Mit echtem "Lindier Dialekt": Weinprinzessin Shivani I.

28.03.2020

Mainpost 28.03.2020

 

Lindach

Mit echtem "Lindier Dialekt": Weinprinzessin Shivani I.

Die 19-Jährige mit nepalesischen Wurzeln liebt ihre Heimat Lindach. Als Weinprinzessin Shivani I. regierte sie zwei Jahre lang die Weinfreunde am Kreuzpfad.

"Wo ich herkomme? Na aus Lindi!", war in den vergangenen zwei Jahren Land auf Land ab bei Weinfesten und anderen gesellschaftlich bedeutenden Veranstaltungen zu hören, wenn Shivani Knoblach mit strahlendem Lächeln im Dirndl stolz die Weinkrone des Weinortes Lindach auf ihrem Haupt trug.

Für viele ihrer Gesprächspartner sei allerdings "Lindi" dabei nicht die erwartete Antwort gewesen, wie sie rückblickend berichtete. Mit "Wo kommst du denn wirklich her?" setzte so manche Person mit großem Informationsbedürfnis zur Nachfrage an. "Einige haben auch nur überfordert geschaut und wussten gar nicht, wie sie mich anreden sollten", sagte Shivani in einem Videotelefonat mit dieser Zeitung. Sogar auf Englisch wurde sie mitunter angesprochen. "Ich habe immer kurz gewartet und dann natürlich auf Fränkisch geantwortet. Das war immer sehr witzig!", erinnerte sie sich.

Ihre "perfekte" urfränkische Aussprache hat des Öfteren vor allem bei Weinfreunden, die von weit her nach Franken gereist waren, für Verwunderung gesorgt. Seit inzwischen 14 Jahren ist das Adoptivkind mit nepalesischen Wurzeln jetzt schon in Lindach daheim. Den "echten Lindier Dialekt" hat sie längst verinnerlicht.

Die örtliche Bevölkerung , Festveranstalter und die Symbolfiguren aus dem Umkreis haben sie aber bereits nach kurzer Zeit mit der Krone erkannt. Während ihre Amtskolleginnen aus anderen Ortschaften hin und wieder mal verwechselt oder nicht zugeordnet werden konnten, war die Verbindung von Shivani und Lindach immer sofort präsent.

Zwei Jahre Prinzessin

Zwei Jahre repräsentierte sie nun ehrenamtlich den Weinort Lindach und seine Winzer und Weinbauern - und das absolut einzigartig und mit dem größtmöglichen Wiedererkennungswert. Ihre Amtszeit befindet sich nun eigentlich unmittelbar vor dem Ende - allerdings musste die für 18. April geplante Inthronisierung ihrer Nachfolgerin im Zuge des Veranstaltungsverbots der Corona-Krise auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Shivani Knoblach war sechs Jahre alt, als sie vom Ehepaar Knoblach in Lindach aufgenommen wurde. Sie erinnert sich noch gut daran, dass sie gleich kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland mit ihrer Adoptiv-Familie ein großes Fest besuchte. Ein "Bratwurschtbrötla" war die erste original-fränkische Mahlzeit, die sie hier zu sich genommen hat, weiß sie zu berichten. Es wurde zu ihrem Lieblingsessen und bis heute von keinem anderen Gericht abgelöst. Dazu trinkt die scheidende Weinhoheit, die während ihrer Amtszeit zu einer echten Expertin rund um den Frankenwein gereift ist, am liebsten einen Schoppen frischen Müller-Thurgau oder einen fruchtigen Rotling.

Spürbare Heimatliebe

Shivani fühlt sich als echte "Lindierin". Ihre Heimatliebe war spürbar, wenn man sie auf der großen Weinfestbühne sah und über "ihr" Lindach reden hörte. Mit ihrer Begabung und ihren Fähigkeiten ist sie bei der Bevölkerung im Ort voll anerkannt – das zeigt sich auch daran, dass die damals 17-Jährige von einigen Persönlichkeiten aus dem Ort für das Amt der Weinprinzessin bei Winzervereinsvorstand Hubert Dotzel vorgeschlagen wurde. Die Unterstützung der Familie war ihr nach der offiziellen Anfrage des Winzervereins sofort sicher. "Meine Eltern stehen zu einhundert Prozent hinter mir", sagte Shivani glücklich. Diese sind seit vielen Jahren im Dorfleben sehr engagiert. Ihr Vater übernahm vor seiner Tätigkeit als Kämmerer in der Gemeinde Kolitzheim auch Verantwortung für den Ort als Mitglied des Gemeinderats.

Die 19-Jährige ist sehr dankbar für alles, was sie hier erlebt. "Ich habe großes Glück, in Deutschland ein so gutes Leben führen zu können", sagte sie. Die Chance wolle sie stets beim Schopf packen, sich nicht ausruhen auf dem Wohlstand, den sie hier im Vergleich zu ihrem Geburtsland vorfindet. Nicht verwunderlich also, dass sie das Amt der Weinprinzessin stets mit Freude und Stolz schier unermüdlich ausfüllte. Es waren über 120 Termine, die die 19-Jährige in den zwei Jahren im Dienste der Lindacher Weinkrone absolvierte.

Die Highlights

Als Highlights ihrer zweijährigen Regentschaft am Kreuzpfad nannte sie zunächst die eigenen Feste im Dorf. Hier hatte sie Glück, denn sowohl die Weinbergs- und Blütenwanderungen als auch die beiden Straßenweinfeste waren Besuchermagneten schlecht hin. Weiterhin zählte sie als besonderes Ereignis den Besuch des Landtages in München auf, wo ein Treffen aller Produkt-Königinnen und -Prinzessinnen aus ganz Bayern stattfand. Ebenso blickte sie freudig auf die großen Veranstaltungen wie die Weingala oder die Wahlen der fränkischen Weinkönigin, bei denen sie teilnehmen durfte, zurück. "Am allerschönsten waren für mich die vielen tollen kleinen Weinfeste in der Region, wo ich privat noch gar nicht dort gewesen war und vielleicht ohne das Amt nie hingekommen wäre", bemerkte sie. Natürlich sei aber auch das 70. Weinfest in Volkach, wo sie beim Empfang den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder traf, ein echter Glanzpunkt gewesen, so Shivani weiter.

Zum Weinbau hatte sie bereits in der Kindheit einen engen Bezug. Ihr Opa Herbert bewirtschaftet den "klennsten Wengert in Lindi", hatte sie bereits bei ihrer Inthronisierung mit einem Lächeln betont. Neben den tollen Erlebnissen bei der Lese, die immer mit der traditionellen gemeinsamen Brotzeit abgeschlossen wurde, hatte sie hier auch in fachlicher Hinsicht im Weinberg über die Jahre wertvolle Erfahrungen sammeln können.

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