Musik und Tanz verbinden im Schloss

03.08.2009

Mainpost 03.08.2009

ZEILITZHEIM

Musik und Tanz verbinden im Schloss

 

In diesem Jahr 86 Teilnehmer im Alter von drei bis 70 Jahren beim Folk Camp in Zeilitzheim

Es ist was los im Schlosshof. Genau so hätte es vor Hunderten von Jahren sein können: englische Folkmusik auf der einen Seite, fröhliches Kinderlachen dazwischen, Frauen und Männer, die Mahlzeiten zubereiten. Andere waschen Wäsche, und wieder andere genießen es einfach, in der Sonne zu sitzen und die Gerüche, die aus der Küche kommen oder die Klänge der Musik in sich aufzunehmen. Der Garten steht voller Zelte. Es sind wieder „Folk Camp“-Tage im Schloss. Insgesamt sind es 86 Teilnehmer, der Jüngste ist drei Jahre, die ältesten sind über 70.

Das Sprachengewirr lässt erraten, dass verschiedene Nationalitäten vertreten sind. Die Musik und das Tanzen sind es, die die Menschen hier verbindet. Sie kommen aus ganz Deutschland, aus Großbritannien und aus den Niederlanden, sind mittlerweile Freunde geworden und freuen sich jedes Jahr auf das große Wiedersehen.

Eingeladen zu dem Treffen hatte wieder die „Folk Camp Germany“, deren Vorsitzende Hilka Lüsse (Berlin) bereitwillig Auskunft erteilt. Den Ursprung hat das ganze in England, als 1977 zwei laut Lüsse „verrückte Vereine“ aufeinander trafen: die Earls of Essex Morris Men London und das Schulzentrum Huchting in Bremen. Gabriele von Pappenheim von der Huchtingschule war es dann auch, die gemeinsame Projekte und Klassenfahrten in englische Folk Camps organisierte. 1980 fand dann das erste Folk Camp in Deutschland statt und Ende der 80er Jahre wurde der erste „richtige deutsche Verein mit Satzung und Haftpflichtversicherung“ gegründet, mit deutsch-niederländischen-englischen Mitgliedern.

Die Frage, wie der Verein ausgerechnet Zeilitzheim entdeckte, beantwortete uns die damalige Vorsitzende Gabriele von Pappenheim: „Ein Kollege von mir an der Schule in Bremen kannte die Familie von Halem, die gerade ein Schloss gekauft hatte und dieses mit Leben füllen wollte“. Und so war das Band nach Zeilitzheim zu Marina von Halem geknüpft.

Seit 2004 findet nun das jährliche Treffen in Zeilitzheim statt. Insgesamt verbringen die Teilnehmer acht Tage zusammen. Sie spielen, musizieren, tanzen, kochen und machen Ausflüge in die Region. Jeder hat spezielle Aufgaben übernommen, auch die Kinder. Und einmal in der Woche laden die Teilnehmer des Camps die Bevölkerung von Zeilitzheim und Umgebung ein, um ihnen die englischen Folk-Musik und - tänze näher zu bringen.

Das Wichtigste aber überhaupt, warum sie alle auch immer wieder kommen, sind der Zusammenhalt, die guten Gespräche und das gegenseitige Verstehen, trotz verschiedener Nationalitäten. Vorsitzende Hilka Lüsse ist so froh, das Marina von Halem immer wieder „uns Vagabunden liebevoll und mit offenen Armen aufnimmt“.

Bettina Eisenhut (47) aus Berlin war von den Schilderungen ihrer Freundin Hilka dermaßen beeindruckt, dass sie es im vergangenen Jahr zum ersten Mal als Folk Camp-Teilenehmerin versucht hat. „Da ist einfach eine Bombe eingeschlagen“ erzählt sie. „Es ist herrlich, draußen zu leben, einfach zu musizieren, auch wenn es nicht perfekt ist. Die Stimmung ist gut.“ Sie sei auf jeden Fall nicht das letzte in Zeilitzheim, sagt sie. „Das Schloss, es ist so friedvoll.“

Keith Woodword (59) aus Winchester in Großbritannien ist einer der „alten Hasen“ in Zeilitzheim. Schon seit 1984 ist er hier dabei. Er war auch lange Zeit einer der Vorsitzenden im Verein. Er und seine Frau tanzen seit 1967 in einer englischen Gruppe. Ihm obliegen die technischen Dinge im Verein, er ist der „Warden“. Was liebt er besonders: „Das Wetter, das Bier, den Wein und das Schloss“.

„Das alljährliche Camp gehört im Jahr dazu wie Weihnachten“

Klini von Holland, Folk Camp-Teilnehmerin

Für Klini von Holland aus den Niederlanden gehört das alljährliche Camp im Jahr dazu wie Weihnachten. Sie war Gründungsmitglied des deutschen Vereins. Sie liebt die Atmosphäre im Schloss, die guten Gespräche und „wie die Leute miteinander umgehen“. Sie war auch schon im Winter hier, hat hier die deutsche Sprache gelernt, war früher immer Tänzerin, versucht es jetzt mit Musik („die alten Knochen wollen nicht mehr“.) „Die Menschen im Camp sind eine extra Familie für mich.“

„Seit meinem ersten Lebensjahr bin ich schon dabei“ so die 14-jährige Jasmin aus Oschatz bei Leipzig. Neun Jahre war sie alt, als ihre Eltern sie dann alleine ins Camp ließen, wohl wissend dass die Kinder hier sehr gut aufgehoben sind. „Für mich ist es jedes Jahr ein Familientreffen. Die Leute, die Musik, die verschiedenen Generationen, die aufeinander treffen, das alles zusammen macht den Urlaub aus, das hat man nicht immer.“ Jasmins Eltern, so erzählte sie uns noch, haben in Volkach geheiratet.

Antonia (12) und Emil (10) sind mit ihren Geschwistern Emma (14) und Lilly (6) und ihren Eltern im Camp. Antonia gefallen das Musikmachen und Tanzen, die Atmosphäre. „Immer wieder lerne ich neue Freunde kennen.“ Emil findet die Natur, das Schloss und das englische Essen am Schönsten. Der Vater der beiden, Jochen Riemer, ist übrigens der Initiator des Kinder-Work-Shops.

Marla (12) aus Sorsum bei Hannover ist mit ihrer Familie zum zweiten Mal in Zeilitzheim. „ Letztes Jahr hatte ich so viel Spaß hier, vor allem weil Kinder immer alles zusammen machen.“ Sie tanzt und musiziert und ist begeistert von dem schönen Schlosshof und der Atmosphäre. „Ich werde sicherlich wiederkommen.“

Hanna und Hans-Peter Mannmeusel (beide 68) kommen aus Ratingen bei Düsseldorf. Es ist mittlerweile ihr fünfter Aufenthalt in Zeilitzheim. „Uns gefällt die Szene in Zeilitzheim, das Singen, Musizieren und Tanzen, und vor allem das Generationen Übergreifende. „Dies ist eine besondere Form von Aktivurlaub, wie es heute so schön heißt. Man sich voll einbringen.“ Hanna Mannmeusel findet es toll, dass man auch Kontakt zu Engländern bekommt. „Da kann man auch mal englisch sprechen“. Gut findet sie auch die Tingl-Tangl-Tour nach Volkach mit Straßentänzen auf dem Marktplatz.

Am heutigen Samstag heißt es Abschied nehmen. Traurig darüber aber ist niemand. Man weiß ja, im nächsten Jahr sehen sich alle wieder.

 

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