Neue Grenzen in alten Orten

09.06.2009

 

Mainpost 9.6.2009
 
KOLITZHEIM
Neue Grenzen in alten Orten
 
Aufwändige Katasterneuvermessung in den Kolitzheimer Gemeindeteilen
Bereits seit drei Jahren sind in den Kolitzheimer Ortsteilen immer wieder Männer und Frauen zu beobachten, die mit elektro-optischen Entfernungs- und Winkelmessgeräten, Bandmaß, Winkelprisma und tragbaren Computern ausgerüstet sind. Sie sind Mitarbeiter des Vermessungsamtes Würzburg und vermessen in den Altorten die Grundstücke neu. Deren Grenzen stammen noch häufig aus der Urvermessung im ersten Teil des 19. Jahrhunderts.
Für diese Katasterneuvermessung entschied sich der Gemeinderat im Jahre 2005. „So etwas ist nicht selbstverständlich und dabei wurde weit vorausgedacht“, lobt der Technische Amtsrat Friedrich Fischer, der Leiter der Vermessungsgruppe, die Entscheidung. Erleichtert wurde das dem Gremium durch das Angebot des Landes Bayern, das die Neuvermessung mit 70 Prozent bezuschusst.
Seitdem nimmt die Vermessungsgruppe Zug um Zug die Vermessung in den einzelnen Ortsteilen vor. Lindach, Gernach, Zeilitzheim und Herlheim sind bereits fertig. Nun werden die Arbeiten im Ortskern Oberspiesheims fortgesetzt und danach ist Stammheim an der Reihe. Wegen der laufenden Dorferneuerung wird Kolitzheim als letzter Ortsteil vermessen werden. Bis 2012 sollen dann die Arbeiten beendet sein.
In Zukunft von großem Nutzen
„Durch die Katasterneuvermessung wird die Qualität der Digitalen Flurkarte erheblich gesteigert, die dann Grundlage einer modernen kommunalen Verwaltung ist und auch jederzeit in beliebigen Kombinationen und Maßstäben ausgegeben werden kann“, so Friedrich Fischer. So ist diese Flurkarte Basis für alle bodenbezogenen Dokumentationen und Maßnahmen und zum Beispiel für Flächennutzungs-, Bebauungs- und Grünordnungspläne, Dorferneuerungen, sowie Leitungs- und Infrastrukturpläne von großem Nutzen. Weiter dient sie der Sicherung des Eigentums an Grund und Boden.
Zunächst werden die wichtigsten Vermessungspunkte im gesamten Ortsbereich aufgedeckt, überprüft und mit Hilfe des GPS-Satelliten-Systems neu bestimmt, erklärt Fischer den Arbeitsvorgang. Dann werden die Grenzen in Anwesenheit und mit der Zustimmung der Grundstückseigentümer festgelegt und ausgemessen, wobei gemessene Winkel und Strecken automatisch von dem elektro-optischen Entfernungs- und Winkelmessgerät in den angeschlossenen Computer übertragen werden.
Doch trotz der Technik seien auch heute, so Fischer, noch Winkelprisma und Bandmaß wichtig, wenn beispielsweise ein Grenzpunkt nur indirekt zu bestimmen ist. So kann es vorkommen, dass die Vermessungsbeamten und die örtlichen Feldgeschworenen Dächer besteigen oder in hinterste Winkel von Gebäuden vordringen müssen.
Pro Grenzpunkt 16 Euro
Am Ende der Vermessung zeigt Friedrich Fischer den Grundstückseigentümern die Grenzpunkte und den Grenzverlauf, was diese dann anerkennen müssen. Dies wird in einem Protokoll festgehalten. Grenzpunkte sind Marksteine, Grenznägel oder Einmeiselungen, die die örtlichen Feldgeschworenen setzten, beziehungsweise anbringen und mit Farbe deutlich kenntlich machen. Für die Grundstückseigentümer werden nur die Kosten für diese Abmarkungszeichen, die pro Grenzpunkt 16 Euro betragen und sich meist auf zwei Angrenzer verteilen, berechnet.
Große Probleme hat es bisher bei der Vermessung nicht gegeben, erzählt Friedrich Fischer.
Auch skeptische Grundstückseigentümer oder Feldgeschworenen hätten letztendlich den Sinn der Neuvermessung eingesehen, sagt Fischer. Die Grenzen seien zwar weitgehend bekannt, auch wenn sie überbaut sind, das Problem liege vielmehr bei den Grundbuchflächen, die meist ungenau sind, so der Vermessungsbeamte. Der Grund hiefür ist die früher angewandte Messmethode mit nicht metrischen Maßen und der daraus resultierenden grafischen Flächenberechnung. Bei deren Umwandlung entstanden dann Unkorrektheiten. So zeigen sich bei der jetzigen Neuberechnung, die nur über die Anerkennung der Grenzen durchgeführt werden kann, schon mal Differenzen von 20 bis 30 Quadratmetern.
 
 
Erhebliche Abweichungen
Die größten Abweichungen zwischen Gemeinde- und Privatbesitz, gab es bis jetzt in Zeilitzheim, berichtet Bürgermeister Horst Herbert. Praktisch eine Zickzacklinie konnte hier durch die Bereinigung begradigt werden. Durch Ankauf beziehungsweise Verkauf werden auch an anderer Stelle Grenzen zwischen Gemeinde- und Privatbesitz klar festgelegt.
Private Grundstückseigentümer müssen sich bei Unklarheiten untereinander einigen. Häufig ist zum Beispiel eine Überbauung lange bekannt und wird toleriert. Möglich wäre es auch, dass ein Nachbar Überbaurente für die Nutzung seines Grund und Boden verlangt. Die Anlieger können auch einen neuen Grenzverlauf beziehungsweise Grenzbegradigungen beantragen, wofür geringe Kosten für neue Grenzpunkte und das veränderte Flurstück entstehen. Beim vereinfachten Umlageverfahren fallen dann keine weiteren Belastungen für Gebühren oder den Notar an.
Für Bürgermeister Herbert ist diese Vermessung sehr wichtig, um Grenzen und Flächen genau zu kennen, was auf eine kostengünstige Weise geschehe. Von Nutzen war die digitale Flurkarte bereits für die digitale Erfassung des Wasserleitungs- und Kanalnetzes in Zeilitzheim.
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