Nachhaltige Pflege

31.05.2016

Mainpost, 31.05.2016

 

Nachhaltige Pflege

Auf Hochglanz poliert waren die alten Bulldogs, Autos und Motorräder, die in Herlheim zu sehen waren. Rund 100 Besitzer alter Fahrzeuge führten ihre zwei- und vierrädigen Schätze vor.

Wirklich gut meinte es der Wettergott mit den Herlheimer Veteranenfreunden. Gerade rechtzeitig zum Gottesdienst im Freien mit der anschließenden Segnung der Oldtimerfahrzeuge hörte der Regen auf. Er setzte erst am Abend wieder ein, als alles längst gelaufen war. Dann aber umso stärker.

Beinahe ungestört konnten die Gläubigen somit der Messe mit Pfarrer Damian Ikejiama und Gemeindereferent André Christoph folgen, nur im Hintergrund war manchmal das Tuckern weiterer ankommender Oldtimerfahrzeuge zu hören.

Alt ist eigentlich gestrig, außer Mode und nicht mehr gefragt, so Gemeindereferent Christoph. Die Veteranenfreunde jedoch schätzen ihre alten Fahrzeuge, pflegen sie, suchen Gleichgesinnte und gründeten dazu ihren Verein. Die Oldtimerfahrzeuge seien alle liebevoll auf Hochglanz gebracht worden und stehen nun hier in Reih und Glied, so Christof. „Alte Liebe rostet nicht,“ sei hier der zwar unhörbare, aber dafür umso stärker ins Auge springende Zuruf.

Der Spruch passt für den Gemeindereferent auch auf den Heiligen Christophorus. Die Legende des Heiligen, der als Patron der Reisenden und der Kraftfahrer verehrt wird, hatte Ruth Rippstein zuvor vorgelesen. „Je besser Christophorus Jesus kennen lernte, desto mehr liebte er ihn,“ so der Gemeindereferent.

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst durch den Gesangverein Herlheim, während die Herlheimer Musikanten die Gläubigen bei den Liedern begleiteten. Am Ende der Messe schritt Pfarrer Ikejiame die Reihen der Oldtimerfahrzeuge ab und segnete sie und ihre Besitzer.

Die vielen alten Fahrzeuge weckten Erinnerungen an seine Jugend, bekannte Martin Mack, der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Kolitzheim. Heute werde viel über Nachhaltigkeit gesprochen. Für ihn wurde dies früher praktiziert, als noch viele Einzelteile von Fahrzeugen repariert werden konnten und nicht ganze Module ausgetauscht und entsorgt werden mussten. Mack lobte das gemeinnützige Engagement des Veteranenclubs.

Überrascht und sehr erfreut zeigte sich Clubleiter Ewald Kopp, dass trotz der schlechten Wettermeldungen so viele Oldtimerbesitzer mit ihren Fahrzeugen gekommen waren. Als abzusehen war, dass das gute Wetter einige Zeit anhalten würde, trudelten während des Tages immer mehr Oldtimer ein.

Die Lücken die abfahrende Fahrzeuge hinterließen, waren oft schnell gefüllt. Insgesamt zählten die Verantwortlichen knapp 100 alte Bulldogs, Autos und Zweiräder. Auch immer mehr interessierte Zuschauer kamen vorbei, schlenderten von Oldtimer zu Oldtimer, schwelgten in Erinnerungen, inspizierten die alten Gefährte ganz genau und fachsimpelten.

Denn so einiges gab es ja wirklich zu sehen. So standen beispielsweise alte Bulldogs ganz unterschiedlicher Größe und Stärke der Marken Kramer, Güldner, Fendt, Porsche, Eicher, Hanomag oder Lanz in Reih und Glied.

Ein kleiner Kramer Bulldog und ein wunderschöner 45-PS-starker Lanz, beide aus dem Jahr 1938, waren die Senioren unter den Traktoren. Bei letzterem konnten die Zuschauer auch das lange Vorglühen verfolgen, ehe das Fahrzeug endlich angeworfen werden und wegfahren konnte.

Seltenheitswert hat ein Hürlimann, ein Traktor aus der Schweiz. Das gleiche gilt für den „K 700“, einen riesigen 220-PS-starken russischen Traktor aus dem Jahr 1972 mit einem Gewicht von zwölf Tonnen. Wie Spielzeug wirkten daneben zwei Holder Schlepper, einer davon ein Ein-Achs-Schlepper.

Auch Traktorengespanne mit teilweise recht skurrilen Hängern, die im Innern allerdings wunderschön eingerichtete Übernachtungsmöglichkeiten boten, waren zu finden.

Selbstverständlich gab es auch bei den Autos viele sehenswerte und stark umlagerten Exemplare von klein bis groß. Ein Goggomobil war ebenso zu finden wie riesige amerikanische Straßenkreuzer und Pickups. Auch historische Modelle, beispielsweise von Mercedes, Opel, VW, BMW, fehlten nicht in der Sammlung. Selbst ein Trabbi und ein Wartburg waren zusehen.

Wohl das älteste und ausgefallenste Exemplar war ein Aero-500-Roadstar-Cabrio, das um 1930 in Tschechien gebaut wurde. Auch zahlreiche alte Motorräder, einig davon auch mit Beiwagen waren aufgereiht.

Damit auch bei kleinen Besuchern ohne Führerschein keine Langeweile aufkam, gab es für Kinder eine Malecke, Kinderschminken und einen Streichelzoo. Und natürlich wurde bei dem angenehmen Wetter auch der benachbarte Spielplatz mit seinen Schatten spendenden Bäumen rege genutzt.

Auf einer großen Infotafel konnten sich die Besucher außerdem einen Einblick über die vielfältige gemeinnützige Arbeit der Veteranenfreund Herlheim verschaffen.

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