Nie mehr Kindergarten?

31.07.2007

Mainpost 31.7.2007

 

HERLHEIM

Nie mehr Kindergarten?

 

Ein Unglückstag für die jungen Herlheimer Familien war Freitag, der 13. (Juli 2007) An diesem Julitag erfuhren die Kindergarteneltern von der endgültigen Schließung des örtlichen Kindergartens.

 

Seit mindestens einem viertel Jahr, bis wenige Tage vor diesem Datum, schien eigentlich alles klar zu sein, berichtete Anni Fledering, die Vorsitzende des Trägervereins. Die Zeiten waren gebucht, die Finanzierung geregelt und die Genehmigungen erteilt, so dass der Kindergarten auch mit nur sieben Kindern mindestens ein weiteres Jahr weitergeführt werden konnte. Da zogen die Eltern mehrerer Kinder ihre Buchung zurück, was dann das endgültige Aus bedeutete.

Bessere Chancen?

Diese Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen und ihr tue die Konsequenz auch sehr leid, betonte eine der Mütter. Sie sehe aber, ebenso wie die anderen Eltern, in einer größeren Gruppe bessere Chancen für ihre Tochter.

Die Väter und Mütter der übrigen Sprösslinge können diese Argumente nicht nachvollziehen. Sie wollten die Herlheimer Einrichtung so lange wie möglich erhalten, sehen sie in den kurzen Wegen und der intensiven Betreuung doch nur Vorteile.

Durch die Schließung sind die Eltern nun gezwungen, für ihre Kleinen einen Platz auswärts zu suchen. Das Bringen und Abholen müssen sie selbst organisieren. Auch die beiden Kindergärtnerinnen sind schockiert.

Großes Glück hatte Kindergartenleiterin Christiane Reinstein. Sie steht nicht wie befürchtet von heute auf morgen ohne Job da, sondern kann, ja muss, schon am 1. August im SOS-Kinderdorf in Oberschwarzach eine neue Stelle antreten.

Härter trifft die Schließung Kinderpflegerin Christiane Klüpfel, die seit 13 Jahren in Herlheim tätig ist. Sie ist schwanger und erwartet Anfang Februar ihr Baby. Da ihr in diesem besonderen Fall nicht gekündigt werden kann, erhält sie ihren Lohn weiterhin. Dafür möchte sie eigentlich bis zum Beginn ihres Mutterschutzes weiterarbeiten.

In einem gewissen Zeitumfang wäre dies eventuell im Kindergarten Zeilitzheim möglich, machte Bürgermeister Horst Herbert der Kinderpflegerin hier ein Angebot. Auch einer früheren Kindergartenleiterin, deren Mutterschaftsurlaub demnächst ausläuft, muss nun kurzfristig gekündigt werden.

Pfarrer Andreas Engert, der kraft seines Amtes zur Vorstandschaft des Johanniszweigvereins, dem Trägerverein des Caritas-Kindergartens gehört, findet die Schließung schade, meint allerdings auch, dies sei nicht aufzuhalten gewesen.

Die Eltern müssen nun für ihre Kleinen einen neuen Kindergartenplatz suchen. Vier Kinder sind schon in Zeilitzheim angemeldet und ein Mädchen wird nach Alitzheim gehen.

Ein noch nicht dreijähriges Kind bleibt vorerst zu Hause und ein Junge wird wohl eine Spiesheimer Einrichtung besuchen. Die Gemeinde hat für die Kindergartenkinder keine Transportverpflichtung sagt Bürgermeister Horst Herbert.

Da sich der Zeilitzheimer Kindergarten in Zukunft in der Schule befinden wird und das Kindergartenpersonal die Kleinen leicht abholen könnte, wäre allerdings eine Mitnahme mit dem Schulbus nach Zeilitzheim möglich.

Auch Gernach gefährdet

Der Herlheimer Kindergarten ist somit die erste der acht Kindertagesstätte in der Großgemeinde Kolitzheim die ihre Türen schließt. Gefährdet ist auch die Gernacher Einrichtung. Mit elf Kindern ist sie allerdings zumindest für das nächste Kindergartenjahr gesichert.

Um den Lindacher Kindergarten mit 17 Kindern mache er sich keine Sorgen, so Bürgermeister Herbert. Voll belegt seien die Kolitzheimer, Stammheimer und Oberspiesheimer Einrichtungen. In den beiden letzteren wurden allerdings früher in zwei Gruppen Kinder betreut. Auch der zweigruppige Kindergarten in Unterspiesheim ist mit 47 Kindern gut ausgelastet.

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