Räte diskutieren über neuen Kindergarten auf Schulgelände

05.05.2017

Mainpost 05.05.2017

KOLITZHEIM

Räte diskutieren über neuen Kindergarten auf Schulgelände

Der Gemeinderat von Kolitzheim diskutierte die aktuelle Situation der Kinderbetreuung im Kindergarten St. Sebastian in Unterspiesheim.
Zu Gast waren Martina Kerler, die Vorsitzende des Caritasvereins Unterspiesheim, der den Kindergarten trägt, Pfarrer Thomas Amrehn als Vertreter der Kirchenstiftung, die Grundstückseigentümer ist, und Elisabeth Dereser aus dem Leitungsteam der Einrichtung.

Bürgermeister Horst Herbert gab zunächst einen kurzen Überblick über die augenblickliche Situation: Der Anbau genüge dem Bedarf nicht mehr, da der Bedarf nach Betreuung der Kinder unter drei Jahren angestiegen sei. Es sei zu erwarten, dass dieser Bedarf weiter steige. Es würden drei Kleinkindgruppen benötigt, so Herbert. Man rechne für die Gemeinde Kolitzheim bis 2030 mit etwa 50 Geburten pro Jahr.

Es habe Gespräche wegen des Raumbedarfs gegeben, unter anderem habe man den ehemaligen Kindergarten in Gernach angeschaut. Als vorübergehende Lösung sei geplant, eine Gruppe in das Pfarrzentrum in Unterspiesheim auszulagern. Allerdings sei dies nur eine vorübergehende Lösung, sagte Herbert.
Mit Blick auf das kommende Kindergartenjahr legte Martina Kerler dar, dass drei Regelgruppen gebraucht würden. Nach aktuellem Stand könnten zwölf Kinder nicht aufgenommen werden, wenn es nicht eine weitere Kleinkindergruppe geben würde.
Daher stelle die Pfarrgemeinde für maximal drei Jahre einen weiteren Raum im Pfarrzentrum St. Sebastian für den Kindergarten zur Verfügung, so Pfarrer Amrehn, Raum, der auch für das Gemeindeleben der Pfarrei St. Sebastian gut gebraucht werden könnte.

Der Vorstand des Caritasvereins und die Kindergartenleitung befürworten die Lösung, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kindergarten Grund zu erwerben und einen Neubau für drei Kleinkindgruppen zu errichten.

Hemmschuh Bebauungsplan

Bürgermeister Horst Herbert gibt demgegenüber zu bedenken, dass neben den Grundstücksverhandlungen, die nötig wären, auch ein Bebauungsplan für den Bereich erstellt werden müsste, in dem das neue Gebäude untergebracht werden solle. Das Nachbargrundstück müsste außerdem erst erschlossen werden. Allein für die Erstellung des Bebauungsplans gingen nach optimistischer Schätzung mindestens neun Monate ins Land, so der Bürgermeister.

Gemeinderat Reinhold Holzheid brachte den Gedanken ein, dass der Grundstückserwerb wohl nicht bezuschusst werde. Pfarrer Thomas Amrehn plädiert für ein Gesamtkonzept: Schule und Kindergarten sollten an einem gemeinsamen Platz, nämlich auf dem Gelände der ehemaligen Cusipinian-Hauptschule errichtet werden. Dort könnte ein neues Zentrum für Kinder und Jugendliche entstehen, mit Kindergarten und Schule.

Die augenblickliche gute staatliche Förderung baulicher Maßnahmen für Kinder unter drei Jahren, die möglicherweise auch auf Gruppen von über Dreijährigen ausgedehnt werde, und die Bereitschaft des Bistums, Kindergärten ebenfalls zu fördern, könnte „beiden Trägern so entgegenkommen, dass man für günstiges Geld genügend Platz hat“, sagte Amrehn.

Für einen Neubau des Kindergartens komme eher der Bereich südlich des bestehenden Schulgebäudes in Betracht; der nördliche Bereich sei für die Anfahrtswege zu erhalten.

Der Zweite Bürgermeister Martin Mack stellte fest, dass der wachsende Bedarf an Kinderbetreuung der Gemeinde insgesamt „unter den Nägeln brenne“. Es sei nötig, „so schnell wie möglich zu handeln“.

Sicher wäre ein Neubau in der Nähe des bestehenden Kindergartens billiger, aber ein gemeinsamer Standort von Schule und Kindergarten brächte vielfältige Vorteile, gerade wenn man an das geforderte differenzierte Angebot im Rahmen des Schulunterrichts und der Schulkindbetreuung denke.

Pfarrer Amrehn plädierte eindringlich dafür, ein Gesamtkonzept für Schule und Kindergarten zu entwickeln. Bei allem Verständnis für die Wünsche des Ortscaritasverbandes, für einen Neubau neben dem bestehenden Kindergarten, halte er das für die bessere Lösung. Vielleicht gelinge es, bei der Regierung mit dem Argument, dass die Gemeinde durch den Neubau des Kindergartens hoch belastet sei, einen höheren Zuschuss zu erwirken.

Schulabriss und Gesamtkonzept

Gemeinderat Burkard Krapf gab zu bedenken, dass unter Umständen Zuschüsse zurückgezahlt werden müssten, wenn das Kindergartengebäude nicht mehr als Kindergarten genutzt werde. Das wäre zu prüfen, so der Seelsorger. Der Zuschuss betrug etwa 340 000 Euro, so Bürgermeister Herbert.

Gemeinderat Reinhard Heck plädierte ebenfalls für eine Lösung im Umfeld der ehemaligen Hauptschule. Es gelte, langfristig zu planen. Er schlug vor, das alte Schulgebäude abzureißen und ein Gesamtkonzept für Schule und Kindergarten zu entwickeln. Reinhold Holzheid regte an, dieses Gesamtkonzept schrittweise zu realisieren.

Der Bürgermeister machte darauf aufmerksam, dass noch kein Beschluss des Gemeinderats zu Abriss oder Renovierung der Hauptschule vorliege, und dass auch noch nicht über den Schulstandort entschieden sei.

Mit Blick auf die anderen Ortsteile merkte Burkard Krapf an, dass auch in Stammheim früher oder später eine Kleinkindgruppe nötig sein.

Elisabeth Dereser machte abschließend auf die Situation des Kindergartenpersonals und der Kinder aufmerksam. Die nächsten Jahre forderten, wie schon die vergangenen, viel Improvisationstalent vom Personal, wenn man sich darauf einstellen müsste, dass die Gruppen zumindest zeitweise an unterschiedlichen Orten untergebracht seien.

Lieber wäre ihr daher der Neubau in der Nachbarschaft. Sie könnte sich aber auch mit dem Neubau auf dem Schulgelände anfreunden. Denn zumindest ein Eindruck stimmte sie positiv: „Unser Problem wird vom Gemeinderat sehr ernst genommen.“

 

 

Zu den News