Paul Kleinhenz wird 95 Jahre alt

11.09.2020

Mainpost 11.09.2020

Zeilitzheim

Paul Kleinhenz wird 95 Jahre alt

Über viele Jahrzehnte hinweg war das Singen im Chor die große Leidenschaft von Paul Kleinhenz aus Zeilitzheim. Anlässlich seines heutigen 95. Geburtstags wird dem Jubilar sicher das ein oder andere Ständchen dargebracht. Selbst hatte er über 65 Jahre bis zu dessen Auflösung im evangelischen Kirchenchor gesungen, im Männerchor Frohsinn des Sportclubs sogar über 67 Jahre, ehe ihn vor zwei Jahren Probleme mit der Sehkraft zum Aufhören gezwungen hatten. "Sonst wäre ich auch heute noch dabei", so der 95-Jährige.

Eine knappe Stunde jeden Tag bewege er sich nach wie vor an der frischen Luft, inzwischen mit Gehhilfe, aber das halte ihn fit, betonte der Jubilar. Auch deshalb erfreut sich Paul Kleinhenz gemessen an seinem hohen Alter noch an recht guter Gesundheit.

Das Dorfleben mitgeprägt

Das Dorfleben in Zeilitzheim hat Kleinhenz über viele Jahre an unterschiedlichen Positionen entscheidend mitgeprägt. Er war beispielsweise Mitglied im Gemeinderat der damals noch eigenständigen Gemeinde Zeilitzheim und lenkte 24 Jahre als Kirchenvorstand die Geschicke der evangelischen Kirchengemeinde, ebenso lange war er in der Vorstandschaft der Flurbereinigung aktiv. Seit seinem 15. Lebensjahr ist er außerdem Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr.

Auch die Bevölkerung konnte sich auf Paul Kleinhenz stets verlassen, wenn es beispielsweise um das Räuchern von Fleisch und Wurst ging oder seine Bandsäge als modernes technisches Hilfsmittel zum Holzmachen gefragt war. Sein großes musikalisches Talent zeigte der heute 95-Jährige überdies bis zu seinem 85. Lebensjahr insgesamt 61 Jahre lang auch im evangelischen Posaunenchor.

Die Arbeit in Haus und Hof war immer die große Leidenschaft von Paul Kleinhenz. Bis zu seinem 93. Geburtstag hat er zum Beispiel sogar den großen Garten der Familie noch selbst umgegraben. Heute hält er sich aus gesundheitlichen Gründen zurück, steht aber den Familienmitgliedern weiterhin mit gutem Rat zur Seite. Bis zur rasanten Verbreitung des Corona-Virus im Frühjahr hat der Jubilar auch gerne an den "Schafkopfnachmittagen" im örtlichen Sportheim teilgenommen.

In russischer Gefangenschaft

Nach seiner Schulzeit arbeitete Kleinhenz im landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern mit, ehe er 1942 im Alter von 17 Jahren zum Reichsarbeitsdienst kam und im Januar 1943 zum Wehrdienst im Zweiten Weltkrieg einberufen wurde. Nach verschiedenen Einsätzen in Albanien, Griechenland und Russland geriet er im April 1944 in russische Gefangenschaft. Dort verbrachte er drei Jahre unter menschenunwürdigen Bedingungen in Nowosibirsk (Sibirien). Neben Arbeiten während der Ernte mussten er und seine 3000 Kameraden bei bis zu -40 Grad Schnee schaufeln.

Weitere zwei Jahre war er anschließend noch in Moskau gefangen, wo er als Spezialarbeiter beim Häuserbau und im Bereich Installation eingesetzt wurde. Erst im November 1949 konnte er als "Spätheimkehrer" nach Zeilitzheim zurückkommen. Am Abend der Ankunft habe ihn sogar der Posaunenchor mit Klängen der Blasmusik empfangen, erinnerte er sich. Nur zwei Kameraden aus dem Ort seien noch später zurückgekehrt, fügte er an. Anschließend arbeitete er im elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb, den er später übernahm. Im Jahr 1956 heiratete er seine Frau Else, die vor fünfeinhalb Jahren unerwartet verstarb.

Zu seinem Ehrentag gratulieren ihm besonders seine drei Kinder mit Ehepartnern, fünf Enkel sowie weitere Verwandte.

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