Moderne Bebauungspläne lassen mehr Möglichkeiten zu

24.07.2020

Mainpost 24.07.2020

Kolitzheim

Moderne Bebauungspläne lassen mehr Möglichkeiten zu

Ausschließlich Bauanträge standen auf der Tagesordnung des Kolitzheimer Gemeinderats. Zwei Bauanträgen wurde das gemeindliche Einvernehmen erteilt, bei zwei Bauanträgen gab es Diskussionen, um die beantragten Abweichungen von den jeweiligen Bebauungsplänen.

Länger diskutiert wurde über den Antrag auf den Neubau eines Einfamilienhauses in Herlheim. Da dieser Bauantrag der erste für den Bau eines Einfamilienhauses im neuen Baugebiet "Am Kolitzheimer Weg 2" in Herlheim ist, hätten die beantragten Abweichungen vom Bebauungsplan eine besondere, grundsätzlichere Bedeutung, so der Bürgermeister.

Zweites Vollgeschoss geplant

Bisher habe man Abweichungen vom Bebauungsplan, wenn die Nachbarn zugestimmt haben, das gemeindliche Einvernehmen erteilt. In diesem Fall sei die Gemeinde zu beiden Seiten Nachbar. Trotzdem zögere man mit der Zustimmung, denn die beantragten Abweichungen vom Bebauungsplan seien ziemlich massiv: Es ist zwar kein Keller geplant, aber ein zweites Vollgeschoss und ein Satteldach mit 35 Grad Dachneigung.

Geschäftsleiter Dominik Dorsch informierte über den Beschluss des Bauausschusses des Gemeinderats der vergangenen Amtsperiode vom April, in der die Zustimmung der Gemeinde zu einer zweistöckigen Bauweise mit einer Dachneigung von maximal 22 Grad in Aussicht gestellt worden war. An diese Zusage fühle man sich gebunden. Der jetzt eingereichte Plan weiche erheblich von dem Plan ab, der Grundlage des damaligen Beschlusses des Bauausschusses war.

Zustimmung in Aussicht gestellt

Bürgermeister Horst Herbert brachte ins Spiel, dass durch das zweite Geschoss der Flächenverbrauch reduziert werde. Auch hier wird der Bürgermeister das Gespräch mit dem Bauherrn suchen, um eine Lösung zu finden, die die Abweichungen von den Vorgaben des Bebauungsplans mindert. Es bestand Einigkeit, dass man der Abweichung vom Bebauungsplan zustimmen könne, was die Geschossigkeit, die Dachneigung und die Dachfarbe betreffe, wie es in der Antwort auf die Bauvoranfrage vom April beschlossen worden sei.

Längere Diskussionen gab es auch zum Antrag um die Errichtung einer Betonmauer um ein Grundstück in Stammheim. Der Bebauungsplan im Baugebiet Sommerleite Süd 1 schreibt eine Maximalhöhe der Einfriedungen von 1,20  Meter vor – einschließlich einer eventuell nötigen Absturzsicherung. Beantragt wurde eine Erhöhung an manchen Stellen auf 1, 50 Meter – ohne Absturzsicherung. Diese muss mindestens 90 Zentimeter hoch sein. Wenn das Gelände auf Höhe der beantragten Einfriedung aufgefüllt wird, würde dann die Einfriedung mit Absturzsicherung die Höhe von 2,40 Metern erreichen. Nach längerer Diskussion, in der mehrere Mitglieder des Gremiums Bedenken gegen diesen Antrag anmeldeten, verständigte man sich darauf, dass der Bürgermeister mit dem Antragsteller reden sollte, um eine Lösung zu finden, die näher an den Vorgaben des Bebauungsplans liegt.  

Dritter Bürgermeister Gerd Endres brachte den Gedanken ins Spiel, dass man das Gelände ja in Abstufungen gestalten könne. Reinhard Heck erinnerte daran, dass man in Gegenden mit noch stärkerem Gefälle des Geländes mit diesen Gegebenheiten leben müsse, ohne dass große Betonmauern errichtet würden. Der Gesichtspunkt, dass man die Ansicht des Geländes, die durch die Errichtung einer relativ hohen Betonmauer, auf der noch eine Absturzsicherung anzubringen ist, auch aus der Sicht der Passanten und der Nachbarn zu beurteilen ist, sei auch zu bedenken.  Die Nachfrage, wer für die Überprüfung verantwortlich sei, dass die Absturzsicherung auch eingerichtet würde, informierte der Bürgermeister, dass das Landratsamt hierfür zuständig sei.

Bauvorgaben im Wandel der Zeit

Auf eine weitere Nachfrage aus dem Gemeinderat gab der Bürgermeister noch einen kleinen Überblick über den Wandel der "Philosophie" der  Bauformen im Wandel der Zeit. Früher gab es Bebauungspläne mit relativ strikten Vorgaben: Die Zahl der Geschosse wurde festgesetzt, die Dachfarbe und Dachneigung zwischen 35 bis 48 Grad, und man war mit Abweichungen von den Vorgaben eher sparsam.  In den letzten Jahren wurde beispielsweise die Zahl der Geschosse nicht mehr vorgegeben, die Firsthöhe war das Maß aller Dinge, sodass man ein-oder zweigeschossig bauen konnte, und die Dachneigung weniger bedeutsam war.


 

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