Seenlandschaft ist Fata Morgana

19.04.2006

Mainpost 19.4.2006

 

Seenlandschaft ist Fata Morgana

 

Lindach (KA) Nähert sich der Autofahrer von der östlichen oder von der westlichen Seite dem Ort Lindach, glaubt er aus der Ferne und bei oberflächlicher Betrachtung vermeintlichen Wasserflächen zu erkennen. Aber Stauseen auf der nach allen vier Himmelsrichtungen abfallenden Höhe? Da muss es sich wohl um eine optische Täuschung handeln. In der Tat: Beim genauerem Hinsehen erkennt man riesige Folienflächen, die Seen täuschend ähnlich sehen.

Mit der Folienabdeckung ihrer Felder nutzen die ortsansässigen Spargelerzeuger die Aufnahme der Sonnenwärme. Unter den dunklen Kunststoffdecken entsteht im Boden ein günstiges Mikroklima, das das Wachstum der Spargelpflanzen stark anregt. Somit treiben die Spargelstangen schneller in den erwärmten Erddämmen in die Höhe und können folglich früher geerntet werden. Je früher man mit dem "Weißen Gold" auf den Markt kommen kann, desto höhere Preise lassen sich für den Erzeuger erzielen.

Lindach ist immer noch ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Einheimische Landwirte mussten sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart aufgrund der in der Flur vorherrschenden Sandböden schon immer auf Sonderkulturen wie Obst- , Wein- und Spargelanbau setzen, um ein ausreichendes Betriebseinkommen erzielen zu können, weil andere landwirtschaftliche Feldfrüchte nicht in dem Maße einträglich waren.

Die Kulturpflanze Spargel verlangt leicht erwärmbare, humushaltige, vom ph-Wert her leicht saure, steinfreie Sandböden mit relativ hohem Grundwasserstand. Solche Flächen gibt es in den Fluren des Obstbaudorfes reichlich. Auch in unserem hochtechnisierten Zeitalter ist der Anbau des Spargels von viel Handarbeit geprägt, die besonders bei der Ernte, dem Spargel stechen , und bei der Neupflanzung anfällt. Dagegen sind Bodenpflege, Pflanzenschutz und Düngung heute weitgehend durch Großmaschinen mechanisiert.

Spargel ist eine ausdauernde Pflanze, die mehr als zehn Jahre lang im Ertrag stehen kann. Ihre unterirdischen Teile verbleiben ganzjährig in der Erde, sie überwintern und treiben im Frühjahr immer wieder aus. Hier werden sie dann als Bleich - oder als Grünspargelstangen geerntet. Gestochen werden die Stangen nur etwa zehn Wochen lang, maximal bis Johanni (24. Juni), dann wachsen die weißen Stangen im Sommer zu hohen grünen Trieben heran. Die Pflanze hat nun Ruhezeit und kann die nötigen Nährstoffe für die nächste Erntesaison im folgenden Frühjahr einlagern.

Botanisch gesehen gehört der Spargel zu den Liliengewächsen, dessen nahe Verwandte unter anderen das Maiglöckchen und die Herbstzeitlose sind.

In Lindach wurde der Spargel etwa zu Beginn der 1950er Jahre erwerbsmäßig kultiviert. Die hiesigen Bauern bauten ihn an im Nebenerwerb als zusätzliche Einkommensquelle. Heute wird er nur noch von einigen Grundstückseignern kleinflächig, ohne Folienabdeckung, in Betriebsgrößen bis zu einem halben Hektar (5000 Quadratmeter) angebaut. Dagegen gibt es etwa fünf Landwirte, die die Pflanze als Folienkultur großflächig mit mehr als vier Hektar (40 000 Quadratmeter) Betriebsgröße anbauen. Diese Größenordnung kann man vom Arbeitsanfall her gesehen nicht mehr mit betriebseigen Arbeitskräften bewältigen.

Hier kommen dann kostengünstige Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa zum Einsatz. Auch die "Großerzeuger" aus Lindach haben sich inzwischen auf spezielle Kundenwünsche eingestellt: Da werden die Stangen mittels einer Spezialmaschine hausfrauenfreundlich geschält und somit gleich kochfertig zubereitet. Spezielle Verkaufskühlwagen bringen die frische Ware auch zu weit entfernt wohnenden Kunden.

Geliefert wird Lindacher Spargel in verschiedenen handelsüblichen Kategorien bis nach Bayreuth und in den Odenwald. Marktstände in größeren Städten im Umkreis von 70 Kilometern werden beschickt. Spezielle Kühlanlagen halten die portionierte Ware frisch. An Pfingsten gibt es ein mehrtägiges Spargelhoffest bei origineller fränkischer Musik.

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