Nach dem Weißen Sonntag geht's los

22.01.2015

Mainpost 22.01.2015

UNTERSPIESHEIM
Nach dem Weißen Sonntag geht's los

Pfarrer Amrehn stellt die Pläne zur Innenrenovierung der Unterspiesheimer Sebastianskirche vor

Pfarrer Thomas Amrehn hatte bei der Feier des Patroziniums der Unterspiesheimer Kirche dazu eingeladen, sich über den weiteren Fortgang der Renovierungsarbeiten in dem dem Heiligen Sebastian geweihten Gotteshaus zu informieren. Er konnte berichten, dass etwa 95 Prozent der Außenrenovierung schon abgeschlossen seien. Dass die Arbeiten nicht fristgerecht abgeschlossen werden konnten, sei der Witterung geschuldet.

Er berichtete von Erkenntnissen, dass die Außenfiguren ursprünglich wohl nicht für die Fassade geschaffen worden seien. Man habe sie zur damaligen Zeit wohl günstig erwerben können. Ihr Zustand sei „jämmerlich“ gewesen, berichtete der Seelsorger.

Die Haupttüre sei noch die Originaltür des Gotteshauses gewesen, habe man festgestellt. Sie werde restauriert. Die Seitentüren seien allerdings späteren Ursprungs. Man denke daran, die rechte Seitentür wieder zugänglich zu machen, sodass der schmale Platz rechts neben der Kirche wieder nutzbar werde. Es sei daran gedacht, die Fläche bis zur Tür zu pflastern, und die weitere Fläche mit einer gebundenen Decke zu versehen, sodass sie für Pfarrfeste oder kleinere gemeinschaftliche Aktionen nutzbar wird.

Bisher 15 000 Euro Mehrkosten

Aufgrund früherer Restaurierungsfehler seien Mehrkosten durch zusätzliche Anstreicharbeiten im Außenbereich entstanden, berichtete Amrehn. Für andere Gewerke aber habe man weniger ausgeben müssen, sodass sich die Mehrkosten nur auf etwa 15 000 Euro belaufen.

Der Seelsorger informierte, dass das Gotteshaus am Dienstag nach dem Weißen Sonntag für die Innenrenovierung geschlossen werde. Man rechne, dass die Arbeiten bis Ende November so weit fortgeschritten sind, dass man dann wieder Gottesdienst in der Sebastianskirche feiern könne.

In der Woche nach dem Weißen Sonntag wolle man die Bänke entfernen und die Heizung demontieren. Hierfür seien Helfer gefragt, denn man habe sich verpflichtet, Eigenleistung in Höhe von 30 000 Euro zu erbringen. Die neue Heizung werde ein geschlossenes System sein, wie es den Vorschriften entspreche.

Der bisherige Fußboden werde entfernt, da er nicht mehr ansehnlich sei und starke Schäden aufweise. Der Unterbau stamme noch aus der Zeit von 1791, der Zeit, als die Kirche gebaut wurde. Die aufsteigende Feuchtigkeit mache einen neuen Unterbau nötig.

Rudi Friedl und Roland Licha stellten in Frage, ob es wirklich nötig sei, den Fußboden zu entfernen, da die Platten noch so gut erhalten seien, dass man sie nicht entfernen müsse. Pfarrer Amrehn erwiderte, dass eine Instandsetzung der Platten kostenmäßig erheblich ins Gewicht fiele und dass das Problem der aufsteigenden Feuchtigkeit behoben werden müsse.

Der Denkmalschutz habe Muschelkalkplatten aus dem Fränkischen Jura vorgeschlagen. Die trügen dazu bei, dass der Kirchenraum an Helligkeit gewinne. Sie seien auch gut zu pflegen. Außerdem wolle der Denkmalschutz einheimischen Stein.

Kommunionbank und Emporenbrüstung seien ursprünglich Eiche natur gewesen, und sollten koloriert werden. Dazu sei es jedoch nicht gekommen. 1946/47 sei die Kolorierung vorgesehen gewesen, jedoch aus unbekannten Gründen nicht ausgeführt worden. Man nehme jedoch auch jetzt davon Abstand – aus Kostengründen.

Eine Kolorierung würde der Aufhellung des Kirchenschiffes dienen. Daher werden die Farbfassungen der Kanzel und Altäre der ursprünglichen, helleren Farbgebung angepasst.

Die Wandfarbe im Chor und Kirchenschiff soll weiß sein. Dadurch kämen die Altäre und die Kreuzwegbilder besser zur Geltung. Auch die Decke werde man weiß streichen. An der Decke müssten die Rosetten aufwendig gesichert werden. Deren Erhaltung schreibt der Denkmalschutz vor. Die Rosetten werden durch eine Grauschattenführung in ihrer Plastizität hervorgehoben. Hervorgehoben werden auch das Auge Gottes und die Strahlen an der Decke.

Ganz erneuert werden müssen auch die elektrischen Leitungen und die gesamte Beleuchtung. Der Taufstein soll voraussichtlich in der Mitte des Langschiffes seinen Platz finden, wo jetzt eine Statue des Heiligen Sebastian steht.

Propheten werden versetzt

Der Altarraum wird maßvoll umgestaltet: die beiden Propheten, die jetzt vor Fenstern stehen, links Jesaia, rechts Daniel, werden näher am Altar auf einem Podest aufgestellt. So werde deutlicher, dass jeder auf seine Weise auf die zentrale Figur hinweise – Jesus am Kreuz. Der Prophet Jesaia habe in seinem Gottesknechtslied das Leid Jesu vorhergesagt, Daniel, der wunderbar aus der Löwengrube errettet wurde, sei Vorbild für die Auferstehung Jesu.

Jesus als leidender Gottesknecht und als Auferstandener findet sich in Medaillons links und rechts vom Altar, über den Statuen von Maria, der Schmerzensmutter (links), und des Lieblingsjüngers Johannes. Beide bleiben an ihrem Platz.

Die Kreuzwegstationen werden alle im Langhaus angebracht, sodass sich die Hängung der Kreuzwegstationen leicht verändert.

Für die Gestaltung des Chores und des Innenraumes wurde ein Wettbewerb unter fünf Künstlern ausgeschrieben, berichtete Amrehn. Aufgabe ist, die Anforderungen für eine zeitgemäße Feier der Liturgie und die Anforderungen des Denkmalschutzes unter einen Hut zu bringen – bei möglichst niedrigen Kosten. Im April sollen sie ihre Entwürfe vorlegen. Es geht vor allem um den Volksaltar, den Ambo, die Sitze für den Priester und die Ministranten.

Die Kosten der Innenrenovierung werden auf 862 000 Euro geschätzt, so Amrehn. Für 600 000 Euro sei die Finanzierung gesichert. Man gehe davon aus, dass die Gemeinde Kolitzheim wieder einen Anteil von etwa einem Drittel der Kosten beisteuert.

Pfarrer Amrehn plädierte dafür, zu sehen, wie weit man mit den zugesagten Mitteln kommt. „Wir können auch Gottesdienst feiern, wenn die Plätze der Seitenaltäre noch verhängt sind“, so seine Meinung, der die anwesenden Besucher auch zustimmten.

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