Rektor Elmar Walter: „Meine Schule ist am Abkippen“

06.03.2008
Mainpost 06.03.2008

UNTERSPIESHEIM

Rektor Elmar Walter: „Meine Schule ist am Abkippen“

Kultus-Staatssekretär Bernd Sibler bei der Fachgruppe Schulleitung des BLLV-Kreisverbandes in Kolitzheim zu Gast

 

Großer Bahnhof an einer kleinen Hauptschule: Eingeladen von der Fachgruppe Schulleitung des BLLV-Kreisverbandes (Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband) kam es in der Hauptschule Kolitzheim zu einem Gespräch mit dem neuen Staatssekretär im Kultusministerium, Bernd Sibler. Die Hauptschule und die Arbeitsbelastung der Schulleiter waren dabei die Schwerpunkte.

Erschienen waren fast alle Schulleiter der Grund- und Hauptschulen aus dem Landkreis und der Stadt Schweinfurt. Fachgruppenleiter Andreas Sauer (GS Grettstadt) betonte zu Beginn, seit Jahren habe sich nichts im Hinblick auf den Abbau der Arbeitsbelastung der Schulleiter getan.

Schicksal eines „Einzelkämpfers“

 

„Wir arbeiten sehr engagiert, unsere Belastungen steigen“, stellte Helmut Schmid (GS Wasserlosen), der die Gesprächsrunde moderierte, fest. Er selbst habe weder Verwaltungsangestellte noch einen Stellvertreter in der Schulleitung und sei noch „Einzelkämpfer“ in der vierten Jahrgangsstufe.

 

„Wir brauchen mehr Leitungszeit“, forderte Walter Langenberger (VS Niederwerrn). Als Schulleiter unterrichte er neben seiner eigentlichen Aufgabe 13 Stunden. Daran werde die Qualität der Schule leiden.

 

Frank Maier (Auen-Grundschule Schweinfurt) bemängelte die starre Messzahl von 180 Schülern, die notwendig ist, dass es an einer Schule einen Konrektor gibt. „Die Grundlage der Arbeit in der Schulleitung ist die gleiche, egal ob man 100 oder 400 Schüler hat“, hob er hervor. Zudem seien kleine Schule zu wenig bestückt mit Verwaltungsstunden. Außerdem habe sich die pädagogische Situation verändert, ergänzte Sonja Then (VS Poppenhausen). Schüler würden zunehmend schwieriger.

 

Diese Veränderungen bestätigte Staatssekretär Bernd Siebler. Es würden 350 neue Stellen für Schulsozialarbeit geschaffen, erklärte er. Dazu kämen 100 weitere Stellen in der Verwaltung. Diese seien aber in der Mehrzahl für Ganztagesschulen vorgesehen.

 

Weiter werde er sich für ein funktionsloses Beförderungsamt für Hauptschullehrer in der Stufe A 13 einsetzen, mit den entsprechenden Konsequenzen für die Schulleiter. Hier seien die Verhandlungen mit dem Finanzministerium auf einem guten Weg. Mit einer Entscheidung rechne er im Juni diesen Jahres. Für die Grundschule sei noch nichts entschieden. Zum Thema mehr Leitungszeit für Schulleiter stellte Sibler fest, hier seien noch eine Reihe von Gesprächen notwendig.

 

„Meine Schule ist am Abkippen“, sagte Elmar Walter (HS Kolitzheim). Er habe gerade noch 111 Schüler. eine Schließung sei ein sehr großer Verlust für den Ort. Hier würde sehr viel Unterrichts- und Erziehungsarbeit aufgegeben. Dieser Verlust sei unwiederbringlich. „Wir hatten einmal über 400 Schüler und sind sehr stolz auf unsere Schule“, ergänzte Bürgermeister Horst Herbert (Kolitzheim). Mittelfristig müsse sie wohl schließen.

 

„Wir tun alles, um die Hauptschule vor Ort zu halten“, sagte Franz Portscher, Leiter der Schulabteilung an der Regierung von Unterfranken. Es gebe aber Situationen, wo die Schülerzahl so sinkt, dass es keine andere Lösung als eine Schließung gebe.

 

Eine Lanze für den Erhalt der kleinen Hauptschule brach Landrat Harald Leitherer. „Warum wird noch immer an der starren Zahl von 15 Schülern festgehalten?“, fragte er. Gerade auf dem Land solle man kleinere Klassen anbieten können.

 

Sibler: „Stehen zur Hauptschule“

 

„Wir stehen zur Hauptschule“, erklärte der Staatssekretär. Der Ausbau der beruflichen Bildung solle vorangetrieben werden. Er bestand auf der Dreigliedrigkeit des bayerischen Schulsystems. Naiv sei es zu glauben, wenn Dritt- und Viertklässer Nachhilfeunterricht bekommen, und die Eltern glauben, das Problem sei dann in der fünften Klasse behoben.

 

Die demographische Entwicklung und das sich wandelnde Übertrittsverhalten führen in einigen Gemeinden im Landkreis Schweinfurt in den nächsten Jahren zu weiteren Schulschließungen und immer längeren Schulwegen für immer mehr Schüler“, so der BLLV-Kreisvorsitzende Walter Schäffer. Deshalb fordere der BLLV die Einsrichtung von „Regionalen Modellschulen“. Diese sollen so gestaltet werden, dass sie für alle Beteiligten attraktiv sind.

 

An ihnen könnten der Hauptschul- und der Mittlere Schulabschluss erworben werden. Die Anschlüsse in eine berufliche Ausbildung sowie in weiter führenden Schulen, die eine Fachhochschul- bzw. Hochschulreife vermitteln, werden gesichert. Der bisherige Übertrittsdruck in der Grundschule könne damit abgebaut werden.

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