Rosen: Mit allen Sinnen genießen

20.06.2016

Mainpost 20.06.2016

KOLITZHEIM

Rosen: Mit allen Sinnen genießen

 

Sie stehen in vielen Gärten, in ihren wilden Formen gehören sie zu den Sträuchern am Wegrand; dennoch wissen die meisten Menschen wenig über die Königin der Blumen, die Rose. Nach einem Rosenspaziergang bei Christine Bender in Kolitzheim ist dies ganz anders.

Bender, Landwirtschaftsrätin am Gartenbauzentrum Bayern Nord in Kitzingen und stellvertretende Landrätin im Kreis Schweinfurt, kennt sich nämlich aus. Von der Geschichte über die Pflege bis hin zur Verarbeitung der Rosen führt sie ihre Besucher mit allen Sinnen in die Welt der Rosen ein.

Es beginnt mit dem Sehen: Ein Herz aus Rosenblättern empfängt die Gäste in Benders Garten, in dem rund 30 verschiedene Rosensorten ihre Pracht entfalten. Man muss schon genau hinsehen, um unter den reichlich blühenden weißen Ramblerosen noch den Abstellplatz für das Auto zu entdecken. Rund um den Teich, in dem Seerosen blühen, entlang der Hauswand und der Mauer, wohin das Auge blickt: Rosen. Auf den Tischen stehen Rosengestecke, ein Korb voller Rosen zieht das Auge des Betrachters magisch an.

 „So intensiv riechen nur die alten Rosen.“

Christine Bender, Landwirtschaftsrätin

Und weil Landwirtschaftsrätin Bender vor allem auf historische Rosen setzt, kommt auch der zweite Sinn zur Geltung: Es riecht verführerisch. Vor allem die Rose de Resht verströmt in ihrem Umfeld einen betörenden Duft. „So intensiv riechen nur die alten Rosen“, erklärt Bender. Im sehr aufwändig hergestellten Rosenöl und im Parfüm wird dieser Duft konserviert. Für einen Liter Rosenöl braucht man aber 500 Tonnen Rosenblätter. In China, Persien und dem alten Ägypten zierten schon vor über 3000 Jahren Rosen die Gärten. Aber nicht nur das, in erster Linie galten sie auch als Nahrungsmittel.

Womit wir beim Geschmackssinn wären. Hier ist Benders Repertoire schier grenzenlos. Die Blätter von 20 Rosenblüten in einen Liter abgekochtes, kaltes Wasser geben. Das Ganze mit dem Saft von zwei bis drei Zitronen mischen. Dann einen Tag im Kühlschrank aufbewahren, bevor die Blätter abgeseiht und 200 Gramm Zucker zugegeben werden. Den so entstandenen Rosensaft dürfen ihre Besucher sehen, riechen und schmecken. Aufgefüllt mit Secco oder Mineralwasser ein Genuss.

Dabei aber bleibt es nicht. Rosengelee, Rosenbutter, Rosenlikör, Rosenzucker, Rosensenf: Die Anzahl rosiger Köstlichkeiten scheint unendlich. Für all dies aber eignen sich nur die historischen Rosen, die gibt es jetzt zum Anfassen: zarte weiche Blütenblätter, festere, samtige und glatte; auch der Tastsinn kommt also auf seine Kosten. Vor allem auch dann, wenn man die Rosen pflegt. Hier zeigt sie nämlich durchaus auch ihre aggressive Seite. Rückschnitt der Blüten nur nach dem fünften Blatt rät Bender, aber Vorsicht: Rosen haben Dornen (botanisch betrachtet eigentlich Stacheln), je historischer sie sind, umso mehr.

„Die Rose stand im Tau, es waren Perlen grau. Als die Sonne sie beschienen, wurden sie zu Rubinen.

Aus einem Gedicht von Friedrich Rückert

Beim Hören dagegen wird's schwierig, die Rose selbst hüllt sich in Schweigen, nicht so die Rosenfreundin. Viel gibt es zu erzählen über die Königin der Blumen. Über ihre Geschichte, die Züchtungen, die Verwendung und Symbolik. Nicht nur Bender lässt die Rose hochleben, auch zahlreiche Lyriker. Auch Friedrich Rückert, dessen Gedenken wir in diesem Jahr besonders begehen, schrieb mehrere Rosengedichte. „Die Rose stand im Tau, es waren Perlen grau. Als die Sonne sie beschienen, wurden sie zu Rubinen.“

Christine Bender setzt mit ihren Spaziergängen einem wahren Allrounder unter den Blumen ein Denkmal. Ob im Garten, in der Küche, als Dekoration, als Geschenk in der Kosmetik oder als Symbol der Zuneigung: die Rose ist ein Tausendsassa und etwas ganz Besonderes.

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