Neonazis wollen nach Stammheim

15.04.2015

Mainpost den 15.04.2015

STAMMHEIM
Neonazis wollen nach Stammheim

Die neonazistische Kleinpartei "Die Rechte" steht offensichtlich davor, sich in einen ehemaligen Gasthof in Stammheim (Kreis Schweinfurt) breit zu machen.

Die Partei will ihn künftig als bayerische Zentrale nutzen. Im Gebäude „werden neben einem großen Versammlungsraum auch Unterkünfte für Kameraden sowie eine Geschäftsstelle in Betrieb sein“, heißt es auf der Facebook-Seite der Partei. Beim Landesparteitag im Mai soll die Einrichtung feierlich eröffnet werden.

Mit einem Paukenschlag begann deshalb auch die Gemeinderatssitzung in Kolitzheim am Dienstag. Bürgermeister Horst Herbert sprach das brandaktuelle Thema an, das nicht auf der Tagesordnung vorgesehen war.

Dass sich die rechtsextreme Partei in Stammheim niederlassen kann, will die Gemeinde mit allen demokratischen Mitteln verhindern, so der Bürgermeister. Er habe bereits mit der Polizei und dem Landratsamt Kontakt aufgenommen und für Donnerstag einen Termin mit den Behörden.

Weiter habe er versucht, die Eigentümerin zu kontaktieren, allerdings noch keine endgültige Aussage erhalten. Die Partei stehe zwar unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, sei allerdings nicht verboten, informierte Horst Herbert weiter. „In unserer Gemeinde ist kein Platz für Neonazis,“ so Herbert.

Ähnlich äußerten sich auch einige Gemeinderäte, vor allem die Räte aus dem Ortsteil Stammheim. Die Stammheimer Bürger seien sehr betroffen und es müsse unbedingt gegen dieses Vorhaben vorgegangen werden, so Franz Moller. Er befürchte, dass alles, was in Stammheim erreicht wurde, durch dieses Vorhaben „den Bach runtergehe“.

Thomas Wieland schlug vor, dass die Gemeinde eventuell die Immobilie kaufen solle. „Wir sollten uns nicht darauf verlassen, dass nichts passiert“, so der Stammheimer Rat.

Die Immobilie zu kaufen, sei nicht der beste Schritt - und man könne auch nicht einfach alles kaufen, so Bürgermeister Herbert. Die Eigentümerin müsse überzeugt werden. „Wir müssen sehr wachsam sein.“

Die Sache sei heute sehr überraschend, so Martin Mack. Die Frage sei für ihn: „Was ist zu tun?“ Zunächst solle man mehr Informationen sammeln und die Gespräche mit den übergeordneten Stellen abwarten, schlug er vor. Auch die Bevölkerung müsste Zivilcourage zeigen. „Wir wollen keine rechte Szene bei uns,“ so Mack.

Dass diese zu erwarten ist, zeigt eine erste Stimme aus der Nachbarschaft. „So etwas wollen wir absolut nicht in unserem Ort.“

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