Nun werden doch alle Kinder untersucht

29.03.2008
Mainpost 29.03.2008

LANDKREIS SCHWEINFURT/UNTERSPIESHEIM

Nun werden doch alle Kinder untersucht

Unterspiesheimer Protest gegen Prioritätenliste bei Schuleingangstest zeigt Wirkung

 

 

Dass das Gesundheitsamt Kinder vor ihrer Einschulung untersucht und dabei auf ihre Eignung für die Schule geachtet hat, war bisher selbstverständlich. Beim Gesundheitstest der rund 1600 künftigen Erstklässler aus Stadt und Landkreis Schweinfurt für das Schuljahr 2008/09 schien dem nicht mehr so sein. Jetzt gibt Leitender Medizinaldirektor Dr. Werner Arnhold aber erst einmal Entwarnung. Voraussichtlich alle Vorschulkinder kommen rechtzeitig in den Genuss der Untersuchung.

 

Ausgangspunkt für einigen Ärger und Protest bei Eltern und Kindergartenpersonal war ein Schreiben des Gesundheitsamts von Anfang Oktober 2007 an alle Kindergärten in Stadt und Land. Kernpunkt seines Inhalts: Es sollte Prioritäten bei den Einschulungsuntersuchungen geben. Zuerst an der Reihe sein sollten die Kindergärten, in denen laut Gesundheitsamt „erfahrungsgemäß der höchste Beratungsbedarf besteht.“ Dies sind für das Amt eindeutig die Kindergärten in der Stadt Schweinfurt.

Zusammen mit dem Schulamt hatte das Gesundheitsamt eine Prioritätenliste für den Landkreis erstellt. Nach den rund 425 Vorschulkindern der Stadt sollen die Untersuchungen in den Kindergärten der großen Landkreisorte Gerolzhofen Sennfeld, Gochsheim und Niederwerrn weitergehen. Hier waren etwa 250 Kinder an der Reihe.

 

Kleinste Kindergärten zuletzt

 

Bis zum Einschreibetermin im April 2008 stellte das Amt auch für die etwa 300 Schulanfänger in Bergrheinfeld, Euerbach, Schonungen, Schwebheim, Dittelbrunn, Geldersheim und Üchtelhausen die Untersuchung in Aussicht. „Erst um die Zeit des Einschreibetermins und voraussichtlich noch in den Monaten Mai, Juni und gegebenenfalls Juli werden wir die Kinder der Grundschulen Donnersdorf, Grafenrheinfeld, Grettstadt, Kolitzheim, Röthlein, Schwanfeld, Wasserlosen, Werneck, Poppenhausen und Stadtlauringen untersuchen können (ohne dass wir garantieren können, alle diese Kindergärten zu erreichen)“, schrieb das Gesundheitsamt im Oktober.

 

Genau an diesem eingeklammerten letzten Halbsatz entzündete sich die Empörung von Eltern besonders in Unterspiesheim. Thomas Schmitt hat als Elternbeiratsvorsitzender im Namen des Kindergartens St. Sebastian in Unterspiesheim einen Brief mit vielen Fragen ans Landratsamt geschickt, dem das Gesundheitsamt angegliedert ist. Unverständnis herrscht bei den Eltern darüber, dass auch Kinder in der Stadt, die keinen Entwicklungsrückstand haben, untersucht werden, Kinder auf dem flachen Land, die sehr wohl solche Rückstände aufweisen können, aber nicht. Die protestierenden Unterspiesheimer Eltern – auf einer Unterschriftenliste sind 45 Namen enthalten – empfehlen dem Amt, doch einmal zu untersuchen, wie viele Kinder vom Land in die Frühförderung gehen.

 

Kein Verständnis hatte die Elternschaft auch für die Begründung des Gesundheitsamtes für die Leistungskürzung: schlicht und einfach der Wegfall einer halben Stelle.

 

Der Protest aus Unterspiesheim war der massivste im ganzen Landkreis, sagt Werner Arnholdt, Leiter des Sachgebiets Gesundheitsamt am Landratsamt. Gleichwohl sieht er in der Beschwerde eine Bestätigung und Wertschätzung der Arbeit der sozialmedizinischen Assistentinnen, die die Einschulungsuntersuchung vornehmen, daneben aber noch zahlreiche andere Aufgaben haben.

 

Qualität halten

 

Drei Viertel aller Vorschulkinder und Stadt und Land sind mittlerweile untersucht. Und Arnholdt ist optimistisch, dass bis zum Ende des Kindergartenjahres alle an der Reihe gewesen sein werden. „Wir hatten, bedingt durch die Personalkürzung, die Entscheidung, entweder die Qualität der Untersuchung einzuschränken oder eben länger zu brauchen“, beschreibt der Amtsvertreter das Dilemma. Die Untersuchung eines Kindes dauert etwa eine halbe Stunde. Normalerweise laufen die Tests im Kindergarten. Nur wenn dabei Zweifel an der Schultauglichkeit eines Kindes aufkommen, kommt es zu einer ärztlichen Untersuchung im Gesundheitsamt.

 

Angebot an Eltern

 

Den besorgten Unterspiesheimer Eltern wurde angeboten, die Kinder im Amt zu untersuchen. Etwa 25 Prozent von ihnen haben bislang davon Gebrauch gemacht.

 

Die Kinder aus der Stadt habe das Amt zuerst untersucht, weil bei 44 Prozent von ihnen beide Elternteile nicht Deutsch als Muttersprache haben. Bei weiteren zwölf Prozent hat nur ein Elternteil Deutsch als Muttersprache. Insofern sei eine Verzögerung der Sprachentwicklung hier eher anzunehmen als auf dem Land, wo bei bei 86,7 Prozent der Kinder beide Elternteile Deutsch sprechen.

 

Sowohl Werner Arnholdt als auch Landrat Harald Leitherer zeigen Verständnis für die Eltern treten für die Erhaltung der Qualität dieser Untersuchung ein. Deswegen haben beide das für die Personalkürzung verantwortliche bayerische Innen- und das Gesundheitsministerium auf die Problemlage aufmerksam gemacht, die sich nicht nur auf Stadt und Landkreis Schweinfurt beschränkt.

 

Das Stichwort

 

Einschulungsuntersuchung

 

Bei der Einschulungsuntersuchung handelt es sich um die derzeit einzige Screening-Untersuchung, bei der alle Kinder eines Jahrgangs erfasst werden. Durch die Untersuchung werden Gesundheits- und Entwicklungsstand eines Kindes mit Blick auf den Schulbeginn beurteilt. Ziel ist es, gesundheitliche Störungen zu erkennen, Eltern zu beraten und gegebenenfalls notwendige Behandlungen oder Fördermaßnahmen einzuleiten.

 

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