Seit 25 Jahren attraktive Martini-Kirchweih

05.11.2018

Mainpost, 05.11.2018

LINDACH

Seit 25 Jahren attraktive Martini-Kirchweih

Vor dem Jahre 1993, etwa in den 1970er und 1980er Jahren, merkte man kaum, dass in Lindach Kirchweih gefeiert wurde, denn da legte man auf alte Bräuche und überlieferte Traditionen offensichtlich keinen Wert mehr. So gerieten diese schließlich in Vergessenheit. Das erfuhr eine Änderung, als der damals gegründete Kulturverein sich der Sache annahm. Jetzt wurde die Martini-Kirchweih mit neuen Aktionen attraktiver gestaltet. Das fand in der Bevölkerung großen Anklang, der 25 Jahre danach offensichtlich immer noch anhält.

Doch was lief früher an Kirchweih im Ort? Gemeint sind die Zeiträume weit vor dem Zweiten Weltkrieg und danach, etwa bis in die späten 1960er Jahre hinein. Auch da wurden, wie die Chronisten zu berichten wissen, Kirchweihbäume an der Kirche, an den Gasthäusern und an den Anwesen des ersten und des zweiten Bürgermeisters von der Dorfjugend aufgestellt. Kirchweihtanz in den beiden Gasthäusern gab es ebenfalls.

Früher wurde mehr gebacken

Die größte Aktion in den damaligen Zeiten war aber das Backen im seit 1681 bestehenden Dorfbackhaus neben dem historischen Rathaus. Da wurde gebacken, was das Zeug hielt. Diesen Backrummel gibt es heute nicht mehr in diesem Ausmaß. Im Zuge der Dorferneuerungsmaßnahme restaurierte man in den 1990er Jahren den steinernen Holzbackofen und das Muschelkalkhäuschen liebe- und stilvoll. Heute wird hier nur noch gelegentlich Brot, Kuchen und Pizza gebacken. So intensiv wie in den Vor- und Nachkriegsjahren wird der Dorfbackofen nun nicht mehr genutzt.

Im oben benannten Zeitraum wurden da vor den Kirchweihtagen sehr viele Brotlaibe, eine große Menge Käse-, Apfel- und Zwetschgenkuchen, in Franken „Plooz“ genannt, auf großen, runden Blechen bei Tag und in der Nacht gebacken. In diesen früheren Zeiten wurde der Backofen rund um die Uhr überhaupt nicht kalt.

Um diese Situation besser verstehen zu können, muss man wissen, dass es im Ort nie einen Bäckerladen gab, wo man Gebäck hätte kaufen können. Nach auswärts, wo es welches zu kaufen gab, kam man selten. Da musste man sich eben selbst versorgen. Schon immer wurde aber Gebäck von auswärts nach Lindach geliefert und in Verkaufsstellen unter die Leute gebracht. So ist das heute noch.

Der Hauptgrund für die große Backaktion zur Kirchweih, zur Weihnachts- und zur Osterzeit war aber wohl, dass die alten Lindacher wenig Geld hatten, um sich das für sie teure Gebäck immer leisten zu können. Da musste eben selbst Hand angelegt werden.

Was hat sich nun an der Lindacher Kirchweih ab 1993 verändert? Neu hinzu kamen die Aktionen auf dem Dorfangerplatz, alles andere war früher auch schon da. Manches wurde zwischenzeitlich nur nicht mehr gepflegt.

Feuchtfröhliche Angelegenheit

Zum großen Aktionstag der Kirchweih erkor man damals den Samstag. Daran hat sich in den vergangenen 25 Jahren nichts geändert. Mit einem Schlepperkonvoi holt die Dorfjugend aus dem Gemeindewald die Kirchweihbäume, die man anschließend mit bunten Papierfähnchen schmückt. Mit viel Hallo und Getöse zieht man nun mit Traktor und Wagen, die Kirchweihbäume im Schlepptau, durch die Straßen des Ortes, um den Leuten zu signalisieren: „Jetzt is Kerm auf dem Dorfanger!“

Ein Bierfass, das die Kirchweih symbolisiert, wird im Kirchgarten ausgegraben. Ganz ohne die örtliche Blasmusik geht das selbstverständlich nicht. Im Ort verteilt werden nun die Kiefernbäume, wobei man die Kirche, die beiden Gasthäuser und die Anwesen der örtlichen Gemeindräte damit schmückt. Als Honoratioren suchte man einst die örtlichen Gemeinderäte aus, denn einen Bürgermeister gibt es seit der Gemeindereform ja nicht mehr im Ort.

Üblicherweise ist das Ganze eine eher feuchtfröhliche Angelegenheit für die Dorfjugend, zumal die Gemeinderäte, ob der Ehre, die ihnen durch das Aufstellen der Bäume zuteil wird, sich nicht lumpen lassen. Großzügig stellen sie Speise und Trank für die „Staren“, wie die Kirchweihjugend hier benannt wird, zur Verfügung.

Endlich treffen sich Dorfjugend und Volk auf dem Dorfangerplatz zur Kirchweihpredigt. Meist mit hintergründigem Wortwitz werden da die kleineren und größeren Sünden, Missgeschicke und Fehltritte so mancher Dorfbewohner glossiert vorgetragen, die man meist mit Gelächter und Frotzeleien quittiert. Doch stets mit Humor und einer Portion Gleichmut nehmen die Betroffenen die Botschaften auf, denn die Vorträge der Prediger werden nie verletzend und gar Ehr abschneidend verfasst. Am Abend versammelt sich dann Jung und Alt zum Kirchweihtanz im Gasthaus.

Besuch von Verwandten

Der Sonntag und der Montag gehören traditionell dem Kirchweihschmaus in den Gasthäusern, wobei auch das Schafkopfspiel stets intensiv gepflegt wird. Selbstverständlich bieten nach guter fränkischer Sitte Keller und Küche der Gasthäuser nur das Beste. Zum Kirchweihsonntag gehört schon immer auch der Besuch des Kirchweihgottesdienstes in der Dorfkirche, deren Weihe man ja schließlich feiert. Das gehört hier, wie in anderen fränkischen Dörfern auch, noch zur Tradition, ebenso der Besuch von Verwandten und Bekannten zu diesem Dorffest.

Was vor genau 25 Jahren in dieser Weise eingeführt wurde besteht noch immer so und das wird wohl auch demnächst im Winzer-, Spargel- und Obstbaudorf, über den Höhen des Maintals gelegen, wieder so ablaufen, denn das sind mittlerweile Aktionen, die zur Tradition geworden sind und die gepflegt werden. Am kommenden Wochenende, stets eine Woche vor dem Volkstrauertag, ist es wieder soweit. In diesem Jahr fällt die Martini-Kerm sogar auf den Gedenktag des Heiligen Martin. Er ist zwar nicht der Kirchenpatron der hiesigen Kirche, das sind der Heilige Antonius, der Mönchsvater, und der Evangelist Markus. Das tut der Sache aber keinen Abbruch. Am Samstag ab 14 Uhr geht es los auf dem Dorfanger und ab 20 Uhr kann das Tanzbein im Sportheim geschwungen werden.

 

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