Schon mehr als 400 Glocken gestaltet

06.08.2019

Mainpost 06.08.2019

 

Gernach

Schon mehr als 400 Glocken gestaltet

rei neue Glocken sollen demnächst mit ihrem Klang die Gernacher erfreuen. Diesen Entschluss hat die Kirchenstiftung Gernach gefasst, nachdem die alten Glocken aus Stahlguss, kurz nach dem zweiten Weltkrieg angeschafft, nicht mehr verwendbar sind. Die aus Bronze gegossenen Glocken aus dem Jahr 1908 waren in der Nazi-Zeit gegen den Widerstand vieler Gernacher für die Waffenproduktion zweckentfremdet worden.

Michael Werner, der Kirchenpfleger in Gernach, hatte eine Sendung der Frankenschau des Bayerischen Rundfunks über den Ruhestandspfarrer Günter Niekel gesehen. Dort wurde geschildert, dass der Seelsorger im Lauf seines Lebens schon etwa 400 Glocken gestaltet hat. So schlug der Kirchenpfleger der Kirchenverwaltung vor, den evangelischen Pastor nach Gernach einzuladen, um sich über seine Art, die Glocken zu gestalten, zu informieren und Anregungen für die künstlerische Gestaltung der drei neuen Glocken zu bekommen. Die Idee stieß auf Zustimmung.

Glocke für Olympisches Dorf

Leider waren nur wenige Interessenten zum Vortrag von Pfarrer Niekel gekommen – vielleicht lag es am Zeitpunkt – 16 Uhr. Lebendig und mit viel Engagement berichtete der evangelische Pfarrer über seinen Weg zur Gestaltung von Glocken: schon als Kind habe ihn der Klang der Glocken fasziniert, als Schüler war er Messner, und läutete noch die Glocken mit dem Seil. Als seine Gemeinde eine Glocke für die Nachbargemeinde stiftete, deren Glocken durch einen Brand alle zerstört wurden, erlebte er den Vorgang des Glockengießens zum ersten Mal mit.

Von da ab experimentierte der Pfarrer mit verschiedenen Materialien, um Wege herauszufinden, wie man Glocken gestalten könne. Die größte Glocke, die er gestaltete, war die Glocke für das Olympische Dorf in Barcelona. Sie wiegt 140 Zentner und ist 2,70 Meter hoch. In 28 Sprachen ist das Wort "Friede" als Inschrift auf der Glocke zu sehen, die besondere Herausforderung war, die Schriftzeichen für "Friede" , etwa in arabischer oder chinesischer Schrift exakt vorzugeben.

Detailgenaues Lehmformverfahren

Niekel schwört auf das Lehmformverfahren, weil sich da die künstlerischen Darstellungen am genauesten wiedergeben lassen. "Man sieht die kleinsten Details", so seine Erfahrung. Wichtig ist auch, dass die Buchstaben und die Bilder das Gewicht und die Form der Glocke nicht zu sehr verändern, weil sich sonst der Ton auch verändert. Glockengießen sei keine schnelle Sache, man müsse dem Trockenvorgang der Glockenformen und der Glocken selbst genügend Zeit lassen.

 

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