Rena Schwarz war zu Gast bei der Frauenzeit in Gernach

23.07.2019

Mainpost 23.07.2019

Gernach

Rena Schwarz war zu Gast bei der Frauenzeit in Gernach

Rena Schwarz - mehr als 2000 Auftritte, knapp 150 000 Zuschauer haben ihre Programme schon gesehen, 2012 war sie Preisträgerin des Bad Emser Kabarettpreises "Emser Pastillchen" und sie kann auf eine beachtliche Anzahl von einschlägigen Nominierungen verweisen. So durfte man sich im TSV-Sportheim in Gernach auf einen lustigen, tiefgründigen, frechen und kurzweiligen Kabarett-Abend freuen.

Mit ihrem Programm "Prinzessin ist auch kein Traumjob" kämmte sie die Märchen, wie Rotkäppchen, Schneewittchen oder "Tischlein deck´ dich" gegen den Strich, transportierte manche Märchen der Gebrüder Grimm kurzerhand in unsere Zeit, stellte fest, dass Frauen entweder nur als junge, hübsche, fromme Geliebte von älteren Königen vorkommen, oder als alte Hexen, die "selbst Prinz Charles nicht mehr nehmen würde". Sie stellte klar, dass Prinzessin sein wirklich kein Traumjob ist: "Als Prinzessin muss man den heiraten, den der König ausgesucht  hat - und wenn es ein Frosch ist".  

Lustiges Ratespiel

Lustig  das Ratespiel, zu dem die Kabarettistin das meist weibliche Publikum im gut gefüllten Zuhörerraum, in dem die etwa sieben "Prinzen" natürlich auffielen, einlud: "Von der Haushaltshilfe zur Wetterfee" - welches Märchen verbirgt sich hinter diesem Titel ? Oder:  "gesellschaftlicher Aufstieg durch Hülsenfrüchte". Die Lösung: Frau Holle und Aschenputtel. Jede richtige Lösung wurde mit einem Goldtaler belohnt – wie im Märchen regnete es Sterntaler.

Ihr Leid klagte Rena Schwarz auch über die Widrigkeiten ihrer Kindheit: Stets musste sie die Prinzessin spielen, immer artig, fromm, ruhig und vorbildlich sein. "Wie gerne hätte ich einmal Rumpelstilzchen oder die böse Hexe gespielt." Und einmal sei sie als Schneewittchen in ihrem Sarg, der nicht aus Glas war, sondern eine "bessere Tupperbüchse" vor Langeweile eingeschlafen. Geweckt wurde sie durch die Küsse des kleinsten und hässlichsten Jungen ihrer Klasse, der sie, in der Meinung, sie sei Dornröschen, unbedingt wachküssen wollte. Was hat sie daraus gelernt? "Ich kann mich gut totstellen".

Rotkäppchen im Dialekt

Viele Lacher rief auch die Erzählung des Rotkäppchen-Märchen im hessisch-spessarterischen Dialekt vor. Rotkäppchen brachte "Äppelwoi, Handkäs mit Musik und a Giggelsche" zur Großmutter, nicht Kuchen und eine Flasche Wein, wie es in der dekadenten Fassung des Märchens später hieß. Rena Schwarz beklagte auch die Wirklichkeitsfremdheit und Dummheit der Märchenprinzessinnen: "Welche Frau lässt schon einen goldenen Schuh auf der Treppe zurück?"  Rapunzel habe sich dumm angestellt: "Wenn man wartet, bis die Haare so lang gewachsen sind, dass der Prinz dran hochklettern kann, wird man so alt, dass selbst Prinz Charles nichts mehr von einem wissen will. Von uns Frauen hier wäre wohl jede die Treppe runter und hätte die Tür aufgemacht".  

 Die zwei Lieblingsmärchen der Künstlerin: 1. "Die Rente ist sicher" von Norbert Blüm und 2. "Das Märchen der Gleichberechtigung". Erst die vier weisen Mütter des Grundgesetzes sorgten dafür, dass die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ins Grundgesetz aufgenommen wurde. Die Männer versuchten immer wieder, den Frauen klarzumachen, dass sie dafür da seien, ihnen Kaffee zu kochen und für Kognak zu sorgen.  Gleichberechtigung bleibt bis heute ein Märchen, denn Frauen verdienen mit der gleichen Arbeit immer noch 20 Prozent weniger als Männer.

Ewige Jugend

Ein weiteres Märchen, das Rena Schwarz entlarvte: "For ever young". Viele Cremes und Sprays würden verkauft, weil viele an das Märchen "for ever young" glaubten. Fragt man aber: "Spieglein, Spieglein an der Wand, sag mir, ob eine Falte verschwand", bekommt man die Antwort "keine verschwand."  Langanhaltender Beifall belohnte die Künstlerin. Das TSV-Küchenteam unter Leitung von MaryAnn Fuchsberger hatte für die Verpflegung gesorgt.

 

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