Sechzig Jahre miteinander in guten und in schlechten Tagen

20.11.2018

Mainpost 20.11.2018

Gernach

Sechzig Jahre miteinander in guten und in schlechten Tagen

Am 20. November werden es genau 60 Jahre, dass sich Maria und Bruno Hofstetter in der Gernacher St. Aegidius-Kirche das Ja-Wort gegeben haben und so das Fest ihrer Diamanthochzeit feiern können. Beide stammen aus Gernach, beide haben sie in derselben Klasse miteinander die Schulbank gedrückt, beide waren sie in der katholischen Jugend aktiv: sie als Gruppenführerin in der Frohschar, er als Gruppenführer in der Jungschar. "Ich schätzte Bruno damals schon, weil er zuverlässig war, sich für Schwächere eingesetzt hat", blickt Maria zurück.

Aber gefunkt hat es erst später. Da bemühte sich Bruno um Maria, er war immer wieder erfinderisch, in ihrer Nähe zu sein, und Maria erwiderte seine Liebe. Im November 1958 läuteten die Hochzeitsglocken. Dem Paar wurden vier Söhne geschenkt, die sich zusammen mit ihren Ehefrauen und deren sechs Kindern auf das Fest der Diamantenen Hochzeit freuen.

Neffen aufgenommen

Die Schwester Brunos, Maria, hatte 1957 Gottfried Salender geheiratet, sie starb im Jahr 1968. Die beiden nahmen deren jüngsten Sohn Adolf, der beim Tod seiner Mutter erst sieben Jahre alt war, in Pflege, bis der ältere ins Internat nach Münnerstadt kam. "Er gehörte einfach dazu", kommentieren die beiden ihre Unterstützung für die halbwaisen Kinder der Schwester von Bruno.

Maria Hofstetter wurde als neuntes Kind von Luzia und Michael Berchtold am 9. November 1935 geboren. Bevor Maria ein Jahr alt war, starb ihre Mutter, sodass sie für zwei Jahre bei ihrer Tante Magdalena aufwuchs. Als ihr Vater wieder heiratete, kehrte sie ins Elternhaus zurück. Der Vater musste als Soldat dienen, kehrte erst 1947 aus der Gefangenschaft zurück - eine Zeit des Bangens und Hoffens.

Zusammen fortgebildet

Sie besuchte die "Anstalt" wie der Kindergarten damals allgemein hieß, dann die Volksschule in Gernach. Schon als Kind musste sie tüchtig in der Landwirtschaft mithelfen. Sie erinnert sich gern an diese Zeit: "Wir Geschwister haben gemeinsam viel gesungen", erinnert sich Maria, und Bruno fügt hinzu, dass ihm der Gesang der Geschwister schon gefallen habe, bevor er um Maria warb. Die Jugendarbeit, so berichten beide, habe ihnen geholfen, ihren Blick zu weiten: immer wieder einmal gab es Fortbildungsangebote im Dekanat, man traf sich mit anderen Gruppenleitern zu Austausch und Gespräch.

Bruno kam am 21. September 1936 als Sohn von Regina Hofstetter, geborene Weis, und Josef Hofstetter auf die Welt. Er war der jüngste von fünf Geschwistern. Auch er musste in der Landwirtschaft mithelfen, auch sein Vater kam spät aus der Gefangenschaft. Nach "Anstalt" und Volksschule machte er eine Lehre als Verputzer bei der Firma Rödel in Grafenrheinfeld. Jeden Tag fuhr er mit dem Fahrrad zur Arbeit. 1968 wechselte er als Heizer in die Firma SKF nach Schweinfurt, wo er bis zu seiner Verrentung im Schichtdienst arbeitete.

Singen als gemeinsames Hobby

Nach der Heirat lebte das junge Paar zwei Jahre bei Familie Bruno Berchtold, einem Bruder von Maria, und seiner Frau. Im Jahr 1962 konnte das Paar in das am Bruderhof gebaute Eigenheim ziehen. "Ich wollte nicht nur am Herd stehen", blickt Maria auf ihr Leben zurück. So war sie zeitlebens vielseitig interessiert und engagiert: Seit der Gründung der Singgemeinschaft Unterspiesheim- Oberspiesheim-Gernach vor fast 50 Jahren ist sie dort Mitglied. Das Singen dort ist ein gemeinsames Hobby des Paares, denn Bruno hatte auch Spaß am Singen und wurde recht schnell auch Mitglied der Singgemeinschaft. Er spielte auch lange Zeit Klarinette in der Kirchenmusikkapelle von Gernach.

Maria war seit ihrer Hochzeit Mitglied im Mütterverein, wie der Frauenbund früher hieß und unterstützte ihre Schwester Theresia dort als Mitglied in der Vorstandschaft. Lange Jahre leitete Maria den Tanzkreis in Gernach und auch den Seniorenkreis. Gemeinsam nahm das Paar an Fortbildungen zum Tanz teil, schließlich mussten die beiden die Tänze den anderen Teilnehmern ja zeigen können.

Bruno war über viele Jahre Kommunionhelfer und Lektor, mit viel Herzblut half er mit beim Um- und Neubau der Sakristei der St. Aegidius-Kirche. Über lange Jahre, bis zum Jahr 2013 nahm er das Amt des Küsters wahr. Ein gemeinsames Hobby der beiden war auch ihr Garten: Gemüse, Salat wurde angebaut, aber auch die Blumenpracht machte den beiden viel Freude. Die Einschränkungen des Alters bringen es mit sich, dass sie den Garten nicht mehr bewirtschaften können.

Freiheit und Treue

Liebevoll umsorgt Maria ihren Mann, der sich aufgrund seines Alters schwer tut mit dem Gehen. Befragt nach dem tragenden Grund ihrer Beziehung antwortet Bruno: "Die Treue war uns wichtig. Wir sind die Aufgaben, die wir zu bewältigen hatten, gemeinsam angegangen. Und unser Glaube hat uns die Kraft gegeben, auch Schweres zu tragen." Maria sagt mit Blick auf die 60 gemeinsamen Jahre: " Wir haben uns gegenseitig unterstützt, aber wir haben uns auch die Freiheit gelassen, dass jeder den Dingen nachgehen konnte, die jedem von uns wichtig waren. Unser Glaube war und ist ein tragendes Fundament."

 

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