„Schwester Paula“ ist gestorben

13.04.2015

Mainpost den 13.04.2015

GERNACH
„Schwester Paula“ ist gestorben

Ex-Gemeindereferentin Weißenseel wurde 85

Im Alter von 85 Jahren ist die frühere Gemeindereferentin Paula Weißenseel verstorben. In Gernach war sie als die „Wagners Paula“ – oder „Schwester Paula“, wie sie auch genannt wurde – bekannt und beliebt.

Nach Eintritt in den Ruhestand war sie nach Gernach zurückgekehrt, wo sie mit ihrem Vater gebaut hatte. Sie half noch lange Jahre in der Seelsorge mit: bei der Kommunion- und Firmvorbereitung, bei Wortgottesfeiern und beim Besuchsdienst für die Kranken, in vielen persönlichen Gesprächen. Sie gehörte zu den ersten Wortgottesdienstleiterinnen in der Gemeinde, sie war aktiv im Frauenbund und im Senioren-Tanzkreis. Lange Jahre leitete sie das Seniorenforum im Dekanat Schweinfurt-Süd.

In Erinnerung bleiben, neben der Originalität ihrer Kommunion- und Firmkatechesen, die Tonkassetten des Sonntagsgottesdienstes, die sie über lange Jahre zu den Kranken brachte, die den Gottesdienst nicht mehr besuchen konnten. So ermöglichte sie ihnen die Teilhabe am Leben der St.-Aegidius-Gemeinde.

Geboren wurde Paula Weißenseel am 25. Juni 1929 als zweites Kind des Wagnermeisters Emil Weißenseel und seiner Frau Rosa. Ihr älterer Bruder Hermann war im zweiten Weltkrieg gefallen, so war es an ihr, in der Wagnerei und der kleinen Landwirtschaft der Eltern mitzuhelfen. Sie hatte zwei jüngere Schwestern, Maria und Rita. Pater Petrus Leißner war es wohl, der ihr den Anstoß gab, den Beruf der Pfarrschwester zu erlernen. So ging sie zur Ausbildung nach Freiburg im Breisgau und war dort die einzige ohne Abitur, entsprechend schwer war es für sie, sich durchzubeißen.

Schwester Paula trat ihre erste Stelle in der Pfarrei Herz Jesu in Aschaffenburg an. Aus dieser Zeit kannte sie Pfarrer Roland Breitenbach, der von ihrer zupackenden und lebenslustigen Art sehr beeindruckt war. Nach sechs Jahren kam sie nach Schweinfurt, in die Pfarrei Maria Hilf. Ihre Aufgaben waren hauptsächlich Schulunterricht, Krankenbesuche, Kommunion- und Firmvorbereitung. Erfinderisch versuchte sie, Jugendlichen den Glauben mit zeitgemäßen Mitteln nahezubringen. Sie war weltoffen, kontaktfreudig und stets für ein offenes Wort zu haben. Mit ihrer Meinung hielt sie in ihrer direkten, fränkischen Art nicht hinterm Berg.

Paula Weißenseel hatte es nicht immer leicht mit ihrer Kirche. Kannte man sie näher, spürte man, dass sie bei aller Glaubenszuversicht auch litt: Sie sah die Kirche an vielen Stellen zu weit weg von den Menschen, ihren Nöten, Wünschen und Sehnsüchten. Ihr Bemühen war es stets, nahe bei den Menschen zu sein, ihnen erfahrbar zu machen, dass Gott sie liebt und nicht verlässt. Sie sang im Chor der Singgemeinschaft Unterspiesheim-Oberspiesheim-Gernach. Unvergesslich auch ihre Auftritte bei den Faschings-Dorfabenden in Gernach. Im Gernacher Seniorenkreis brachte sie besinnliche und heitere Beiträge. Sie nahm auch dann noch am Gemeindeleben teil, als sie krankheitsbedingt ins Altenheim umziehen musste. Dem Frauenbund blieb sie bis zuletzt verbunden. Der Rosenkranz für die Verstorbene wird am Montag, 13. April um 13.30 Uhr in der St.-Aegidius-Kirche in Gernach gebetet, um 14 Uhr folgt das Requiem mit Aussegnung.

 

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