufhängte, erfuhren die Gottesdienstbesucher in einem Zwiegespräch zwischen Pfarrerin Claudia Jobst und Martin Luther (Edzard von Halem) viel Wissenswertes über Leben, Wirken, Gedanken und Bestrebungen des Reformators.

Er sei immer auf der Suche nach der Gewissheit gewesen, sagte so Luther. Jeder Christ müsse wissen, dass Jesus Christus Vermittler des Heils sei, ging er auf seine Lehre ein. Entscheidend sei nicht die Kirche und die Erfüllung religiöser Vorschriften, sondern Jesus Christus. Das Lesen der Bibel sei die Grundlage des Glaubens.

Überraschter Reformator

Überrascht zeigte sich der Reformator, dass auch heute noch seine Lieder gesungen werden. Mit gemeinsamen Liedern wie etwa "Ein feste Burg ist unser Gott", einem richtigen Schlager, wie Pfarrerin Jobst betonte, bewies dies die Festgemeinde. Auch der Kirchenchor trug mit "Die beste Zeit im Jahr ist mein" ein Lutherlied vor.

Erstaunt hörte der Reformator auch von der Katholischen Kirche, einer ihm noch nicht vertrauten Folge der Reformation. Nicht sehr gefiel es ihm, dass sich die Evangelischen mit den römischen Papisten zusammentun. Es würden keine Ablasse mehr verteilt, berichtete ihm Pfarrerin Jobst hierzu. Auch habe man festgestellt, dass man viel gemeinsam habe.

Heute rede man auch mit anderen Glaubensgruppen wie Moslems und Juden. Hier kritisierte die Pfarrerin Luthers Aussagen zu den Juden. Der Reformator gab zu, auch kein unfehlbarer Mensch zu sein. Ihr gefalle die offene Art mit den eigenen Fehlern umzugehen, die ihn schon zu Lebzeiten ausgezeichnet habe, so Pfarrerin Jobst.

Das Bild in der Kirche solle an die Reformation erinnern, die nicht als Gegenbewegung gedacht war, sondern zur Wende hin zum Evangelium, erklärte Claudia Jobst vor der Anbringung des Bildes.

Neben dem Kirchenchor umrahmte auch der Posaunenchor den Festgottesdienst feierlich.

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