Ohne dich wäre ich keine 100 Jahre alt geworden

27.02.2016

Mainpost, 27.02.2016

 

GERNACH

„Ohne dich wäre ich keine 100 Jahre alt geworden“

Martin Markert ist wohl der erste Gernacher, der seinen 100. Geburtstag feiern kann, zumindest so weit die Erinnerungen der Gernacher Bürgerinnen und Bürger zurückreichen.

Und auch wenn sein Augenlicht zu wünschen übrig lässt: der Jubilar ist noch vielseitig interessiert, geistig rege, aufgeschlossen und zugewandt.

Die Teilnahme an den Gottesdiensten im Fernsehen ist fester Bestandteil seines Tagesablaufes; er bedauert, dass er aus gesundheitlichen Gründen den Gottesdienst in der Gernacher St.-Aegidius-Kirche nicht mehr besuchen kann.

Mit Dankbarkeit blickt Markert auf ein langes, erfülltes Leben zurück, in dem er manche schwere Situation zu überwinden hatte. „Der Glaube hat mir die Kraft gegeben, mit all dem Schweren fertigzuwerden“, zieht Martin Markert Bilanz über die zurückliegenden 100 Jahre. Und an seine Frau Anna gewandt: „Ohne dich und deine Unterstützung wäre ich keine 100 Jahre alt geworden.“

Geboren wurde Martin Markert am 27. Februar 1916 in Gernach als fünftes der acht Kinder der Eheleute Christine Markert, geb. Schneider, und Friedrich Markert. Seine Mutter stammte aus Dipbach, sie war als Dienstmädchen nach Gernach gekommen. So hatten sich die Eltern kennengelernt.

Martin Markert besuchte die Volksschule in Gernach von 1922 bis 1929. Er erinnert sich noch an den Lehrer Wolf, der auch die Fortbildungsschule leitete: Jeden Sonntag waren die Schulentlassenen verpflichtet, die Fortbildungsschule zu besuchen.

Wie damals oft üblich, mussten die sich Jugendlichen außerhalb des Elternhauses nach einer Arbeit umsehen. So verdingte sich Martin in den Jahren 1929 bis 1931 als Knecht auf dem Bauernhof Pretscher in Unterspiesheim. Danach arbeitete er etwa ein Jahr im Steinbruch: So lange musste er arbeiten, bis die Steine für den Hof des elterlichen Anwesens abgegolten waren.

In der Zeit danach half er im elterlichen Bauernhof mit. Der Jubilar wurde erst zum Arbeitsdienst verpflichtet und war ab 1936 zum Militärdienst in Kitzingen eingezogen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er in Nordafrika eingesetzt, geriet 1944 in amerikanische Gefangenschaft und blieb bis 1946.

Es gelang ihm, Briefkontakt zur Schwester seines Vaters aufzunehmen, die in die USA ausgewandert war. 1946 wurde er als Gefangener nach England überstellt. Von dort wurde er im Mai 1947 nach Dachau entlassen: „Der Zug fuhr durch meine Heimat – und ich konnte nicht aussteigen“ erinnerte er sich an diesen schmerzlichen Augenblick.

Die Planungen im elterlichen Bauernhof sahen vor, dass der jüngste Bruder Josef den Hof übernehmen sollte. Dementsprechend war es für Martin klar, dass er sich anderweitig umsehen musste. Und es gab auch schon Aussichten für eine neue Lebensperspektive außerhalb des elterlichen Hofes. Da jedoch sein Bruder Josef im August 1947 an Wundstarrkrampf starb, wurde er doch mit der Aufgabe konfrontiert, den elterlichen Hof zu übernehmen.

Im Jahr 1954 lernte Martin Markert seine Frau Anna, geborene Weigand kennen. Sie stammte aus Abersfeld und hatte ebenfalls acht Geschwister. Etwa ein Jahr gingen Briefe hin und her zwischen Abersfeld und Gernach, denn man konnte sich nur selten sehen.

Am 5. Mai 1956 läuteten dann die Hochzeitsglocken für Martin und Anna Markert. Schon im Jahr zuvor hatte Martin den Hof vom Vater übernommen. Ein Jahr nach der Hochzeit erkrankte Markert schwer. Es dauerte ein ganzes Jahr, bis er sich dank einer speziellen Diät, die seine Frau für ihn kochte, wieder erholte. Das Paar hat vier Kinder.

Martin Markert war auch für die Dorfgemeinschaft aktiv: 2014 wurde er für 80 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Gernach geehrt. Von 1948 an war er zwölf Jahre Mitglied im Gemeinderat der damals noch selbstständigen Gemeinde Gernach.

Anfang der 80er Jahre wurde der Hof an Sohn Bernhard übergeben, aber Martin Markert und seine Frau Anna halfen noch bei der Arbeit mit, solange die Kräfte es zuließen.

Vielen Gernachern ist Martin Markert mit seinem Fahrrad in Erinnerung: er pflegte seinen Waldbesitz mit Hingabe, und fast jeden Tag fuhr er mit seiner Hacke auf dem Fahrrad dorthin.

Es freut ihn besonders, dass aus den gelegentlichen Gesprächen mit einigen Heidenfeldern, die jetzt schon im Rentenalter sind, eine echte Freundschaft entstand: Sie besuchen ihn immer wieder einmal und kommen auch zu seinem 100. Geburtstag, zu dem auch seine Frau Anna, die vier Kinder, zwölf Enkel und ein Urenkel Martin Markert gratulieren.

 

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