Nach Corona-Pause: Wiedersehensfreude bei Gernacher Senioren

17.09.2020

Mainpost 17.09.2020

Gernach

Nach Corona-Pause: Wiedersehensfreude bei Gernacher Senioren

Zum ersten Mal seit Februar waren die Gernacher Senioren wieder zu einem Seniorennachmittag ins TSV-Sportheim eingeladen. Aufgrund der geltenden Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen hatte der Leiter des Seniorenforums, Hugo Hetterich, alle Senioren telefonisch kontaktiert und angefragt, ob sie kommen können und wollen.

Nur wenige Personen hatten wegen Angst vor Corona abgesagt, sodass  das TSV-Sportheim gut besetzt war und sich alle brav an die Maskenpflicht (bis zum Sitzplatz) hielten. Serviert wurde der Kuchen und der Kaffee von MaryAnn Fuchsberger, die für die Bewirtung sorgte.

Hetterich gab seiner Freude Ausdruck, dass so viele der Einladung gefolgt waren. Er hatte in der langen Zeit, in der man sich nicht treffen konnte, einen Brief an alle Senioren geschrieben, der – mit einer kleinen Süßigkeit garniert – von Sieglinde Back und Monika Seitz persönlich in die Briefkästen eingeworfen wurde und viel Freude bereitete.  Die Geburtstagskinder, die sonst immer im Rahmen der Seniorennachmittag ein kleines Geschenk und auch ein Geburtstagsküsschen erhalten, rief er an, und gratulierte persönlich.

Kein Küsschen und kein Singen

Die Namen der Geburtstagskinder seit Februar wurden vorgelesen, auch wenn schon persönlich gratuliert worden war. Corona verhinderte das Küsschen, aber jedes Geburtstagskind konnte sich über einen kleinen Sekt freuen, der als Geschenk bereitstand. Und das obligatorische Glückwunschlied "Zum Geburtstag viel Glück" wurde nicht gesungen, sondern gesummt.

Wie auch sonst keine Lieder gesungen wurden: Singen war vor Corona fester und beliebter Programmpunkt der Treffen. Mit einem kleinen, lustigen Gedicht kommentierte Hermann Laarz, der sonst die Lieder anstimmt und mit Gitarre begleitet, warum das leider so sein muss:
"Zerbrecht Euch nicht die Köpfli,/
dass ich heut mit der Gitarre nicht sing',/
denn beim Gesang, da fliegen Tröpfli,/
drum haut's bei Corona halt net hin./
Drum bleiben wir heut' alle stumm,/
und wer net will, der soll halt summ'."

Pfarrer Thomas Amrehn hatte zu Beginn des Seniorennachmittags seine Freude zum Ausdruck gebracht, dass die Verantwortlichen des Seniorenkreises in enger Zusammenarbeit mit dem Bewirtungsteam des TSV nach coronabedingter, langer Zeit wieder zu einem Treffen eingeladen haben. Sein Dank galt allen Verantwortlichen für ihren Einsatz.

Der Priester bedankte sich auch bei allen, die sich an der laufenden Außenrenovierung der Sankt-Aegidius-Kirche mit Interesse, Gebet und auch mit finanzieller Unterstützung beteiligt hatten und beteiligen, und informierte über die aktuellen Geschehnisse und die geplanten nächsten Schritte rund um die Renovierung der Kirche. Er ermutigte die Senioren, bei Fragen und Anliegen mit ihm persönlich Kontakt aufzunehmen – per Telefon, per Mail oder auch schriftlich. Sein Ausblick auf Allerheiligen, Sankt Martin und das Weihnachtsfest: "All diese Feste müssen wir anders feiern als bisher."

Auf der Flucht von der Mutter getrennt

Hugo Hetterich erinnerte an die Serie dieser Zeitung über die Kriegs- und Nachkriegserinnerungen von älteren Mitbürgern und berichtete über die schlimmen Erfahrungen, die Hans Johnke (inzwischen verstorben) in dieser Zeit machen musste: Im Alter von neun Jahren war er zusammen mit seiner Mutter und seiner älteren Schwester, die allerdings taubstumm war, wie Sieglinde Back wusste, in einem Zug auf der Flucht aus den Ostgebieten.

Der Zug hielt, seine Mutter stieg aus, um etwas zu Trinken zu holen. Da fuhr der Zug wieder los – die Mutter war noch nicht zurück. Hans sah seine Mutter nie wieder. Mit seinen neun Jahren musste er für die behinderte Schwester mitsorgen, und irgendwie landeten sie in Gernach. Isabella Göbel nahm sich dann um Hans an. Die Schwester wurde vermutlich in einem Heim untergebracht. Hans half in der Bauerei mit. Es gelang ihm dann, eine Anstellung in der Großindustrie in Schweinfurt zu finden. Er heiratete, und das Paar fand seine Heimat in Gernach.

Dank für friedliche Zeiten

"Der Gedanke an das Leid, das diese Frauen, Kinder und Männer mitgemacht haben, kann uns dankbar werden lassen dafür, dass es uns gut geht und wir in friedlichen Zeiten leben", so der Leiter des Seniorenkreises. Da Gesang coronabedingt nicht erlaubt ist, trug er als Ausdruck dieses Dankes das Lied "Ein Danklied sei dem Herrn" vor.

Lustig wurde es dann beim Ratespiel über alte Wörter aus dem fränkischen Dialekt. Die einzelnen Tisch bekamen nach der Reihe die Aufgabe, die Bedeutung alter Dialektworte zu raten: Wer weiß noch, was "vigilant" bedeutet? Oder "Haist und daist?" Und "owi"? "Patsch'n" und "Zuchtl" sind wenig schmeichelhafte Bezeichnungen für Frauen, die man eher nicht (mehr) gebrauchen sollte.

Und wenn man zu jemandem sagt: "Halt Deine Waffel", dann ist damit sicher nicht gemeint, dass er das Gebäck gut halten soll. Und vielleicht ist jemand "malad", weil er immer "kulchen" muss.

Zu rätseln und auch viel zu lachen hatten die Senioren, den Untermain-Dialekt zu verstehen, den ein gebürtiger Laufacher vortrug: "Des hätt'st mer a eehr zu Wesse do könne, dass die Dootsche vom Baabe önnerm Bett son" (Das hättest du mir auch eher zu Wissen tun können, dass die Hausschuhe vom Großvater unterm Bett sind).

Voraussichtlich am Sonntag, 18. Oktober, findet der Senioren-Ehrentag der Gemeinde statt (wenn Corona keinen Strich durch die Rechnung macht), informierte Hugo Hetterich zum Schluss, bevor man sich der leckeren fränkischen Brotzeit widmete.


 

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